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Israelitische Annalen · 1840-07-17 · Heft 29 (17.7.1840) · p. Seite 250

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 29 (17.7.1840)
Date
1840-07-17
Page
Seite 250 (sequence 6)
Language
German
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250 Auf jeden Fall hat Luzzato wohl Recht, wenn er K. Ch. m. 73. behauptet, daß der Satz: „Eine Behörde kann rc." vom Vf. des Mischna selbst herrührt, welcher dadurch ein für allemal die bis dahin obwaltende Freiheit in rituellen Anordnungen adstcllen und die Nachwelt an die Satzungen, ime sie in seiner Zeit angenommen waren, zu dinden. — Daß dis dahin Freiheit herrschte, nach Umständen Manches zu ändern, ist ersichtlich aus Schev. in. Bosch, hasch II. und aus des Vf. der Mischna eigenen Handlungen gegen das Herkommen, welche er, «16 die Anhänger des Allen ihm darüber Vorstellungen machten, damit rechtfertigte, baß er sagte: „ Dies Recht ist mir von meinen Vätern übertragen worben." Cholin f. 6. Hier. Peah. II. 1. Schev. VI. 4. — Was aus diesen Betrachtungen folgt, bedarf keiner Entwickelung. _ Literarisch - Kritische Briefe. 4) Gallizien, 29. Mai 1840. Historie. (Schluß.) Die Sprache des Herrn Coden in diesem Werke ist rein hebräisch und leicht, hie und da mit thalmudischen Redensarten untermischt. Doch geräth er auch bisweilen in den Fehler unsrer Zeit, *) die Germanismen. Z. B. S. 2. n*6ni n:m; 38. nm hai Tin jne niwo; «1 mpin iroibcs tonn djd nrrinN vn hdh ’o; 18. iHp ybsv dpz -wra;-w nb;: ncccax*»; 86. Dtn-nn mpn bb bvn nrvn nxi; 10°. rann iv omm 1:20 jtp b2b n:nn nx; 139jnan nisa bv ''i'i'owb; u. s. f. Auch schreibt er immer O5QQ si. was sehr hart ist. — Es wäre besser gewesen, sich streng an den biblischen Historienstyl zu halten, wie dies Joseph Cohen und Peter Beer gelhan haben. Nun noch einige Erinnerungen, die wir aus Achtung für die Arbeit selbst nicht unterdrücken mögen. Erstlich sind nicht alle Stäbtenamen. so wie sie in den rabdinischen Quellen sich vorfinden, geschrieben, obwohl dies eine große Erleichterung für die Freunde dieser Literatur gewesen wäre. Der berühmte Rapaport hat ihm zwar hierzu eine Anleitung gegeben, und dadurch sind wohl die meisten richtig angeführt, doch wäre noch mancher Name zu berichtigen, z. B. S. 223. und / welche ^333 (Echa Rabb. ad 15.) und n*2 (sehr häufig) heißen. In der »beitläufigen und gelehrten Untersuchung Rapaporl's zum Beweise, daß Gischala — Meroth — fHE, und Achbarus — -Q3y, konnte durch die einfache Hinweisung auf Lonsano ad v. j-piQ und brnaa!), viele Mühe erspart werden. — Auch in Betreff der Menschennamen ist manches nicht gehörig nachgewiesen, z. B. S. 117 daß (Theophil) rPTT oder n^’T u. s. öfters. S. 37. erklärt er, daß die Phansäer nicht eigentlich eine Sekte gewesen seien, da sie die Mehrzahl gebildet haben, auch den eigentlichen Kern der Lehre gehabt haben; allein das war offenbar nicht so zur Zeit des Josephus, denn damals hatten oft die Sadducäer die Oberhand, und Josephus selbst theilt das Volk nach Sekten ein. Sie müssen also doch wohl, trotz ihrer Zahl, als Sekte bezeichnet werden. — S. 42 sagt er, den Sadducäern nahe stehen die später» Kanten in der Türkei. Hier hat er alles übersehen, was bereits über die Karaiten in der Geschichte vorhanden ist, auch geben die Israelitische Annalen von 1839 an mehrern *) Beiläufig bemerke ich, daß Delitzsch im Or. N. 2. der Levmsohnschen Uebersetzung des Kolumbus (welches er dort zu den Geschichtswerken zählt!) ungebührliches Lob spendet. Wer nur ein richtiges Sprachgefühl hat, muß anders urtheilen! — Stellen Nachrichten über die Karaiten, (und der Herausgeber würbe sich ein Verdienst erwerben, wenn er diese Arbeiten fortsetzte) woraus e>ne ganz andere Ansicht hervorsteht. — S. 119. spricht er von Philo, genannt Jedidjah Alexander, st. Alexandri von seinem Wohnorte Alexandrien.— S. 182 nennt er Flavius Josephus den genauen Kenner der Geschichte des zweiten Tempels, und den strengsten Wahrheitsfreund. Dies Urtheil wird nicht ein Geschichtsforscher unterschreiben, Venn es ist bekannt, wie häufig er durchaus unzuverlässig ist, weil er oft nicht aus guter Quelle schöpft. Seine Geschichte des Jüdischen Krieges ist daher ebenfalls nicht überall unverdächtig. Sagt Ja doch Hr. C. selbst, daß Josephus gegen die h. Schr. nicht beglaubt sei, wie viel mehr in seiner eigenen Lebensgeschichte! Auch Rapaport weist auf die Partheilichkeit des Joseph gegen Johannes von Giscala hin, den er haßte und deßhalb in ein schlechtes Licht stellt. — S. 195 konnte bei der Geschichte der Helena Königin von Adiabane .... die Sage des Thalmub R. B. 11. vom Monoba/. angeführt worden. S. 291. war zu erinnern, daß der Räuber Elasar in der Mischna (Sota 47) erwähnt ist (wo noch einige Dunkelheiten zu erläutern). S. 223. lieber' den Josephon b. Gorion ist in den Annalen 1839 Nachricht gegeben. S. 237 erzählt er die vor der Zerstörung des Tempels angeblich vorgefallenen Wunder; dies hätte freilich, der vorwortlichen Versicherung gemäß, alle Fabeln zu vermeiden, wegdleiben können. Uebrigens verringern dergleichen Ausstellungen den Werth des Ganzen, bas einem fühlbaren Bedürfnisse abhilft, keinesweges, und nur die gar zu prahlerischen Reden, womit das Buch eingeführt wird, machen einen widrigen Eindruck,' während Bescheidenheit der Schmuck der Gelehrten ist. Dankbar anerkennen muß man jedenfalls den Fleiß des Greises, der den Spruch wahr macht: Aechte Männer der Wissenschaft gewinnen mit den höhern Jahren immer mehr rüstige Denkkraft. Recht sehr zu wünschen wäre, daß ein verbreiteter Absatz des ersten Bandes ihn ermunterte auch die beiden andern Theile herauszugeben, und jeder, welcher dazu beiträgt, darf stchs zum Verdienste rechnen. Nachrichten und Correspondenzen. Lemberg. — Das hiesige Rabbinat wird nun doch wohl durch den bereits erwähnten Herrn Hendel Strier besetzt werden. Welche Richtung dadurch vorzugsweise begünstigt werden dürfte, ist fast nicht zu bezweifeln, indeß ist doch die Wahrscheinlichkeit vorhanden, daß wer auch immer an der Spitze unserer Gemeinde steht, die mannichfachen Bewegungen der Zeit ihn nicht mehr gleichgültig finden werden, und die nothwendige Theilnahme für die innere Fortbildung, früher den Rabbinen stets fremd, wird sicherlich gute Folgen haben und ernstliche Maßregeln zur Verbesserung, insbesondere des Erziehungswesens Hervorrufen. — Ein anderes Schreiben meldet dieselbe Nachricht zugleich mit dem Abgang Napaport's aus Tarnopol, welcher nunmehr seine Stelle in Prag antreten wirb. Dasselbe bemerkt auch zu unsrer Nachricht aus Tarnow (Seite 18v), daß die Criminal - Commission auf ausdrückliches Ansuchen der Gemeindevorsteher zu Tarnow, von Lemberg aus dorthin gesandt worden sei. Nachdem die Derbrecherin zum Geständniß gebracht war, wünschte man tiefer einzudringen, und die Quellen der abscheulichen Verläumdungen aufzudecken. Da sich indeß ein gewisser Orden compromittirt fand, so ward ungeachtet aller feierlichen Protestationen der Prozeß niedergeschlagen, und die Sache blieb auf sich beruhend. — — Das Buch mpi rQD» welches der Karait (in Nr. 21 der Annalen) in seinem Schreiben an Blumenfeld erwähnt, ist ein vor wenigen Jahren erschienenes Buch, worin sich einige Briefe, welche die Karaiten vom Vf. der Gesch. der Israeliten erhalten haben, befinden. *) *) Diese Veröffentlichung einer Privatcorrespondenz kann ich nur sehr mißbilligen, da der Inhalt, so viel mir er-

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