Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 34 (21.8.1840)
- Date
- 1840-08-21
- Page
- Seite 291 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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291 des berüchtigten Processes gegen Herrn Dr. L. sich in diesem Sinne ausgesprochen. Wahrlich in der Einsetzung einer den religiösen Sinn anregenden, alle Anwesenden wahrhaft erbauenden, die leichtfertige Jugend mit einer unvergeßlichen, liefergrerfenden Erinnerung erfüllenden, übrigens dem Herkommen sich anschließenden Feier, kann selbst der blindeste Eifer kein Niederreißen der kirchlichen Satzungen erkennen, und es müssen hier zur Erzielung einer solchen Mißbilligung die seltsamsten Entstellungen der Thatsachen untergelegt worden sein! Wir können daher nur der Hoffnung uns uberlassen, daß die Wahrheit bald an's Licht treten und die Mißbilligung auf dasjenige beschränkt werden möge, was etwa einen Gewissensscrupel veranlaßt haben dürfte! Denn sicherlich herrscht, hier ein Mißverständniß und man darf die Ueberzeugung nähren, daß unsre jeder religiösen Weihe vorzüglich j zugeneigten Regierung unmöglich ein so anerkanntes Fürz derungsmittel der Frömmigkeit zu tadeln beabsichtige. Wahri scheinlich hat in der Form etwas zu kleinlicher Beschwerde Gelegenheit gegeben, und wird noch eine Erläuterung Nachfolgen, um das Gute'nicht zu unterdrücken. Würzburg im Juli 1840. (Schluß.) Eben so schön als richtig schilderte er die erforderlichen Eigenschaften eines Rabbiners mit den kurzen Worten: „ein solcher Religions-Vorstand muß in den ächten mosaischen > Religionslehren und Ceremonial-Satzungen eine durch gründ-! Uche Studien erworbene tüchtige Kenntniß besitzen und ein z treuer Anhänger dieser Lehre sein; nicht weniger aber auch i eine allgemeine, gründliche, wissenschaftliche und insbesondere! pädagogische Bildung sich angeeignet haben und ein tüchtiger! Redner sein; Reinheit der Sitten, ein edler, fester Charak-; ter und nicht weniger Kenntniß der Gesetze, der Menschen! und der Welt mit ihren Erscheinungen und jetzigen Bedürf-! nissen müssen auf Seifen des Rabbiners zu Hause sein, und! sich derselbe in der gebildeten Welt als gebideter Mann zu I benehmen wissen." j Einen solchen Rabbinen wünscht der edele Mann! gewählt, damit, wie er sich ausdrückte, „damit Ehre und j Achtung und gesegnetes Wirken den Rabbiner umgebe, und euere lange genug mißkannte und geschmähcte Religion unter würdigen Geistlichen sich in ihrer Reinheit entfalte, und die Unwissenden und Lästerer zum Schweigen bringe."! Erhebend war dessen Auslegung und wahre Deutung | des schon vielfach besprochenen Neologenrescriptes zu vernch- | men. Derselbe äußerte sich bezüglich desselben folgendermaßen: j „eine gewisse Parthei der Israeliten will aber, wie gesagt,! keine Wissenschaft, sondern die Fortbauer der ägyptischen! Finsterniß, und ist frevelhaft genug, ein gerade das Gegenj Iheil sagendes Allerhöchstes Rescript vom 23sten Oktober 1889 ' durch die Behauptung zu besudeln, daß selbst Se. Majestät > unser Allergnädigster König den wissenschaftlich gebildeten I Rabbinen abgeneigt sei. Eine solche Behauptung muß gera- I dezu als Schmähung Sr. Majestät des Königs bezeichnet! werden. Allerhöchst welcher selbst auf der höchsten Stufe der Religiosität und Gelehrsamkeit stehend, durch sein eigenes erhabenes Beispiel lehrt, daß Religion und Wissenschaft in freundlichem schwesterlichem Bunde sich vereinen. Und den Beweis hievon können jene, die ich meine., auch bei den frömmsten und weisesten Männern aller Religionen, insbesondere bei einer großen Zahl durch Frömmigkit und Gelehrsamkeit ausgezeichneter Rabbinen der ältern und neuern Zeit, z. B. einem Maimonides, Aden Esra, Iehuba hallevi, Jonathan Eibeschütz u. a. unzweideutig finden; und wenn sie in ihrem Thalmude vollständig bewandert sind, so können sie dort auch lesen, daß in einem orientalischen Bilde ausgedrückt, einem jüdischen Gelehrten (thaldmid chacham) ohne wissenschaftliche Bildung (Deah) ein AaS vorzuziehen sei, d. h. daß er seiner Bestimmung nicht entspreche; und gleichfalls der Thalmud wird sie belehren, daß jedes Mitglied des Sanhedrin in fremden Sprachen und allen Zweigen der Gelehrsamkeit, ja sogar in fremden Religionen unterrichtet sein mußte." „Nehmen wir, weil sich die Gegner auf das allgemeine Rescript vom Wsten Oktober 1839 — daS sogenannte Neologen-Rescript — so entschieden berufen, dieses Rescript selbst zur Hand, und hören wir unmittelbar, was in diesem Rescripte ausgesprochen sei. Dasselbe sagt, daß Se. Majestät der König nur gründlich gebildete, uud zugleich den ächten mosaischen Glaubens-Lehren und Ceremonialsatz u n g e n treu anhängende, nicht aber verderblicher Neologie huldigende Candidaten als Rabbiner fortan bestellt und bestätigt wissen wollen. Se. Majestät verlangen also vorerst, daß der Rabbiner gründlich gebildet sei, d. h. daß er seinen Geist durch die Schätze der Wissenschaft und sein Her; durch edle Gesinnungen bereichert habe. Weiter verlangen Allerhöchstbieselben aber neben der geist- und herzumfassenden gründlichen Bildung zugleich auch noch, daß der Rabbiner den sichten mosaischen Glaubenslehren und den ächten Ceremonialsatzungen ein treuer Anhänger sei; und mit Recht sollen daher von den Rabbinaten solche Candidaten ausgeschlossen bleiben, welche verderblicher Neologie anhängen. d. h. welche die positive Religion mit Füßen treten und Neuerungen lehren, welche den sichten Glaubenslehren und Ceremonial-Satzungen zuwider sind; denn die israelitische Religion als solche hat den Schutz einer Privalkirchengesellschaft in unserm Voterlande, nicht aber die Geburten des eigenen Kopfes, welche einen oder den andern jüdischen Theolog in eitlem Dünkel etwa an die Stelle der wahren Religion seiner Väter setzen möchte. Eine verderbliche Neologie ist aber die wahre gründliche Wissenschaft nicht, i welche der Religion schwesterlich zur Seite steht, und ihr! vielmehr zur Erhöhung ihres Glanzes, zur Hülfe und zum! Schutze dient. j Die erwähnten Ausleger des sogenannten Neologen-Re- > scriptes sprechen sich in der Beschränkung ihres Geistes ober 1 Böswilligkeit ihres Herzens also aus: Es giebt unter den! Rabbinats - Candidaten einer Seils Neologen oder wissen-! schaftlich gebildete Männer, welche die positive Religion mit! Füßen treten, und andererseits treue Andänger des Judenthums, welche der wissenschaftlichen Bildung fremd geblieben sind, und unter diesen zwei Klassen taugen nur die letzieren als Rabbiner. Gäbe es wirklich nur diese zwei Klassen von! Rabbinats-Candidaten, so würde wohl kein Zweifel sein,! daß die Religion ohne Wissenschaft den Vorzug vor der j Wissenschaft ohne Religion verdiene; aber so verlassen sind! die Israeliten noch nicht bei ihrer Wahl, denn es giebt noch j eine Dritte Klaffe von jüdischen Theologen, welche den ächten? Glaubenslehren und Ceremonial-Satzungen treu und fest \ anhängen und in dieser Beziehung auch zu dem, mir^unmit-! telbar ai-gerühmten Bunde der Altgläubigen gehören, aber zugleich den Geistesadel wissenschaftlicher Bildung in sich i vereinen und deren ich mehrere ausgezeichnete junge Männer bei Gelegenheit der Vorbereitungen zur heutigen Wahl näher kennen zu lernen die Freude hatte." Diese Grundsätze und Ansichten äußerten sich auch bei der ausgezeichnet schönen und herrlichen Rede, welche derselbe an die Versammlung und an den neuen Distriktsrabbij ner hielt, den er öffentlich und feierlich verpflichtete und! durch feierliche Ueberreichung der SynagogensLlüssel in lein j Amt ein setzte. Vor diesem feierlichen Akte sangen die sämmli Ilch anwesenden Lehrer vom ganzen Distrikte, die israelitische Schuljugend von Nieberwern und viele christliche Lehrer ein passendes Lied — wenn ich nicht irre — aus Johl so ns Gesangbuch; nach demselben das baierische Nationallied: „Heil dem König," und hierauf begab sich die ganze Versammlung in die Synagoge, wo Herr Rabbiner Le brecht eine sehr schöne gehaltvolle Rede über Zacharias 3, 7 hielt, der viele Christen aus allen Ständen, darunter der würdige Herr Landrichter Kleiner und viele andere Beamten aus Schweinfurt, so wie auch viele christliche Geistliche beiwohnten. Herr Landrichter Jhl und die übrigen Honoratioren hatten die Gewogenheit, der jüdischen Gemeinde die Ehre zu erweisen, die Einladung des von ihr veranstalteten Dejeuner anzunehmen. — Gott gebe, daß diese Anstalt zum Heil und Segen für Israel erblühen möchte!- mmtmm