Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 34 (21.8.1840)
- Date
- 1840-08-21
- Page
- Seite 289 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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289 Was ist bei'm AE. häufiger, als das Bekenntniß einer blinden Unterwürfigkeit gegen die Entscheidungen der alten Rad- - binen und die gehässigsten Ausdrücke gegen Schismatiker? Maimonides verwendete einen großen Theil seines Lebens auf Commentirung der Mischna nach dem Thalmud. und auf Umformung des letztern. Und was ist mehr voll Vorurtheil und antikritisch als seine Vorreden zu Mischne Thora und zum Mischnah-Commentar? — Das Vierte, wodurch die Schule des AE. und des M. dem Fortschritt der Kritik schadeten, ist etwas Indirektes und Unwilikührliches, nämlich die Reaction, welche sie veranlaßte. Sie ist in der Thal unleugbar; es ist ein großer Unterschieb zwischen dem Rabbinismus vor und nach Maimonides. Vor ihm fühlte der Rabbinismus seine eigenen Kräfte, und war nicht Sklave der Autorität. Sehr fromme und orthodoxe Rabbinen wagten es, über das, was ihre Vorgänger gedacht hatten, wieder frei zu denken. Hai Gaon erklärten (Jesod. 01.Ti) einen thalmudischen Ausspruch über astronomische Sachen für ungenau. Gerschom, das Lickt des Exils, hielt Trauer (gegen die alte Sitte) über den Tod eines apostafirten Sohnes; ja er trauerte nicht bloß 7, sondern 14 Tage (Meir Roth. 544.) Raschi bestreitet oft die Entscheidungen der Geonim (das. RGA. 456. 564.) Rsbm die Autorität des Hai Gaon in der Erklärung einer Mischna (pjn 14» col. 4.) Elieser b. Nathan aus Mainz, Freund des Scküler R's., versuchte eine Wundergeschichte aus dem Thalmud (bas. §. 355) natürlich zu erklären. — Und allen diesen ging jede externe Bildung ab. (Schluß folgt.) Noch ein Wort über das Kalenderwesen. Obgleich man es Herrn vr. Creizenach ruhig überlassen kann, den in Nr. 25 der Annalen gegen ihn gerichteten Anfall selbst abzuwehren, so kann ich nicht umkrn, bei dieser Gelegenheit anzumerken, daß jeder, der nur eine algebraische Formel auszuarbeiten versteht, leicht einsehen muß, daß die durch Hrn. vr. C. gegebene Regel vollkommen richtig ist. Es ist mir unbegreiflich, wie jemand diese Regel für „falsch und besonders auf die Zahl 19 nicht anwendbar" erklären könne; denn wenn auch alle andern Zahlenwerthe . für n dem Zweifel unterliegen, ob auch zwischen 7 v -|- 1! und?n —6 eine Größe durch 19 theilbar sei, so ist doch j ganz gewiß für n—19 die Zahl 7u zwischen beiden Gränzen j liegend. — Auch der Ausspruch, „daß für die Schaltjahre keine algebr. Formel möglich sei," muß nicht so genau ge- ' nommen werden, denn, da man die Jahre nach der Folgereihe, in ganzen Zahlen braucht, und die Brüche vernachlässigen darf, so setze man n 19 e +.5. Wenn man nun 7 für e nach Belieben die ganzen Zahlen 1, 3, 3 ic. nimmt, so findet man für n 3, 6, 8, 11, 14, 17, 19 und hält als Uebersckuß entweder Null ober eine gebrochene Zahl, die weggelassen wird. Z. B. man fragt, in welches Jahr des Cvclus fällt das 3te der sieben Schaltjahre? Ich setze e 8 und finde n y — 8?, lasse die $ weg und antworte: „Im 8ten Jahre" u. s. w. (Amsterdam, Juli.) U. Nachtrag*) zu den Bemerkungen über des Hrn. vr. Creizenach Aufsatz in den Annalen Nr. 15.16.85. (1810.) „Schon längst wurde die Ursache angegeben u. s. w." 1) Die Ursache ward ausführlich für alle Schaltjahre angegeben im Buche lesoä 01am v. Rab. D. Israeli. Absch. 4. *) Wir tkeilen diesen Nachtrag mit, weil uns dessen Herr Verfasser darum ersucht hat, obwohl uns nicht klar geworden, wie fern dadurch die Sache ein neues Licht gewinnt. Auf jeden Fall wünschen wir diesen Gegenstand als beendet ansehen zu dürfen. D. H. Abth. 3. S. 63 b.; nur bei'm 19ten Jahr des Cyclus spricht er. man habe es zum Einschaltungsjahr gemacht wegen des folgenden Abgangs fast eines ganzen Mondmonates; nach der Einschaltung kommen Sonne und Mond in der Ecliptik ohne Rückstand zusammen. 2) Ist zu bemerken, nach Maim. Par. 10. Mischna 1, wo es heißt: Das Sonnenjahr ist 365 Tag, 5 St. 997 Th. 48 Sekunden. ZuBenDavid. „Ein algebraischer Ausdruck für alle 7 Schaltjahre kann nicht gegeben werden (weil die Monbmonate nicht verhaltnißmäßig zu und abnehmen. Zu Pirke R. Eliezer. „Der kleine Cyclus von 19 Jahren enthält? kleinere rc." Hier citirt der ^esord Olaw S. 4. Abth. 3. Seite 62* eine Bvreita von Schnot ibur, wo drei verschiedene Meinungen obwalten, wie die Schaltjahre eingetheilt werden. Der Schluß bleibt wie Gemaliel 3. 3. 3. 3. 3. 32, das heißt 3. 6, 8, 11, 14, 17, 19. Salomon Rosenthal in Pesth. Statistik. Israelitische Bevölkerung im Königreich -er Niederlande. Provinzen. 1. Jan. 1830. 1840. Mehrbetrag. Nordbrabant 1476 1951 457 Gelderland 2784 3656 908 Nordholland 24117 25632 1515 Südholland 7596 8475 579 Zeeland 454 597 143 Utrecht 1484 1528 44 Friesland 1555 1945 390 Oberyffel 2231 2758 527 Groningen 2649 3184 535 Drenthe 1172 1401 229 45,483 51,12? 5645 Die ganze Bevölkerung des Landes betrug 1830,2,427,206 Seelen, und am 1. Januar 1840, 2,662,489, also eine Vermehrung von 235,283. Verhielten sich also die Israeliten zum Ganzen 1830, ungefähr wie 1:53, £22, und im Jahr 1840, wie 1:52,212. Nachrichten und Correspondenzen. Lemberg, 2. August. — So eben geht die betrübende Nachricht ein, baß Mittwoch den 29. Juli der ausgezeichnete Gelehrte Herr Nach man Cohen Krochmal zu Tarnoyol, wo er längere Zeit wohnte, 56 I. alt,mit Tode adgegangen i st. Alle Freunde ächter Wissenschaft werden von diesem Schlage hart betroffen. Der Verstorbene war nicht bloß durch seine große Gelehrsamkeit in der ganzen Umgegend berühmt, sondern ein Freund und Rathgeber aller derer, die Wissenschaft suchten, und besaß die allgemeine Verehrung auch wegen seines vortrefflichen Charakters. — Einen Nekrolog nächstens. Brüssel. — Wir sehen jetzt der Gründung eines Instituts entgegen, welchem wir den gesegnetsten Erfolg wün. schen, indem wir die Aussicht haben, in demselben einen Mittelpunkt für religiöse und wissenschaftlich-praktische Bildung der Jugend zu gewinnen, wie er uns bisher gänzlich mangelte. Herr vr. A. Mayer, aus Bayern gebürtig, welcher seit einher Zeit, nachdem er mehrere Jahre dem Studium der orientalischen Sprachen zu Paris mit Eifer und anerkanntem Erfolge obgelegen hatte, sich hier aufhält, wirb durch mehrfache Aufmunterung veranlaßt, hieseldst eine Erziehungsanstalt für israelitische Knaben zu errichten, welche durch die lokalen Verhältnisse so wie durch die Talente des Herrn Direktors bedeutende Leistungen erwarten läßt. Zwei