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Israelitische Annalen · 1840-07-10 · Heft 28 (10.7.1840) · p. Seite 240

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 28 (10.7.1840)
Date
1840-07-10
Page
Seite 240 (sequence 4)
Language
German
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240 wo die seitdem immer allgemeiner gewordene Confirmation als das Werk der Neologie (einer Wissenschaft, deren Inhalt noch zu enträthseln ist) und sogenannter Neologen (ebenfalls ein Wort ohne BegriD verschrieen ist. Dieser Jrrthum rührt wahrscheinlich daher, daß allerdings die neuere Form der Einsegnung ihre Einführung zunächst der Eitelkeit mancher Eltern verdankt, welche für ihre Kinder eine ähnliche, an sich wohlthuende, zugleich aber in die Augen fallende Feierlichkeit wünschten, wie die der christlichen Mitbrüder. Daher waren denn auch die ersten Confirmationen, immer nur in Familienkreisen vereinzelt abgehalten, im wahren Sinne des Wortes nichts weiter als Schauspiele, die durch Neuheit reizten, und da sie durch den Inhalt doch auch Zusagen mußten, indem dabei die ganz unwissenden Erwachsenen etwas von religiösen Dingen erfuhren, bald Nachahmung fanden. — Dies konnte füglich nicht verboten werden, und ward daher in wenigen Decennien immer allgemeiner. Allein viele unterdeß in ihr Amt eingetretene einsichtsvolle Rabbinen beachteten dies wichtige Element der religiösen Erziehung mit gehörigem Ernste, und sahen ein, daß es weit ra'thlicher sei, dieser im Grunde dem herkömmlichen Gebrauche entsprechenden Handlung die volle Weihe zu geben, als ihn der Willkühr und der Eitelkeit von unkundigen Privatleuten zu überlassen; und so führten sie ihn in weit angemessenerer Form ein, als wie ihn das ehemalige Casselsche Consiftorium gut geheißen hatte. So ist denn die Religionsweihe (ein besserer Name als Confirmation) jetzt der Synagoge selbst durch die Autorität anerkannter Rabbinen zugewiesen, und auf jeden Fall nicht mehr als Neuerung verdammlich. Sie wird jetzt, kleinere Ortschaften nicht zu rechnen, in ganz Würtemberg, meist in Baden, in Sachsen, in Wien, Königsberg, Copenhagen, Brüssel und v. a. regelmäßig und gesetzlich ausgeübt, und die verschiedenen Akte, welche in Druck gegeben worden, zeigen, wie wohlthätig sie wirken müsse. An vielen Orten ist sie von zaghaften Rabbinen vorläufig nur in den Schulräumen, nicht aber in den Synagogen zugelassen, welches mindestens beweist, daß sie das Wohlthuende des Gebrauches einräumen. Eine Menge Berichte von Feierlichkeiten dieser Art, welche am letzten Wochenfeste Statt fanden. liegen vor uns. Es ist wahrhaft erfreulich zu sehen, wie die Theilnahme für Religionskenntniß zunimmr. Wir zeichnen hierunter besonders die Berichte aus, welche uns die Feier von Brüssel und die von Hildes he im beschreiben. An beiden Orten sind es anerkannt der Form streng zugethane Rabbinen, welche die Handlung übten. Herr Dr. Lob wirkt in Brüssel ungemein thätig für gründlichen Unterricht und Erhebung des Gottesdienstes; der feierliche Akt, diesmal an zweien Knaben und einem Mädchen vollzogen, rührte alle Anwesenden, sowohl durch den Inhalt, als durch die begleitenden Chorgesänge , zu denen vor mehreren Jahren Herr vr. Somerhausen den hebräischen Text verfaßt hat. — Des Herrn Bodenheim er Rede ist uns direct - mitgetheilt worden, sie ist voll von lehrreichen Betrachtungen, und in ihrer etwas höher« Haltung ein Beweis von einem bereits vorgerückten Volke. Wir wären geneigt, Stellen daraus mitzutheilen, wenn der Raum es zuließe und überhaupt das Ganze nicht dadurch verlöre. Es wäre sehr zu wünschen, daß sie, vielleicht an einigen Stellen etwas popularisirter, als ein Muster für denkende Lehrer, im Druck erschiene. — Zum Schluß machen wir noch auf eine sehr interessante, den Gegenstand fast erschöpfend behandelnde Schrift aufmerksam, welche so eben uns zugegangen ist, nämlich: Ucber die israelitische öffentliche Religions-Prüfung oder Confirmation, von vr. M. Büdinger zu Cassel*) 1840, über welche wir noch besonders berichten werden. Literarisch - Kritische Briefe. 4) GaUlzien, 29. Mai 1840. Historie. Die erste, trefflichste und unschätzbare Quelle unsrer Geschichte ist die heilige Schrift, das Buch der Bücher, auch abgesehen von dem religiösen Inhalte; der Styl der historischen Darstellung ist leicht und anziehend, die Wahrheit spricht aus jeder Zeile, kein Ansehen der Person, keine untergelegte Absicht; selbst die erleuchtetsten Männer stehen da mit menschlichen Schwächen. Wie weit steht der historische Geist der h. Schrift über dem der Später«, die oft aus falscher An- oder Absicht, und selbst gegen die allbekannte Wahrheit und eigenes besseres Wissen Unwahres berichten. Daher denn auch der tiefe, religiöse Eindruck der biblischen Geschichte, welche dem Gedächtnisse sich ünvertilgbar einprägt. Die Volksgeschichte wurde ehemals von Priestern und vorzüglichen Männern ausgezeichnet und im Heiligthume bewahrt, daher sie minder der Entstellung ausgesetzt war. (Diese Sitte scheint auch bei den Juden in Malabar geherrscht zu *) Zu haben bei I. D. Sauerländer in Franks, a. M.

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