Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 30 (24.7.1840)
- Date
- 1840-07-24
- Page
- Seite 257 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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257 seiner Würde achtet, sich mit solchen Gegnern einzulassen, so daß gar mancher dieß Schweigen für Zugeständnis halten könnte. Es ist «der meine Absicht keinesweges, mich der öffentlich angegriffenen Gelehrten anzunehmen, da sie dessen nicht bedürfen, auch jeder Sachkenner wohl einsehen muß, daß dergleichen Anfeindungen immer nur auf die Urheber zurückfallen, und von ihren Pfeilen Niemand verletzt wirb, außer sie selbst. Nur ihre scheinbaren Beweise, die manchen blenden könnten, will ich naher prüfen und nach ihrem Werthe darstellen. Zuerst stellt N. I. Fischmann die Ansicht auf: Nicht bloß die Mischna sondern sogar manche Gemara sei schon zur Zeit der Thanaim vorhanden gewesen. Einen Beleg dazu nimmt er aus Hag. in., wo erzählt wird, daß zwei Stumme die ganze rabbinische Wissenschaften inne hatten re. Allein daraus folgt nichts für geschriebene Quellen, vielmehr sagt der Comm. ausdrücklich, es beweise dieß, daß sie nicht taubstumm waren, sondern lfbren könnten. Alle seine weitere höchst gelehrten Citate enthalten eben so wenig etwas von geschriebenen Büchern. Aus Hör. 13 folgt höchstens, baß einzelne Fragen und Antworten niebergeschrieben wurden, — was jeder zugiebt. Seite 34 weist er Luzzato's Frage: Warum man sich denn niemals auf die Codices berufen habe? damit ab, daß die damals vorhandenen Handschriften eben, weil sie nur zu Privatzwecken geschrieben waren, daher viele Varianten und demnach keine Autorität halten. Allein Luzzato hot nur das Vorhandensein eines vom R. Zehuda selbst verfaßten authentischen Codex in Abrede gestellt, demnach trifft ihn jene Erläuterung gar nicht. Vielmehr hat sich Luzzato über die Abfassung ganz klar ausgedrückt und es ist nur scheinbar, wenn Herr Fischman glaubt, ihn eines inner» Widerspruchs zu zeihen, der durchaus nickt zu finden ist. — Uebrigens hat Hr. F. um so weniger Eompeten; über so wichtige Fragen, als er sich (beinahe wie Delitzsch mit seltsame Fehler zu Schulden kommen läßt, welche dartbun, wie flüchtig er liest, und wie wenig eS ibm um den Sinn zu thun ist. Er hält das. das 1211 -n (Seb. 60) für ein besonderes Buch des R. Jose; dieß ist aber in der Tbat zum Lachen, denn aus dem dortigen Tert ersieht man leicht, daß der Ausdruck nur eine Erklärung des R. Jose, im Namen des R. Jsmael, bezeichnet. Ehe ich mich von ihm trenne, frage ich nur jeden Sachkundigen, ob ein Mann, welcher (S. 35) den Thalmud für einen unumstößlichen Gesetzcodep erklärt, nach welchem ohne Widerspruch entschieden werden müsse, wohl einen klaren Begriff von dessen Werth und Inhalt habe (s. Reggio, Annalen Nr. 11 und unsere Bem. Nr. 28 auch Mortava u. «.). Sein Gefährte Mendel Mohr, von gleicher kritischer Schärfe, tadelt S. 96 die Erklärung Luzzato's zu den Worten des Machsor Vitri, betreffend' die Seburaim, daß nämlich diese alle früher» Traditionen ausgeschrieben haben; — er behauptet nämlich, dieselben hätten sie nur geordnet. Allein die Ordnung ist ja noch immer nicht vorhanden, wie das schon früher dargethan ist. Unbegreiflich ist es, wie derselbe gar in der oft berührten Stelle aus Edujoth das Wort welches, wie jedes Kind weiß, Zahl der Stimmen bedeutet, als Zahl der Lebensjahre auffaßt, und darüber ernstlich spricht. — Auch absichtliche Verdrehungen erlaubt sich dieser Kritiker. Er wirft bem Verf. des Philorenus vor, aus seiner Erläuterung S. 97, das. gehe hervor, baß er die Quellen im Siphri nicht näher ausgesucht habe. Allein auf S. 73 des Philorenus steht mit deutlichen Worten das Nähere, und Jedermann wird sich überzeugen, baß er die Quelle, allerdings aufgesucht hatte. — Heißt nun das nicht, aller Wahrhaftigkeit Hohn sprechen? Der Dritte ist Jakob Budek, dieser bietet seine ganze Keckheit auf, um über fremde Leistungen abzuurtheilen, ehe er selbst untersucht bat. Er geht so weit, daß er dem L. vor. wirft, sich Fremdes anzueignen, wie z. B. das □rP72n, welches er (f. Rosenthal im K. Ch. in. 22) von Doederlein habe. Allein L. selbst hat ja sein Schreiben an Rosenthal selbst veröffentlicht, und ihm für die Erinnerung gedankt, daß bereits ein früherer Gelehrter dieselbe kritische Ansicht gehabt habe. Es ist durchaus nickt die Art jenes Kritikers, sich mit fremden Febern zu schmücken. Er hat vielmehr Auftrag gegeben, die betreffende Stelle im Doederlein genau nachzuschlagen, ba er ihn nicht besitzt, um seiner Zeit wörtlich anzugeben, was dieser gesagt habe; allein es hat sich bei Doederlein die angebliche Eonjectur gar nicht gefunden. Was soll man nun davon denken? — Bemerkenswerth ist, daß dieser Eifrer für die Integrität der heil. Schrift wieder andererseits den L. über seine Versuche (Bic. hit. 828.156) einige verdächtige Verse, die man für Glossen hielt, zu rechtfertigen, ebenfalls angreist, und die Einwürfe der Zweifler geltend macht! — Betreffend dieMischna tritt er Geiger und Luzzato gegen Reggio bei, (S. 147), wir haben bereits (Annalen Nr. 28) des letztern Ansicht gerechtfertigt. — S. 148 giebt er nebenher zu verstehen. L. habe ein Ürthei! aus dem Werke des Hajuth, seines, des Vfs. Freundes (?) entnommen, — das ist nicht möglich. denn ersterer hatte 1833 geschrieben, und das letztere Werk ist 1836 erschienen. In der Sacke selbst wirb ein jeder leicht erkennen, baß Bubek nur leeres Geschwätz vorbringt. Man lese genau die Worte des Comm. zu B. M. 33 und vergl. Mordech. in Schab. HI. auch Hag. Main». Schab. XXIII. 26 und Ches. Mischna. Es ist wahrhaft bedauerlich, daß diese Kritikaster ihren Witz so schlecht anwenden, indem sie alles wirklich so zu stellen wissen, daß ein Leser, der sich nicht die Mühe giebt, bas Einzelne nachzuschlagen, leicht von ihren Eitaten getäuscht wird, und nur deßhalb hielten wir es für Pflicht, die Unwahrheit aufzudecken. — Seite 149 begeht dieser Kritiker gar einen Anachronismus seltsamer Art, indem er R. Hija und Osiah vor ihren Lehrer setzt. Das ganze Raisonement daselbst ist übrigens aus unfern frühern Erörterungen vollständig widerlegt. Schade um die viele unnütze Mühe! Ehe man kritifiren will, muß man selbst studirt haben. Man lese auch seine Einwendungen S. 151. 152, welche eben so wenig Gehalt haben. In letzterer Stelle will er beweisen, daß die chaldäischen Uedersetzungen bereits geschrieben Vorlagen, und zwar aus der Regel Berachoth 7. Allein er sicht nicht, daß diese Regel an Gelehrte gerichtet sei, welche die Uedersetzung auswendig wußten, und wenn er diese Regel noch jetzt zum Derständniß der Bibel dem Volke anräth, die chaldaische Uedersetzung zu lesen, so ist es wahrhaft lächerlich, da jetzt bas Hebräische besser verstanden wirb, als das chaldaische, und gewiß kein Laie durch dieses den Text besser begreift. In alter Zeit wurde die Uedersetzung dem Volke vorgelesen und erläutert, und späterhin blieb dieß noch lange eine bloß herkömmliche Sitte. Was nun das ganze Werk betrifft, so giebt es uns einen traurigen Begriff von dem Zustande der Literatur in Lemberg. Die Verfasser sind untereinander näher befreundet, und doch widerlegen sie einander in dieser Schrift, ohne, wie es scheint, auch nur einen Versuch gemacht zu haben, ihre Ideen zuvor gegen einander auszutauschcn. Sie schreiben ferner an einen Dritten, und obwohl sie selbst vorgeben, derselbe habe die erste Briefsammlung wider ihren Willen veröffentlicht, und in der That keine Ehre davon gehabt haben, fahren sie doch fort demselben ihr Vertrauen zu schenken. Wir wären geneigt anzunehmen, daß sie als noch junge unerfahrene Scridenten es vorgezogen haben, sich unter die Fahne eines Erfahrenen zu stellen, den sie für einen Freund halten. Sie werben durch die Art, wie ihr Werk ausgenommen wirb, eines Andern belehrt, und verdienen Mitleid wegen der Verblendung. — Die Leidenschaftlichkeit hat übrigens ihren Grund einzig und allein darin, daß die betreffenden Gelehrten die anbringliche Eorresponbenz der Vff. von sich abgelehnt haben. Das ist der wahre Ursprung x dieses unglücklichen Machwerks. Verschiedene Reden zur Rechtfertigung des Maimonides gegen Luzzato's Anklagen, habe ich ganz unerwähnt gelassen, da der Herausgeber der Annalen (Nr. 3) den Gegenstand für jetzt auf sich beruhen lassen will. Rapaport wird, wie wir mit Bestimmtheit wissen, die ihm gemachten Erinnerungen selbst beleuchten, und zwar im K. Ch. B. V., welcher bald erscheinen wird.