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Israelitische Annalen · 1840-08-07 · Heft 32 (7.8.1840) · p. Seite 270

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 32 (7.8.1840)
Date
1840-08-07
Page
Seite 270 (sequence 2)
Language
German
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270 höchste Alter es verschmähte, Bücher zu lesen, und jede wiffenschafrliche Frage durch eigene Denkkraft zu lösen suchte. Sie haben ihm oft dargethan, daß die mühsamen Früchte seines einsamen Denkens längst schon in Büchern vorhanden waren, und daß demnach das fortgesetzte Studium lichtvoller Werke offenbar die Wissenschaft besser fördern, als das einsame Brüten. — Zu ihnen gehört noch ein vorzüglicher Gelehrter, Jakob Hillel Eitingcr aus Warschau, welcher sich großen Ruhmes erfreut, aber auch nicht nach seiner Kraft wirken kann. Alle diese haben schon mehr als zwanzig Jahre hindurch ihren Ruf bewährt. — Endlich muß noch ein ausgezeichneter Kopf genannt werden, Secharj a Jcsaia Jolles aus Lemberg, welcher als 14jähriger Knabe bereits einen weitberühmten Namen sich erwarb. Schon damals nämlich stand er mit den größten Rabbincn in Briefwechsel, selbst der verstorbene Posener Rabbiner (s. s. RGA. 176') schrieb an ihn wie an einen Rabbincn ersten Ranges. Derselbe hat auch im Kreise seiner gelehrten Landsleute viel zu leisten gesucht, wie aus seinem, Lemberg 1831, anonym erschienenen Werke: Voder L1e8edarim zu ersehen, worin er mit kritischer Schärfe die dem berühmten Jaffe zugcschriebenen, in der Wiener Thalmudausgabe Beigefügten Anmerkungen als untergeschoben nachweist. Ein anderes daselbst 1834 erschienenes Werk: Eih Ledaber, zeugt von seiner Sprachkenntniß, Denkkraft und Darstellungsgabe. Seit einigen Jahren ist er auf Veranlassung des Herrn Jakob Hurwitz nach Minsk berufen worden, hat durch Ehclichung der Tochter desselben eine günstige Stellung, die es ihm erleichtert, für Verbreitung wissenschaftlicher Forschungen thätig zu wirken. Er ist es vorzüglich, welcher den Real-Wisscnschaften Eingang und Ansehen verschafft hat. (Der Astronom Slonimski erwähnt seiner sehr ruhmvoll.) Was nun andere um Ms Wohl der Gemeinde verdiente Männer betrifft, so verdient die erste Stelle unter ihnen der allgemein hochgeehrte Ahron Luria, welcher dem Hospital zu Minsk schon viele Jahre Vorsicht, und dafür auch mit der Ehren- Medaille von Seiten hoher Regierung ausgezeichnet worden. — Als Se. Kaiserl. Majestät den Ukas erließ, daß sobald 50 Hebräer sich als Landleute ansiedeln und den Boden selbst bestellen, sie auf 25 Jahre ftei von Abgaben und Kriegsdienst sein sollten, ging obengenannter Hr. I. Hurwitz sogleich mit edler Großherzigkeit voran, und kaufte bei Minsk für eine Summe von eirea 20,000 Rubel Beo. ein großes Dorf, wo er Häuser bauen ließ, und etwa 60 Familien ansetzte, die freilich nur mit vieler Mühe für den Landbau zu gewinnen waren. Es steht zu erwarten, daß dies bisher in Lithauen alleinstehende Beispiel bald Nachahmung finden werde. — Der 1839 verstorbene Hirsch Salzmann, welcher etwa eine Million Rl. Beo. hinterlassen hat, vermachte den Wohlthätigkeitsanstalten gegen 60,000. (Eine auf ihn gehaltene Todtenfeier ist in Wilna im Druck erschienen.) — In der Nähe von Minsk ist ein Flecken Wiase n, wo ein sehr geachteter Gelehrter, R. Joseph genannt, seit vielen Jahren seltene literarische Werke sammelt, und jetzt eine hebräische Bibliothek besitzt, auf welche er 50—60,000 Rl. Beo. verwendet hat. Möchte doch die treffliche Bibliothek für immer beisammen bleiben und nicht wieder zerstreut werden. Auf der Reise von Minsk nach Wilna liegt mitten inne Wo losin, ein seit fünfzig Jahren durch eine große Rabbinenschule für die Israeliten | wichtiger Ort. Diese Schule hat bereits viele tüch-! tige Rabbincn ausgestellt und sehr dazu beigetragen, dem Pietistenwesen in diesen Gegenden den Zugang zu verlegen. Sie verdient daher immerhin den allgemeinen Dank. Was dem edlen P. in T. in Galizien mit allen Aufopferungen zur Gründung einer neuen Schule nicht gelang, das hat diese Schule zu Wolosin glücklich durchgeführt. Der Grund davon liegt darin, daß es schwer halt, jene phantastischen Träumer zu überzeugen, wie sehr wichtig es sei, sich in den Profan-Wissenschaften gehörig umzusehcn, indem sie dadurch ein Sacrilegium zu bej gehen meinen, auch andrerseits aus dem Erfolge beweisen, wie viele der Neugebilderen nur ganz oberflächlich mitzureden wissen, und sich in keiner Art auszeichnen; während es leichter ist, sie für das Gesetzstudium zu gewinnen und durch die damit verbundenen scharfsinnigen Erörterungen von ihren krampfhaften Phantasien abzulenken. Von diesen Studien aus gelangen die Schüler durch das Vehikel hebräischer Uebersetzungen und Bearbeitung wissenschaftlicher Werke zu gemeinnützigen Kenntnissen. Unter denen, die aus dieser Schule hervorgingen, MM sich schon ftüher einen geachteten Namen er-

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