Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 33 (14.8.1840)
- Date
- 1840-08-14
- Page
- Seite 281 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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281 Nachrichten und Correfpondenze«. Frankreich. — Das jüngste Heft der ^robives israe- Iit68 de Irrweg*) (Juillet) bringt uns die Verhandlungen des Central-Consistoriums über das oft erwähnte Reorganisations-Projecl, und den Bericht, welchen der Vice-Prästdent, Herr A. Cremieur am 28. April c. über alle bis dahin eingegangenen Gutachten abstattete, um darauf einen neuen, den Wünschen der Mehrheit besser entsprechenden Entwurf vorzulegen. Da der Gegenstand uns noch nicht vollständig vorliegt, so wollen wir dessen Beendigungen adwarten, bevor wir den Inhalt mitlheilen, der übrigens nur in seiner Gesammtheit für bas Ausland Interesse hat, indem das Einzelne lediglich lokalen oder administrativen Werth hat. Seit jenem Tage beschäftigen den eben so edelmüthigen als geistreichen Rechtsgelehrten größere Sorgen für die Wohlfahrt seiner Brüder, oder vielmehr die leidende Menschheit, und es gewährt einen wahren Trost, zu sehen, wie sehr seine Bestrebungen und seine freisinnigen Aeußerungen bei den Franzosen sowohl, als insbesondere bei den Engländern Anklang finden. Vorzüglich gut ausgenommen wurde seine Rede in der am 17. Juni gehaltenen Versammlung der Londoner Gesellschaft zur Abschaffung der Sklaverei. Sie begann mit den Worten: „Meine Herren! Jede Freiheit ist die Schwester der Andern, und jede Verfolgung reicht der andern die Hand! Verfolget, so macht ihr Sklaven! Gebt Gleichheit der Rechte Allen, so schafft ihr Bürger!" — Jeder einzelne Zug in der Ausführung dieses Themas ward mit lebhaftem Beifall begrüßt. In demselben Hefte befindet sich der Brief des hochbejahrten Oberrabbiners Salomon H erschel (vom 30. Juni) an Hrn. Moses Montefiore, worin er sich feierlich der eidlichen Erklärung des Manasse Ben Israel (zur Zeit Cromwell's berühmt) anschließt, um nochmals jede Verunglimpfung der jüdischen Religion auf die glaubhafteste Weise abzulehnen. Uebrigens giebt dasselbe noch manche interessante Mittheilung über die verschiedenen Zeitungsartikel, die nocd immer nicht Nachlassen, die Geschichte von Damast zu einer allgemeinen Discussion zu benutzen. — Neues hat man von dort nicht, außer daß zehn der zu Damast verhaftet gewesenen Radbinen auf freien Fuß gestellt worden sind, und nur An tibi noch in Haft ist. Trier, 20. Juli. — Die hiesige Zeitung erhält unterm 16. d. eine ausführliche Anzeige von der Wirkung -er ersten deutschen Predigt, welche in hiesiger Synagoge von Herrn Moses Heß (derselbe, welcher uns bereits mit einigen Beiträgen erfreut hat) gehalten worden. Hauptsächlich wird die darin angeregte Stiftung eines Handwerksvereins hervorgehoben, welcher allerdings an unserm Orte die kräftigste Unterstützung verdienen würde. Es wird zu- *) Am Schlüsse desselben lesen wir S. 400 einen Auszug aus unfern Annalen Nr. 27, wobei indeß mehrere unserer Ausdrücke mißverstanden erscheinen. Bes. ist unrichtig: Vers I» 6u du repas etc. gleich der Wunsch ausgesprochen, daß die zur Besetzung der Oberrabbinerstelle schreitenden Notabeln des hiesigen Regierungsbezirks, in der Person des M. Heß, welcher als geborener Trierer die Zustände genau kennt, und auch sonst wegen seiner gründlichen Universitätsbildung eine solche Stelle ansprechen darf, den Mann erkennen mögen, welcher würdig ist, an die Spitze der diesseitigen Gemeinden angestellt zu werben. Am 17. d. ward in der hiesigen Gemeinde eine solenne Trauerfreier zum Andenken an S. Maj. des hochseligen Königs gehalten. Herr Schloß, seit vielen Jahren Mitglied des Consistoriums, hielt die Trauerrede. Diele Beamte waren zugegen, und verließen mit Befriedigung die Feier, welche wiederum viele Beweise des bessern Strebens darbot. Regierungsbezirk Trier. Im Juli 1840. — Zurückgekommen von einer vierwöchentlichen Reise in dem Regierungsbezirk Trier, wende ich die ersten Stunden der Muße dazu an. Ihnen, geehrter Hr. R! einige authentische Notizen, vorzüglich über die kirchlichen und pädagogischen Zustände der Israeliten in dortiger Gegend mitzutheilen, und ich fühle mich hierzu um so mehr angetrieben, weil seit Kurzem manche die Wahrheit entstellende Nachrichten hierüber der Oeffentlichkeit übergeben wurden. — Kein an- 1 deres Interesse als das der strengsten Wahrheit soll mich j hierbei leiten.-Als allgemeine Charakteristik muß anj gegeben werden, daß man fast überall in dortiger Gegend j ein regeres Streben und Verlangen als noch vor kurzer Zeit nach einem bessern Schul- und Synagogenwesen wahrnimmt, daß man jedoch ein energisches Wollen und noch mehr ein kräftiges Thun für Realisirung dieses edlen Der-! langens größtentherls vermißt. Und hier findet der Geist-! liche, welcher mit einem redlichen und uneigennützigen Charakter, tiefe Einsicht in die Verhältnisse und den Geist, besonders der Landbewohner, verbindet, hinreichenden Stoff zum Arbeiten im Weinberge Gottes, wenn er nur dieses vorhandne edle Streben noch mehr zu nähren und zu reifen Thaten zu befördern weiß. Man ist daher auch fast überall einverstanden, daß man keinen andern zum neuen Rabbiner wählen würde, als einen solchen, der außer den nöthigen thalmudischen Kenntnissen auch wissenschaftliche Bildung und tiefe Einsicht in das Schulwesen besitzt; zugleich aber auch schon Beweise von seinem guten Wtllen, alles für seine Pflegkinder aufzuopfern, gegeben hat. — Es ist daher gewiß, daß bei der neuen Rabbinerwahl nicht, wie ehedem, durch Insinuationen Einzelner, auf die Gesinnung Vieler gewöhnlich influirender Männer, das religiöse Wohl einer ganzen Gegend auf eine Generation hinaus untergraben werden wird, sondern daß vielmehr die einzelnen Notadeln un Interesse ihrer Gemeinden, deren Repräsentanten sie sind, frei und selbstständig bei diesem wichtigen Akte verfahren und handeln werben. — Diese günstige Aenberung der Gesinnung ist theils durch die Verbreitung der jüdischen Blätter, theils durch die gänzliche Unthätigkeit des jüngst verstorbenen Rabbiners hcrvorgerufen worben. *— Zum Einzelnen übergehend, wollen wir zur bessern Uebersicht die Per-