Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 33 (14.8.1840)
- Date
- 1840-08-14
- Page
- Seite 283 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3133765-3133820-3133854--0796-3134974- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
eine kleine Ausnahme. Eben so schlecht ist sie in den übrigen Elementarkenntnissen unterrichtet, obgleich sie diese in den christlichen Schulen genießen muß. Was die Ursache hiervon ist, wird dem Sachkenner nicht schwer zu ermitteln sein und er muß bald zur Ueberzeugung kommen, baß besondere jüdische Elementarschulen doch immer noch — besonders auf dem Lande — die geeignetsten Mittel darbieten, die jüd. Jugend zu bilden und in ihr den Trieb zu einem bessern und anständigen Nabrungszweig als der gewöhnliche Handel zu erwecken. — Möge dieser Wink doch ja nicht übersehen werden, daß bald eine bessere Generation in dem Trierischen heranwachse. — Auf dem Weg. den der Mensch gehen will, leitet ihn der Herr!- I. Kahn. Hannover, Juli. — Es ist eine wohlthuende Entdekkung, die der verständige Bekenner des mosaischen Glaubens beim Studium des Zeitgeistes seiner Nation zu machen Gelegenheit hat, daß das Interesse für Religion und Geschichte unseres Volkes in neuerer Zeit so bedeutend zugenommen, und daß daraus ein großer Fortschritt in der geistigen Ausbildung desselben hervorgegangen. Wer wird es läugnen, daß auch in früherer Zeit große Männer in Israel lebten, deren Gelehrsamkeit, wenigstens in den thalmubischen Wissenschaften, sich jüngeren Zeitgenossen nützlich zu machen wußte: wer wird es läugnen. daß das eifrige Streben, in den Geist des Judenthums einzubringen, früher so gut wie jetzt, wohlthätige Früchte trug. Allein es war doch immer nur ein kleiner Kreis, der sich jenem Streben mit Ausdauer und Beharrlichkeit widmen konnte, und die Anregung von Außen war so schwach, baß es fast dem besten Willen unmöglich war, neben eigentlich religiös thalmubischen Studien auch jene allseitige Bildung zu erlangen, die eine nothwendige Bedingung zu geistiger Vervollkommnung ist. Die neuere Zeit hat auch hierin auf das Schönste sich entfaltet, denn wir finden fast in jeder größern Stadt acht philosophisch gebildete Theologen, die in freien deutschen Vorträgen das Volk belehren und erbauen. Daß auch in unserer Stadt diese Theilnahme jür Religion und jüdisches Wissen auf das Schönste sich kund giebt, beweist vorzüglich die seit einigen Jahren bestehende israelitische Religionsschule, die sich der Leitung des Herrn Oberlehrer S. Frensdorfs seit ihrem Bestehen zu erfreuen hat. Diese Schule wird von der gesammten israelitischen Jugend in einem gewissen Alter besucht, und wie segensreiche Früchte diese neue Pflanze bereits getragen, beweist die ungethcilte Zufriedenheit der Gemeinde, die bei jeder gegebenen Veranlassung sich äußert, so wie das schmeichelhafte Danksagungsschreiben, welches der Vorstand bei der diesjährigen Prüfung dem verdienstvollen Herrn Oberlehrer zu überreichen sich bewogen fand. Dazu kommt nun noch, daß nicht die Jugend allein mit biblischem und religiösem Wissen überhaupt ausgerüstet, sondern den Erwachsenen nicht minder Gelegenheit gegeben wird, über die sonst dunkel gebliebenen Lehren ihres Glaubens sich Licht zu verschaffen. Denn außer den Predigten, die der Landrabbiner vr. Adler alle 4 Wochen in der Synagoge hält, war es wiederum der Herr Oberlehrer Frensdorff, der vergangenen Winter zweimal wöchentlich über verschiedene Theile des alten Testaments las und sich eines zahlreichen Auditoriums zu erfreuen hatte. Dieser fleißige Mann^ dessen gediegene Gelehrsamkeit von einem so schönen Rebnertalent unterstützt wird, hält außerdem seit langer Zeit jeden Samstag freie Vorträge, die von einer großen Zahl von Zuhörern mit dem größten Eifer besucht werden. Ja, am 14. Juli d. I. ward sogar diesem, auch wegen der Liebenswürdigkeit seines Charakters allgemein geschätzten Manne ein Beweis gegeben, wie sehr ihn seine Zuhörer achten und lieben; denn an dem genannten Tage überreichten sie ihm ein sehr schmeichelhaftes Danksagungsschreiben in Begleitung eines kostbaren Ehrengeschenks. So findet auch Bescheidenheit, die es sich zum Ziele gemacht, auf die nächste Umgebung ihren segensreichen Einfluß zu beschränken, die verdiente Anerkennung. Andererseits aber deutet 'diese Theilnahme wohl am besten darauf hin, daß unsere hiesigen Glaubensgenossen für däs Eontagium eines, nur zu oft gedankenlosen, Jndifferentismus wenig Empfänglichkeit besitzen. vr. B. Würzburg im Juni 1840. (Fortsetzung.) Nach den bestehenden Verordnungen und nach vem bereits gebildeten Herkommen soll der Rabbiner 1) gleich den Geistlichen der christlichen Confessionen ein Religionslehrer höherer Ordnung sein, welcher über die Vorschriften der ächten mosaischen Religion und der ächten Ceremonial - Satzungen, so wie über die allgemeine Sittenlehre Unterricht ertheüt; welcher diesen Unterricht unter den Erwachsenen durch Predigten und unter der Jugend durch katechetische Erklärungen in der Schule und an Sabbathen und Feiertagen in der Synagoge verbreitet, und nickt weniger auch auf Pnvatanfragen dem zweifelnden Gewissen beruhigende, liebevolle Belehrung gewährt. 2) Soll der Rabbiner den Gottesdienst beaufsichtigen und leiten, die Veredlung des Kultus Herstellen, die Ordnung und Disciplin in den Synagogen handhaben, und überhaupt eine der Heiligkeit der Sacke entsprechende Gottesverehrung bewirken; zu diesem Zwecke soll er insbesondere die Leitung der Vorsänger und aller Personen führen, welche bei dem Gottesdienste und überhaupt zur Förderung der israelitischen Religion, sei es bezüglich der Lehre oder der Ceremonial-Satzungen und Speisegesetze, wie z. B. die Schächter, mitzuwirken haben. Der Rabbiner soll ferner 3) unter seine Aufsicht und Leitung alle israelitischen Religionsschulen und ihre Lehrer nehmen, und hiedurch euch, ihr Väer und Mütter, die erhöhte Bürgschaft gewähren, daß euren Kindern, die euch allen lheure Religion eurer Väter in ihrer Reinheit erhalten und sittlich religiöse, somit glückliche Menschen aus ihnen gebildet werden. Durch diese Aufsicht und Leitung sollen die Religionslehrer selbst, welche bisher größtentheils nur sich überlassen waren, zur größern Tüchtigkeit in ihrem Amte erhoben, zur gesteigerten Thätigkeit angeeifert, und zugleich belohnt werden durch das Anerkenntniß, welches der seiner Bestimmung nach gewiß über den Lehrern stehende Rabbiner seinen untergeordneten Lehrgehülfen zollt; so wie andererseits der Untüchtigkeit und Unwürdigkeit von Religionslehrern zunächst durch die Rabbiner auf den Grund gesehen, und deren Entfernung vom Lehramte bei der Oberdehörde veranlaßt werden soll. Der Rabbiner, als ein über die Religionslehrer hervorragender Schulmann, hat seine Aufsicht auf den Religionsunterricht insbesondere auch dadurch zu bethätigen, daß er in -Gegenwart der Distrikts-Schulen-Jnspektion und gewöhnlich auch der weltlichen Beamten bei den jährlichen Sckulvisitationen die Prüfungen in der Religion öffentlich vornimmt, und hiebei im Angesichte der Staatsbehörden zugleich den Beweis von seiner eigenen Tüchtig- oder Untüchtigkeit ablegen muß. Aber nicht durch das Lehramt in und außer der Synagoge, und durch die Feier und Leitung des Gottesoienstes allein soll der Rabbiner segenreich auf die sittliche religiöse Veredlung in der Gegenwart und Zukunft, für die jetzige Generation und die kommenden Geschlechter wirken; sondern 4) auch sein Leben soll fern von jedem Makel, insbesondere rein von den Flecken des Wuchers und Betrugs, streng sittlich und der Religion entsprechend, für alle seine Religionsgenossen ein Beispiel zur Lehre, ein Muster zur Nachahmung sein; auch seine Werke sollen in ihm den Meister verkünden, welcher würdig ist, einer großen Distriktsgemeinde als Geistlicher vorgesetzt zu sein. Nur vorübergehend will ich bemerken, daß dem bisher allgemein bezeichneten Wirkungskreise noch mannichfaltige Funktionen angehören, und daß hiezu nebst sonstigen religiösen Handlungen insbesondere auch Eidesdelehrungen und Assistenzleistungen bei Abnahme gerichtlicher Eide, Trauungen und Eonfirmationen, sofort Akte zu rechnen sind, welche vermöge der damit verbundenen mündlichen Vorträge, nicht weniger als die Predigten in der Synagoge, einen Mann von religiöser und zugleich wissenschaftlicher Bildung mit Redner-Talent ausgerüstet, verlangen. Ist gleichwohl die Religion und ihre Lehre der erste und Hauptgegenstand, womit sich der Rabbiner zu befassen hat. und braucht man allerdings nur um der Religion willen einen Rabbiner, so sind doch demselben