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Israelitische Annalen · 1840-08-14 · Heft 33 (14.8.1840) · p. Seite 282

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 33 (14.8.1840)
Date
1840-08-14
Page
Seite 282 (sequence 6)
Language
German
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282 hältnisse in jedem Kreise besonders darstellen. 1) Kreis Ottweiler. Zn diesem Kreise wohnen viele Israeliten und in Ollweiler selbst eine bedeutende und wohlhabende Gemeinde. Hier besteht eine sehr gut eingerichtete jüdische Elementarschule, welcher der tüchtige Lehrer H. Levy mit aller Kraft vorsteht. Den hebräischen und Religionsunterricht, den ich zu prüfen aufgefordert wurde, fand ich nach den Umständen sehr befriedigend. Das Schullokal und die Wohnung des Lehrers lassen nichts zu wünschen übrig. Eine höchst schöne und geschmackvoll gebaute neue Synagoge, in welcher jetzt schon der Gottesdienst gehalten wird, wird, sobald die noch fehlenden neuen äußeren Verzierungen angebracht sind, eingeweihet werden, und jetzt schon werden die Schuljugend und andere Erwachsene in Choralgesängen für dieses bevorstehende Fest durch den würdigen H. Lehrer eingeübt, welche man auch spater beim Gottesdienst beizubehalten gedenkt. — In Illingen, wo eine noch größere aber weniger bemittelte jüdische Gemeinde wohnt, soll auch eine gute jüdische Elementarschule mit einem tüchtigen Lehrer sein, worüber ich aber nichts Näheres mittheilen kann, da Umstände mich abhielten^. dahin zu reisen, was ich aber später nachzutragen gedenke. — 2) Saarbrücken. Zn diesem Kreise sind nur wenige Zuden und in Saarbrücken selbst wohnen nur 8—10 Familien, unter denen der sehr gebildete, angesehene und geachtete Consistorialrath Hr. Benj. Simon besonders zu erwähnen ist. — Keine jüdische Schule. — 3) Kreis Saarlouis. Hier wieder viele Juden und Saarlouis hat eine große wohlhabende jüdische Gemeinde mit einer sehr schönen, noch neuen Synagoge. Leiber! ist auch hier keine jüdische Elementar- und Religionsschule, obgleich man das Bedürfniß nach letzterer allgemein dort fühlt. Hier wurde der sehr gelehrte und edle Sprachlehrer Herr Levy in einer der ersten christlichen Schulen als französischer Lehrer angestellt, und dieser crtheilt auch in den ersten Häusern dahier Unterricht. — In diesen drei Kreisen wünscht man sehnlichst einen besondern Rabbiner zu haben, und gerne opfert man zu diesem schönen Zwecke bedeutende Summen. Ob dieses realisirt werden wird, hängt von der hohen Regie-! rung ab, und es wäre zu wünschen, daß Trier und die übrigen betheiligten Gemeinden diesen edeln Vorschlag unterstüzzen, was gewiß zum Heil und Segen aller gereichen würde. — Es würde jeden nur ein kleines unbedeutendes Opfer kosten, was reichlich durch eine bessere Ordnung und Verwaltung der jüdischen Angelegenheiten — die dann nur möglich sind — ihnen ersetzt werden wird. — 4) Kreis Merzig. Hier wieder viele Zuden und in Merzig selbst eine große wohlhabende jüdische Gemeinde. In der jüdischen Elementarschule wird durch den talentvollen Herrn Lehrer B o n n e m soviel als die dortigen Lokalverhältnisse es gestatten, geleistet. Schade, daß die Eltern nicht mehr dem Lehrer in die Hand arbeiten, und sehr zu beklagen ist es, daß im Gegentheil manche demselben solche Kränkungen zufügen, daß er —wie dieses nämlich erst der Fall war—bei Gericht klagen mußte. Freilich könnte der Herr Lehrer von seiner Seite sich mehr in die dortigen Verhältnisse und in den Bil- ) dungszustand der Leute versetzen, wodurch manche Mißhelligkeiten schwinden müßten. — Zu einer neuen Synagoge ist schon der Plan entworfen und die Mittel hierzu sind größtentheils schon vorräthig. Einige sehr schöne Vereine, wie besonders der Jüngerverein, in welchem Herr L. Hanau jeden Sabbath die Bibel auf eine recht belehrende Weise zum Gegenstand des Unterrichts gemacht hat, sind für die Gemeinde sehr wohlthätig. Auch werden für noch manche Thalmudschüler auf die frühere Weise bei dem großen Thalmudisten und sehr edlen und biedern Herrn Moses Levy unterrichtet. — 5)Kreis Saarburg und «-Landkreis Trier. In diesen beiden Kreisen befindet sich keine bedeutende jüdische Gemeinde und daher nirgends eine öffentliche Schule und bedeutende Synagoge. —?) Die Stadl Trier. Ueber die dortige gut eingerichtete Schule und ihren vorzüglichen Lehrer, so wie über manche Verbesserungen im Cultus (die sich aber dis jetzt hauptsächlich auf bas Absteüen des Verkaufens der Funktionen beschrankt—) wurde schon öfters in diesen und andern Blättern gesprochen, und es muß nur erwähnt werden, daß jetzt das bisherige schöne Verhältniß des Lehrers und seiner Schule zu den jüdischen Bewohnern , von welchem so viel Segen entspringen könnte, durch einige sehr betrübende Thatsachen gestört wurde, und es ist sehr zu wünschen, daß der s.hr geehrte und einsichtsvolle Vorstand die geeigneten Maßregeln bald ergreifen möge. — Ueber die neue Wahl des Rabbiners, so wie über die Ansprüche, die man an diesen macht, ist man hier noch nicht recht einverstanden. — Ob es überhaupt einem aufrichtigen nach der neuen Weise gebildeten jungen Mann gelingen wird, sich das Zutrauen und die Achtung der hiesigen Israeliten zu erwerben, will mancher noch bezweifeln und von hieraus noch manches befürchten; jedoch wir hoffen das Beste von den einsichtsvollen und sachverständigen Wortführern, die sich gewiß von manchem kleinstädtischen Geschwätz nicht werden irre leiten lassen. — Dem würdigen Consistorialrath Schloß ist schon vor einigen Monaten die provisorische Verwaltung der erledigten Stelle von der Regierung übertragen worden, welcher auch am Sabbath i vor dem Wochenfeste einen recht passenden, an schönen Ge-! danken reichen und in der Mitte zwischen den Deraschoth und den homiletischen Reben stehenden Vortrag in verständlicher deutscher Sprache hielt. — Der würdige Vorsteher Herr Allmeier wird ohne Zweifel zum Consistorialrath — da ein solches Glied jetzt fehlt —gewählt werden.— 8) Kreis Wittlich u. 9) Kreis Bernkastel. Diese beiden Kreisen besolden —zwar in geringem Maaßstab — noch einen Rabbiner in der Person des Herrn I. Frank, welcher würdige Mann manches Gute wirkt und manche schöne Lehren verbreitet. So erhält z. B. die erwachsene männliche Jugend in Osann (dem Aufenthaltsort des Herrn F.) jeden Sabbath bei ihm Belehrung in dem wöchentlichen Abschnitt und in der Religion nach Pleßner; und der Männer-Verein in-den Psalmen. In Wittlich wurde vor einigen Jahren eine neue Synagoge gebaut. In Bernkastel ist trotz der kleinen jüb. Gemeinde doch eine öffentliche jüdische Elementarschule und ein sehr talentvoller Lehrer, Herr Block (Vater des Herrn Block, Lehrer in Simmern.) Cs ist sehr zu bedauern, daß zwischen dem Lehrer und der Gemeinde schon seit lange bedeutende Zwistigkeiten Statt finden, welche sehr störend auf die Beförderung des Guten wirken und hier besonders, so wie noch an mehreren Orten, vermißt man die versöhnende Hand eines friedliebenden und wohlwollenden Geistlichen. — In Thalfangen soDdie Stelle des jüngst verstorbenen tüchtigen und biedern Lehrers wieder .gut besetzt sein, worüber, so wie über den Kreis St. Wendel, welcher seit der Vereinigung mit Preußen, auch zum Consistorialsprengel Trier gehört, wir später Bericht erstatten werden. — In den übrigen Orten werden die Kinder entweder gar nickt oder größtentheils sehr schlecht von den verschiedenartigsten Lehrern, die bisher keiner Prüfung unterworfen waren, in den religiösen Gegenständen unterrichtet, und in dieser Jugend erblickt man ein trauriges Bild und schlechte Aussichten für die Zukunft. Alles wendet sich am liebsten zum Handel und Handwerker machen nur

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