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Israelitische Annalen · 1840-07-24 · Heft 30 (24.7.1840) · p. Seite 259

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 30 (24.7.1840)
Date
1840-07-24
Page
Seite 259 (sequence 7)
Language
German
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259 Schriften nur erbaulicke, und auch diese mehr durch fromme Vereine aufrecht erhalten, als durch specielles Znlereffe der Individuen. Daß wir nun keine eigentlichen Gel-ehrten haben, liegt in den Verhältnissen, denn bei Rabdinen und deren Beiständen wird auf vieles Andere eher gesehen, als auf Gelehrsamkeit, und selbst die berühmtesten ältern Rabdinen Englands, z. B. ein David Nieto, besaßen keinesweges den Forschergeist und die Vorbereitung, welche zu solcher Bezeichnung berechtigen, nur waren sie mehr oder minder geeignet, ihre Religion gegen äußere Angriffe zu vertreten. In neuerer Zeit haben sich einige Ausländer hier zu Lande als Gelehrte vom Fach hervorgethan, aber theologische ober historische Kernwerke hat keiner geschrieben, und zwar, weil es an Aufmunterung fehlt. Kleinigkeiten, hebräische und englische Verse, Auszüge, Streitschriften, — bas ist alles, was hie und da erscheint. Die Folge davon ist, eine rein praktische Ansicht von allen religiösen Institutionen, sonst aber durchgängige Unwissenheit. Diese ist so groß, daß auch das Bedürfniß nach Belehrung nicht empfunden wird. Alle Versuche, öffentliche Vorträge einzuführen, sind von Ausländern ausgegangen, die Einheimischen erlernen in der Jugend, wie vormals, sehr mangelhaft, die Bibel und das Gebetbuch lesen und übersetzen, einige auch hebräische Grammatik, und sehr wenige lesen die Gesetzbücher, das meiste geht im Meere der Geschäfte und der Zeitungen unter. (Schluß f.) Haag, den 28. Juni. — Man meldet: „Die Hauptcommlssion für die israelitischen Angelegenheiten hat ihre Glaubensgenossen und besonders die Synagogen-Behörden aufgefordert, durch freiwillige (jährliche) Beiträge einen Fonds zu stiften, um den israelitischen Colonisten in den Wohllhätigkeits-Colonien (Veenhuizen rc.) die zum Gottesdienst nothigen Bedürfnisse zu verschaffen. Jährlich soll den Begünstigern dieser Stiftung Rechnung über die Anwendung der Gelder abgestattet werden u. s. w. „Die israelitische Bevölkerung der Wohlthätigkeits-Colönien besteht jetzt aus 233 Seelen. Einer derselben ist als Spinnmeister («piu baas) angestellt, und ist einer der ältesten Beamten in der Colonie. Man erwartet nächstens eine beträchtliche Vermehrung dieser Anzahl zufolge der zweckmäßigen Einrichtung des Gottesdienstes, und der kräftigen Maßregeln der Behörden zur Abstellung des Bettelns." Literatur. Auswahl historischer Studien aus hebräischen Schriftstellern vom zweiten Jahrhundert bis auf die Gegenwart, mit vokalisirtem Texte, deutscher Uebersetzung und Anmerkungen. Für Theologen und Historiker, so wie zum Gebrauche in höheren jüdischen Lehranstalten. Berlin 1840. Veit u. Comp. X u. 293 S. in gr. 8. (Splendid gedruckt.) Dies Werk ist augenscheinlich das Erzeugnis eines reifen wissenschaftlichen Bewußtseins und trefflicher Umsicht, und wir wundern uns, daß der Vf. seinen Namen nicht genannt hat, welcher sicherlich nur Anerkennung und Ruhm einernten würde; denn sowohl in dem durchdachten Vorworte, als in den Anmerkungen zeigt sich Klarheit, Tüchtigkeit, Gewandtheit, und was jetzt selten ist, kritische Strenge mit Gerechtigkeit verbunden. Sogar die etwaigen Einsprüche gegen die Auswahl sieht der Vf. voraus und beseitigt sie durch das offene Geständniß, daß ihm Seltenheiten nicht zugänglich seien; was uns allerdings befremdlich erscheint. Im Allgemeinen also hat uns dies Werk sehr angesprochen, wenn gleich sich nicht gerade ein Grund angeben ließe, wodurch eben diese 35 Werke besonders zur Charakteristik des historischen Styls in verschiedenen Zeiten, und von 26 an eigentlich nur unter verschiedenen Bildungsstufen einer und derselben Zeit, den Vorzug verdienten, während viele andere und originellere zurückgelassen worben. Wir betrachten nur das Gegebene, und sehen erstlich auf das Interesse des Inhaltes, zweitens auf Punktation und Uebersetzung, drittens auf die Anmerkungen, viertens endlich auf den Zweck des Ganzen. 1) Von den hier mitgethilten Stücken sind nur wenige im eigentlichen Sinne originel, das heißt solche, welche mit ihrer angewöhnten Sprachgeläufigkeit, — denn Muttersprache ist die Hebräische bei allen nicht mehr — sich gerade so ausdrücken, wie der Gedanke es fordert, die meisten ahmen geradezu bestimmten Vorbildern nach, oder schieben, so oft es angeht, angelernte Phrasen aus der Bibel und andern Schriften hinein, und somit kann von einem Zeitstyle oder einer besonders beliebten Ausbrucksweise nicht die Rebe sein, nur an mancherlei Corruptionen charakterisirt sich das Zeitalter. und allenfalls das Vaterland des Verfassers. Das Interesse knüpft sich demnach, namentlich bei so kurzen Proben, mehr an bas Sachmaterial, als an die Sprache, und in so fern sind die meisten Stücke recht zweckmäßig gewählt, weil sie größtentheils unterhaltende Geschickten dardieten, in einer gewissen Originalität dargestellt, bei einigen Neueren sogar mit historischer Kritik. 2) Die Punktation des Textes ist mit möglichster Sorgfalt geschehen, wir haben nur sehr wenige Fehler gefunden, wie etwa S. 5. st. YI3ES); 13 ITBSTHD Audienz, ist offenbar corrupt für presdeuties oder etwas ähnliches, so wie auf derselben Seite — fa&craoxopov, wohl einer Berichtigung werth war; doch sind diese Fälle nur sehr selten. Die Uebersetzung aber ist ziemlich frei gehalten und daher wohl meist für sich allein lesbar. Ein Bild von der Urschrift giebt sie daher durchaus nicht, wie das auch nicht möglich ist, bei einem so überaus biblisch manierirten Text, in welcher Beziehung sich z.B. ganz vorzüglich Abarbanel hervortkut, welcher alle btdlischen Texte zum Ausdrucke seiner Ideen zusammenrafft, so daß alle Manierirung der Uebersetzung nicht im Stande ist, der Urschrift es gleich zu thun, deren Ausdrücke oft nur durch Annominationen zusammen hängen. Es war daher gewiß nöthig, um den deutschen Ausdruck an vielen Stellen zu rechtfertigen, den Text beizugeben, wiewohl wir eigentlich die Herausgabe der Originale eher für die Hauptsache halten möchten, und größtentheils die Uebersetzung für überflüssig erklärt hätten. 3) Die Anmerkungen sind der wesentlichste Theil des Buches, und wir bedauern nur, daß sie nicht noch reichhaltiger ausgefallen sind. Sie sind die Ergebnisse recht sorgfältiger Studien und einer gesunden Kritik, ein wahres Muster für die Gelehrten unsrer Zeit, die oft nicht anders glänzen zu können vermeinen, als indem sie anerkannte Namen niedertreten. Wir begegnen hier treffenden Bemerkungen über neuere kritische Versuche, und billigen zunächst die Vorsicht in Benutzung der neuen Ausgabe des Eldad (22) von Herrn Dr. Carmoly, dessen Fleiß und Umsicht allgemeine Anerkennung findet, dessen Angaben jedoch, wie dort freilich etwas bitter dargethan wird, der nähern Untersuchung noch Spielraum gewähren, indem sie hie und da zu viel leisten wollen und daher unzuverlässig werden. Dies ist sehr zu bedauern, und rechtfertigt den schon wiederholentlich ausgesprochenen Wunsch, daß Herr C. stärkere und bündigere Zeugnisse für die Quellen, welche ihm zugänglich sind, mittheilen möge! Mit großem Interesse hat Ree. die gegen seine eigenen über den Brief des ChiSbai (S. 26 ff.) in der Geschichte der Israeliten ausgestellten Zweifel, hier vorkommenden Einwürfe gelesen, und billigt diese Bemerkungen vollkommen, nach den seit 1825 vorgeschrittenen geschichtlichen Forschungen und kritischen Entzifferungen, auf welche er seiner Zeit Fleiß genug verwendet hatte. (Karamsim ist von ihm nicht gerade überschätzt worben; benutzt hat er das russische Original und erinnert sich nicht, ob der S. 28 angeführte lächerliche Passus nicht ein Fehler des Uebersetzers sei.) Freilich sind seitdem viele Geschichtswerke und insbesondere geographische Untersuchungen erschienen, welche leichter auf die Spur führen. Wir würden dem Herausgeber dieser Samm-

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