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Israelitische Annalen · 1840-08-14 · Heft 33 (14.8.1840) · p. Seite 279

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 33 (14.8.1840)
Date
1840-08-14
Page
Seite 279 (sequence 3)
Language
German
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279 steht bei allen in hoher Achtung. — Die Frauenzimmer gehen wie in Lithauen mit einem Turban auf dem Kopfe; auch hüllen sie sich in ein großes und weites Tuch von weißer Leinwand, welches ihre ganze Kleidung umgiebt. Wenn der Wind dieses Tuch bewegt und herumflattern macht, mögen sie den Frauen gleichen, welche der Prophet Sacharjah aus dem Himmel kommen sah, mit dem Winde in ihren Flügeln. — Viele Freunde der hebräischen Sprache giebt es hier, jedoch halten sie sich im Ausdrucke nicht frei von Barbarismen, welche das Sanfte und fließende stören, daher das ungünstige Unheil der Galizier und der Deutschen über diesseitige Leistungen. Man findet auch Freunde der Wissenschaft in Wilna, jedoch wird die Scheidewand zwischen ihnen und den rabbinischen Brüdern immer größer. Man glaubt allgemein, daß demnächst auf Befehl Sr. Majestät des Kaisers ein Collegium Rabbinicum errichtet werden soll; eine Art Hochschule zur Bildung der Rabbinen für ganz Rußland, worin dann auch alle Hülfswissenschaften studirt werden. Ein solches kann freilich nur dann seiner Bestimmung vollkommen entsprechen, wenn tüchtige, mit wissenschaftlicher Bildung wohlausgerüftete Rabbinen an die Spitze gestellt werden, denn sie allein besitzen das Vertrauen, und sobald sie die Wissenschaften als nothwendig anempfehlen, so wird sie ohne Weiteres von den Jünglingen eifrig erstrebt, während der Zuruf der Profan-Gelehrten unbeachtet verhallt. (Wird fortgesetzt.) Literarische und historische Controversen. Schreiben von S. D. L. in P. v. 8. Juli. *) Ein Freund im Auslande hatte die Güte mir abschriftlich die Beurtheilungen, welche mein Schriftchen Virgo filia Jehudae in drei verschiedenen israelitischen Zeitschriften erfahren hat, zu übersenden. Der in Ihren Annalen enthaltene Artikel bemerkt, nach Angabe des Inhaltes, noch insbesondere in Betreff meiner eigenthümlichen Ansicht, daß solche wohl schwerlich allgemein zugestanden werde. Die Rebe ist nämlich von dem Vorzüge, den ich der französischen Schule gegen die Arabische einräume, oder der des Raschi gegen die des Aden Esra. Es ist sehr wahr, daß meine Art die Sache zu sehen, bisher den größten Widerspruch gefunden hat. Dennoch *) Aus dem Italienischen getreu übersetzt. glaube ich, daß, wenn meine Ansicht in's gehörige Licht gestellt wird, sie sich den Beifall Einiger und vielleicht Vieler erwerben dürfte; und diese werben sich freuen über den Erwerb, welcher sie wohl mehr als bisher in Stand setze» würde, der Gesellschaft und den Wissenschaften zu nützen. Erlauben Sie mir also ein einziges Mal eine kurze Erklärung derselben. Man möge dann mein Urtheil immerhin verwerfen, aber man verwerfe es nach genauer Kenntnißnahme. Mir ist gew iß A.E's. Ueberlegenheit über Raschi, bezüglich auf den Umfang wissenschaftlicher Kenntnisse und die freiere kritischere Denkweise nicht unbekannt. Auch habe ich niemals den AE. seiner Kritik wegen getadelt, wie es etwa aus einigen Worten meines gelehrten Freundes in der Einleitung zu dessen jüngst herausgegebenem Commentar zum Exodus erscheinen möchte. Derselbe Freund kennt seit mehr als 20 Jahren mein eigenes freies kritisches Verfahren, und weiß auch, welchen Verfolgungen ich seit 1821 wegen meines Commentars zum Ecclesiastikus ausgesetzt war, weil ich darin (ohne die geringste Kunde von nicht-jüdischen Kritikern) behauptete, dies Buch sei mehrere Jahrhunderte jünger alS Salomo. Das Publikum besitzt ja auch Beweise genug von der Freiheit meiner Kritik, und würde deren noch mehrere haben, wenn nicht Lokal-Verhältnisse mich nöthigten, die Herausgabe meiner Schriften einer andern Zeit vorzubehalten. Selbst der Satz in meinem Prolegomeni, daß die hebräische Sprache eine Tochter der Aramäischen sei, bedrohete mich mit einem Sturm. Raschi's Eommentar zum Pentateuch ist voll von agadischen Interpretationen, welche zu seiner Erklärungsweise wenig passen; dagegen der des AE. reich an philologischen und kritischen Bemerkungen. Ich habe beide Männer als Menschen, nicht ihre Commentare, verglichen, und den Erster» erhoben und den Andern geringer geachtet: daher beschuldigt man mich des Obscurantismus. Dies kann man freilich denen glaubhaft machen, welche nicht hebräisch lesen, nicht aber denen, welche meine Worte K. Ch. IV. p. 134—35 gelesen haben. Man erlaube mir, das dort hebräisch Geschriebene in einer europäischen Sprache herzusetzen: „Raschi geboren unter ungebildeten Leuten (den alten Juden Frankreichs) erhielt seinen ersten Unterricht durch Agadoth, welche deren Geistesnahrung bildeten, und er war es, welcher in demselben Lande zuerst muthig und offen erklärte, daß er bei Erklärung des heiligen Textes von denselben abgehe. Und dieß wagte er nicht bloß da, wo es auf Agava ankam, sondern selbst wo es gesetzliche Wichtigkeit (Halacha) hat, bleibt er bei'm Wortsinne, und verläßt die thalmudische Interpretation, z. B. Exod. XXin. 2. Auch Ez. XX. 40. steht er nicht an, das Wort so zu erklären, als ob ein Resch dazwischen stände. Und was war die Frucht seiner Mühen? Daß allmählich bei uns die Beförderer des Wortverständnisses sich vermehrten, als Basbam, Nachmenides; Kimchi. „Die philosophische Manier eines AE. und Maimonides und ihrer Anhänger hatte dagegen die theologischen Studien 33*

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