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Israelitische Annalen · 1840-07-17 · Heft 29 (17.7.1840) · p. Seite 248

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 29 (17.7.1840)
Date
1840-07-17
Page
Seite 248 (sequence 4)
Language
German
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248 die Meinungen dev verschiedenen Kirchen von einander gestalten, und wie selbst der bekanntesten Tatsachen Ursprung vielerlei Deutungen unterliege —) ferner die Concilien von Maux 845, von Paris 850. Karl's des Kahlen Edikt von 877. — Wir erfahren bei dieser Gelegenheit, daß die berüchtigte Ohrfeigenftrafe, welche an den drei Festen alljährlich ein Jude an der Thüre des Doms zu Toulouse zu erleiden hatte, (und um welche die Juden als um ein würdiges Martyrthum sich stritten) fälschlich einem Verraihe zugeschrieben worden; denn das Vorgeben, die Sarazenen seien mit Hülfe der Juden in Toulouse eingerückt, sei unwahr, indem Toulouse niemals in der Gewalt der Sarazenen war. (Schluß folgt.) Maimomdes und seine Zeitgenossen. Von Di-. Carmoly. Zehnter Abschnitt. Sein Sohn und sein Schüler. — .Brief nach The man. Der genannte geliebte Schüler faßte, nachdem er einige Zeit in Haleb gewohnt haue, den Plan, in Babylon eine Schule zu errichten, und bar seinen berühmten Lehrer um Genehmigung dazu, die dieser ihm gern ertheilte, wie solches aus der Antwort erhellt, welche am Schluß des Briefes abgedruckkist, der in der „Briessammlung" und ’vnmN'D 142 unrichtig ihm zugeschrieben wird, er ist an seinen Sohn gerichtet; und es heißt darin: Was Du von Deiner Reise nach Babylon erwähnst, so habe ich Dir längst erlaubt, eine Schule zu eröffnen, und mögest Du in derselben recht fleißig das Werk (Mischna Murra) lehren, und daneben Dich nur mit den Gesetzentscheidungen des Lehrers (nämlich Alphasi), welches Du mit jenen vergleichen mögest, befassen. Sobald Du eine Verschiedenheit findest, so wirst Du wissen, daß diese aus dem Thalmud herrührt, und durch nähere Untersuchung der Quelle wirst Du das Wahre auffinden. Mit der Commentirung und Discusfion der ctewara verbringe aber nicht die Zeit und ich selbst habe diese Dinge als unnütze Zeitverschwendung bei Seile gelegt. Bist Du über etwas im Zweifel, so theile mir es mit,—und der Herr leite Dich in den Pfad der Wahrheit. — „Betreffend meine weltlichen Angelegenheiten, so trösten mich nur zwei Dinge, erstlich jedes Studium, und zweitens die Wahrnehmung, daß mein Sohn Abraham alle schönen Eigenschaften unsers gleichnamigen gesegneten Erzvaters besitzt; er ist höchst bescheiden, sehr gesittet, dabei scharfsinnig und geistreich, er wird ohne Zweifel einst einen großen Namen haben, u. s. w. Dieser treffliche Sohn war geboren im Ir i486 Conkr. (—1185) s. Mcor Eu. ed. Mant. 97. Als er noch zart war, entwickelte er schon ausgezeichnete Anlagen. Sein Vater sandte ihn nach Spanien zu dem großen Gelehrten Abul Fazail ben Al Nakd. Dahin schrieb ihm sein Vater, um seine Studien zu leiten, viele Briefe, von denen wir zwei besitzen. Zn einem derselben (zu Anfang der „Maim. Briefe") befiehlt er ihm, sich ausschließlich mit den Commentaren des Aben Esra zu befassen, welche nützlich und geistvoll seien, dagegen die der französischen Schule zu meiden, welche ihren Gott nur zu erkennen scheint, wenn sie gutes Rindfleisch in Essig und Oel gebraten essen, (soll so viel heißen als sie sind zu materiell in ihren Ansichten,) und wahre Seligkeit in den vielen Gebeten und Klagen und im Studium des Thalmuds und ähnlicher Schriften sucht; eben so soll er sich nicht mit den noch wenig ausgebildeten Gelehrten der Berbern befassen, besonders nicht mit. den Bergbewohnern zwischen Tunis und Alexandrien, welche zwar sehr gläubig, aber dabei ganz geistlos seien. Kurz, er solle sich nur an die spanischen und insbesondere an die andalusischen Gelehrten halten, welche Scharfsinn mit Gründlichkeit und Klarheit verbinden. Der zweite Brief ist der mit Unrecht dem Joseph b. Aknin zugeschriebene. Er handelt von dem Streite mit Mar Zacharia, wovon weiter unten im 12len Abschnitt, wo von seinen Streitigkeiten mit Gelehrten seiner Zeit die Rede sein wird. Im Jahr 1189 gelangte an ihn durch Mar Rad Jakob b. Nathancl Alfajumi aus dem Tbeman (Süd-) Lande die Anfrage, wie man sich in dem dort eingetretenen Religionszwange und in Betreff eines angeblichen Messias zu verhalten habe? Die Antwort ist bekannt. Er stellt den Glaubensbrüdern vor, wie alle solche Verfolgungen schon öfters überwunden worben seien und stets überwunden werden, und ermahnt sie, weder Vorspiegelungen, noch allerlei falschen Deutungen der Bibelworte auf angebliche Messiasse und dergleichen Gehör zu geben, (z. B. daß =92=*tt>nD) und ähnlichen Unsinn. Insbesondere rechnet er ihnen die verschiedenen Messiasse vor, welche jedesmal entsetzliche Leiden über Israel gebracht haben, als 1134 in Cordova, 11V4 in Frankreich, und zu Anfänge des Islam (also etwa 630) in Jspahan und der Gegend. Seine Worte machten tiefen Eindruck, die Anftagenden blieben ihrem Glauben getreu und verwarfen ben falschen Messias. Auch scheint die Verfolgung nachgelassen zu haben, wie aus einem Schreiben derselben Leute vom Jahr 1190 an R. Samuel ha Levi b. Ali, Schuloberhaupt in Babylon, über M.'s Ansicht von der Auferstehung, hervorgeht (s. zwölften Abschnitt.) Kritische Studien. Von einem Gallizier. Jedermann weiß, welchen Nutzen es hat, die Bücher, aus denen wir so viele religiöse Lehren schöpfen, genau zu prüfen und in allen Einzelnheiten zu kennen; und die neuere Zeit hat wirklich das Auge der Kritik besonders dahin gezogen, und manche neue Ansicht warb dadurch gewonnen/ Besonders anregend war Geiger's Aufsatz: „Einiges über Plan und Anordnung der Mischnah" Zeitschr. H. H. 3. p. 474—493. welchen die lehrreichen Bemerkungen Luzzato's und Reggio's (K. Ci», m.) folgten, aus denen der Schluß mit fast evidenter Gewißheit hervorgeht, daß die Mischna nicht von R. Jehuda dem Heiligen niedergeschrieben worden, und die Ausschreibung erst mehrere Jahrhundert später emtrat.*) Dies letztere läßt sich durch noch mehr Belege darthun, wozu hier nicht der Ort. Nur dies möchte ich'hrer noch erinnern, das auch die Ordnung der Mischna nicht zu loben ist, und der Ordner gar nicht mit Sorgfalt zu Werke gegangen, obwohl dies eine der ersten Aufgaben hätte sein müssen, um sie dem Gedächtnisse leichter einzuprägen. Was wir haben, ist nichts als eine Sammlung aus ältern mündlichen**) Sammlungen. Geiger hat *) Seltsam genug sagt Delitzsch: Kunst, Literatur und Judenthum S. 83—84 noch immer, R. Jehuda habe den M. geschrieben; — als ob niemand es bezweifelte; und doch kannte er die obigen Bemerkungen. **) Reggio das. S. 80 meint die älteren Werke seien wohl nur kurze Uebersichten gewesen. Allein Hiefs. Horajoth Ende und Mia. Roh. wird von großen Werken des R. Akida gesprochen, vielleicht ist damit die MepiiUtiia oder die Otioth gemeint. (S. 8aiuud Hannagid. Einl. z. Thalmud). Das jetzt vorhandene y-n niVfiN ist untergeschoben. *

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