Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 32 (7.8.1840)
- Date
- 1840-08-07
- Page
- Seite 269 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nro 32 1840. 7. August. Israelitische Annalen. Ein Centralblatt für" Geschichte» Literatur und Cultur -er Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegebcn von vr. I. M. Jost. Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer, bisweilen 1V% Bogen; Preis des Jahrganges 3 Rthlr. fl. S; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des In- und Auslandes. GrrrkueS Bild von der Beschaffenbelt der Israeliten in Podleste. Lithauen und Reußen (Fortsetzung). — Bemerkungen zu den legislativen Verhältnissen in Preußen (Schluß). — Fragen, von M. Heß. — Nachrichten und CorresponvenzenWürzburg. — Literatur. — Die projectirte Tneyclopadie. — Anzeigen. Getreues Bild der Beschaffenheit der Israeliten in Podleste, Lithauen und Reußen. Von einem Einheimischen. (Fortsetzung.) Von Nieschwiesz an geht die Reise über mehrere ähnliche kleine Städte bis nach Minsk, der Hauptstadt des ganzen Guberniums. Diese Stadt ist reich an jüdischen Bewohnern, deren Zahl man auf 10,000 Männer, (?) ohne Frauen und Kinder, veranschlagen kann. Sie bilden die Mehrzahl, viele unter ihnen sind wohlhabend oder doch nicht unbemittelt; Arme giebt es wenige. Die Stadt liegt nämlich für den Handel sehr günstig. Sie senden alljährlich den Dnieper, die Düna und den Niemen hinab eine außerordentlich große Menge von Bauholz, sehr viel Getreide und sonstige Produkte, näch Jekaternioslav, Riga, Memel, Königsberg. Außer den Kaufleuten giebt es auch Handwerker, insbesondere viele wohlhabende Schneider und verschiedene Metallarbeiter. Die sonst so häufige Armuth findet sich hier nicht. Unter den Denkenden der Biblischen giebt es ausgezeichnet gelehrte Thalmudisten, welche in andern gemeinnützigen Wissenschaften ebenfalls sich^worthun. Einige darunter verdienen genannt den, zumal durchschnittlich sich in Israel nur selten Männer finden, welche in den drei Punkten zugleich bedeutende Geisteskraft entwickeln, nämlich gediegene und umfassende Kunde im Thalmud und dessen Literatur, klare Erkenntniß der Gesetzlehre und ausgebreitere wissenschaftliche Bildung. In dieser Beziehung können als die wahren Vertreter der dortigen Intelligenz gelten: Susel Rapoportaus Oftroh, ein ungemein reicher Mann, der zugleich einem großartigen Geschäfte vorfteht; er ist eben so gelehrt und talentvoll, wird als einer der ersten Thalmudisten verehrt und ist eine wahre Zierde aller Israeliten in Rußland; ferner sein Freund Israel Michael Jeschuren, der stärkste rabbinisch Gelehrte in Minsk, in dessen Studirstube sich täglich von allen Seiten her tüchtige Gelehrte einfinden, um seine Vorträge über die Gesetzbücher zu hören; über Gesetzangelegenheiten wird er in letzter Instanz befragt; dabei ist er aber auch ein höchst gebildeter Mann und ein scharfsinniger Denker. Schreiber dieses kann den Wunsch nicht unterdrücken, daß eine der größer» Gemeinden in Deutschland oder Böhmen diesen Mann an ihre Spitze stellen möchte, indem durch ihn die rabbinische wie die allgemeine Wissenschaft gleich ehrenvoll vertreten würde. — Diese beiden Gelehrten standen dem berühmten M a n a sse I l i e r zur Seite, einem Selbftdenker, welcher bis in's