Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 28 (10.7.1840)
- Date
- 1840-07-10
- Page
- Seite 242 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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242 zwei) wurden unter dem Grafen Hannibal N. 1617 ausgenommen. Die Bedingungen (unterm 3. April 1617 ausgefertigt) sind: für jede Familie jährlich 1V fl. Schutzgelb und zwei gemästete Gänse. und Zahlung etwaiger Reichsauflagen gleich andern Unterthanen; wogegen ,hm alle Hantirungen, die dem Christen erlaubt sind, gestattet worben, offener Handel, Geldleiken, doch in der Grafschaft nur zu S pCt.; auch können sic auf angewiesenen Plätzen sich Häuser bauen, oder die ihnen von der Herrschaft erbaute Wohnungen mit 5 pCt. verzinsen; für jede Leiche wird 2 fl., für die eins Kinds 1 fl. entrichtet. Sie sind zu allen Gemeindeleistungen bei Feuersgefahr re. verpachtet, und haben dagegen an den Gemeinde- Gütern Antheil, sic genießen freie Religionsübung und Autonomie in iunern Streitigkeiten. — Unter fast denselben Bedingungen, dock mit 15 fl. Schutzgeld, nahm Carl F r i e d r i ch den 1. März 1648 wieder 4 Familien auf; doch warb ihnen zur Pflicht gemacht, stets Seidenbänder. und andere nothwendige Artikel feil zu haben, von welcher Verbindlichkeit sie am 19. Juny 1651 mit Erlegung iym 50 fl. sich befreieten. — Unter Grafen Franz Wilhelm Mar wurden 1744 die aus Sulz vertriebeuen Familien, gegen 17 fl. Schutzgeld ausgenommen. Das Schutzgeld wurde (da die Grafschaft 1759 an Oesterreich fiel) auch an Oesterreich entrichtet, bis die Baiensche Regierung, als sie Tyrol und Vorarlberg besetzte, es abschaffte. Statistisches. Rheinpreußen hat im Anfang 1840 etwa 22.310 Juden, nämlich Rgbez. Düsseldorf 6060, Koblenz 6720. Trier 3620, Aachen 1950, Köln 4050. Die Gesammtbevölkerung beträgt 2.172,500. Ueber die Bemerkungen Herrn Rosenrhal zu meinem Aufsatz über den Schaltmonat. Wenn man einem wissenschaftlichen Fache ein vieljähriges sorgfältiges Studium gewidmet hat, kann man nicht, ohne sich gekränkt zu fühlen, öffentliche Belehrungen über die ersten Elemente desselben empfangen, wie die sind, welche mir H. R. zu ertheilen beliebt. Da mein Aufsatz nur ein sehr qeringzahliges Publikum hat, so will ich mich hierNicht in weitläufige Erörterungen einlassen, die doch nur das sehr wenig interessante Resultat liefern würden, daß H. R. meinen Aufsatz durchaus falsch verstanden hat. Ich habe nicht gesagt, daß im 19jährigen Mondcyklus um Mondmonat kleiner sei, als 19 Sonnenjahre; ick habe vielmehr die Thekupha des R. Ada bar Ahabah zu Grund gelegt, nach welcher die Ausgleichung ganz vollkommen ist, und nur zeigt, baß die Ausgleichung nicht am Ende, sondern nach dem ersten Jahre des Cyklus Statt findet. Auf meine Formel lege ich keinen großen Werth, sie ist aber neu, wie auch schon Herr vr. Jost bemerkt hat, und vollkommen richtig. Die aus Pirke R. Elieser angezogenen Stellen finden sich fol. 5, b und 9, » Amsterdam 5467. M. Creizenach. Nachrichten und Correspondenzen. Von der polnischen Grenze im Mai 1840. — Das jüdische Schulwesen wirb im Ganzen von den gut geschulten Lehrern, gemäß den Ansprüchen, die man an Elementarschulen macken kann und darf, gut verwaltet, und wenn der Religionsunterricht als solcher, das heißt, ein nach einem didaktischen Lehrbuche wohlberechneter Unterricht in der Religion durchaus noch immer zu den Wünschen gehört, die einer Erledigung warten, so liegt die Schuld hievon nicht so wohl an den Lehrern, als vielmehr an den Rabbinern, die um die Schule sich gar nicht kümmem, und die Jnspektion über dieselbe den christlichen Geistlichen überlassen. In den Elementarschulen werden nur die Elementar Wissenschaften unterrichtet, und das Uebersetzen des Pentateuch's, einiger Psalmen u. s. w. müssen die Kinder wiederum bei Privatlehrern erlernen. Allerdings machen hievon die größern jüd. Schulen zu Lissa, Rawicz, Krotoschin, Schwerin eine rühmliche Ausnahme; im Ganzen aber bleibt auch in diesen Städten noch Vieles zu wünschen übrig. — Mit dem Thalmubstudium ist es allgemach ein Ende geworden, selbst die Rabbiner entziehen auf eine geräuschlose Weise ihren Kindern den Thalmud, und widmen dieselben lieber den Wissenschaften, dem Gewerdestanbe oder dem Handwerke, und man sieht darum auch in allen Branchen von Handwerkern jüd. Meister und Gesellen; in den Werkstätten der Tischler, Schlosser, Leinweber, Gerber, Färber, Maler, Klempner, Schuhmacher u. s. w. sind jüd. Lehrjungen anzutreffen, während die ihre Besucher und Junger verloren haben. — Das religiöse Leben der Juden im Großherzogthume bietet in seiner jetzigen Gestaltung wirklich des Interessanten und Bcachtungswerthen gar Vieles dar; er zeigt im hellsten Lichte den Bruch, der die Zeit zwischen der alten und neuern Generation hervorgebracht, und wartet sehnsüchtig auf den geschickten Seelenarzt, der die geschlagene Wunde wieder heilen soll. Die religiöse Denk- und Handlungsweise der neuen Generation ist zwar nicht ganz verschieden von der der älteren, aber wohl von derselben abgerrennt. — Die jungen Leute erlauben sich so Manches zu lhun, was den Prinzipien ihrer Eltern widerspricht, und glauben ihr Verfahren durch ein flaches Raisonnement zu beschönigen. Weil nun aber dieses von keinem innern Gehalt ist. so geht dabei das Gemüth leer aus und Eltern und Kinder verfallen dadurch in Zweifel, der zu einem der beiden Erkreme, Orthodoxie oder Freigeisterei führet. — Daher auch der große Hang nach Belehrung, der sich fast in jeder Gemeinde so deutlich kund gibt. Die Schriften neuerer Zeit waren von geringerem Einfluß auf die Grvßherzogthml. Juden, theils weil bei ihnen noch keine jüd. Lesevereine bestehen (mir Ausnahme Posen), theils weil die Form der Schriften ihnen nicht zusagt. So lesen sie z. B. die Schriften eines Geiger, Creizenach, Zun; re. den i£p| q-q, den Reggio, aber nur der schöne Styl hat für sie Interesse, der innere Gehalt geht ihnen daran verloren. Darum werben auch die Musterschriften der deutschen Stylistik von Hirsch und Consorten gar nicht gelesen. Wohlthätigkeitsanstalten gibt es in der kleinsten Stadt mehrere, und in größeren gegen 20 — 30. Die jüd. Walsenanstalt in Posen rivalisirt mit der Berliner; ebenso stehen die Anstalten zur Bekleidung der ärmeren jüd. Jugend, welche seit 1824 in jeder Corporation eingesührt worden sind, denen der andern preußischen Provinzen nicht nach. Trauungen werden in Bromberg, Jnowraclav, Gnesen und noch in einigen andern Städten des Regierungsbezirkes Brvmberg in der Synagoge vollzogen. Wenn mehrere größere Städte, wie Lissa, Krotoschin. Brvmberg ohne Rabbiner sind, so ist der Grund hievon nicht sowohl in dem krankhaften religiösen Zustande dieser Gemeinden zu suchen, als vielmehr in dem schlechten Musterbilde, welches sie sich an der Residenz Berlin nehmen, welche — beiläufig gesagt — schon seit Jahren einen Rabbiner sucht, und ihn merkwürdiger Weise nicht finden kann. — Dem Beispiele der größern Städte folgen in jeder Beziehung nunmehr auch viele kleinere, und es herrscht, so zu sagen, in der dortigen religiösen Welt ein Zustand der Anarchie, so daß jeder thut, was ihm gut dünkt. — Wie in der Kleidung, so auch in den äußern bürgerlichen Lebensverhältniffen sind die Juden dieser Provinz im Ganzen denen in andern preußischen Provinzen gleich, mit Ausnahme, daß der nichtnaturalisirte Jude kein kaufmännisches Gewerbe betreiben, keine Felle, Leder, Wolle u. dgl. auf dem Dorfe einkaufen darf, und also direkt auf den Bettelstab angewiesen ist. — Die Naturalisirten betreiben, wie bemerkt, alle Arten von Gewerbe und Handwerken, und es findet sich im Allgemeinen bei ihnen ein großer Hang zum Ackerbau. Allein diesen Hang können sie der schlechten pekuniären Verhältnisse wegen nicht befriedigen. Denn die Armuth der Juden ist in dieser Provinz schon deßwegen so