Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 28 (10.7.1840)
- Date
- 1840-07-10
- Page
- Seite 238 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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238 den, sich <o sehr als unbedeutende Zeichen menschlicher Schwachheit bewährt, daß allerdings die Art ihre? Wirksamkeit keine Aufmunterung zur Nachahmung oder auch zur Theilnahme gewährte, vielmehr oft den bessern Willen zurück schreckte. Unsre Zeit ist praktischer und klarer; sie will die Früchte der Aussaat, wo nicht erleben, doch wenigstens kennen, und sich daran freuen, zu wissen, was Gutes aus ihren Opfern, hervorgehen werde. Wenn aber dieses deutlich gemacht worden, so ist die gemeinsame Kraft der Menge bei weitem wirksamer als die größere Geldmasse einiger Reichen, und das ist eine herrliche Erfahrung, denn sie gicbt den Beweis von zunehmender Sittlichkeit im Volke, das die großartigen Tugenden nicht mehr mit großem Besitzthum verbunden Lenkt. So stehen denn auch in der That in unsrer Zeit, die Israel Jakobson, die Salomon Heine und einige Andere, die mit reinem Wohlwollen nahmhafte Summen fcstftellten für humane Zwecke, vereinzelt da, wahrend unzählig viele frühere Stiftungen, aus denen viel Gutes hcrvorgehen könnte, noch immer an die Thorheiten ihrer Urheber gebannt, erst eine Entwickelung erwarten, um nützlich und heilsam zu wirken. Ein großes Verdienst hat sich in dieser Beziehung um die herrliche Samson'sche Armenschule zu Wolfenbüttel, der nächste Nachfolger in der Verwaltung, Herr I. H. Sam son, schon im 1.1807 dadurch erworben, daß er die von seinen Verwandten mehrere Decennien zuvor für bloßes Thalmudftudium eingerichteten Stiftungen zu einer vorzüglichen den Zeitbedürfnissen entsprechenden Bürgerschule umschuf, aus welcher seitdem eine große Anzahl wohlerzogener und zu ihren verschiedenen Berufen anerkannt tüchtiger Männer hervorgegangen ist. Auch in Berlin gingen mehrere angesehene Israeliten,- einige Jahre nach dem Frieden, als der Wohlstand zunahm und die Kräfte nicht mehr nach außen hin in Anspruch genommen wurden, mit dem Plane um, ein Waisenhaus zu errichten. Der verstorbene David Friedländer, dessen Andenken noch in der Brust aller Gebildeten lebt, stand an der Spitze eines Comite, welches sich zu diesem Zweck bildere, und in welchem Schreiber dieses mit thätig war. Große Vorbereitungen waren getroffen, und man reflectirte bereits auf ein Gebäude in Charlottenburg, — denn nicht weniger als 35,000 Rthlr. Capital waren zur Gründung der Anstalt als Schenkung subscribirt; — da ward die ganze Sache durch die noch heute unerklärbare Aengftlichkeit eines Einzelnen, welcher einige Bedenklichkeiten äußerte, zerstört. Der Wille war vorhanden, aber die rechte Ueberzeugung fehlte, und niemand trauete sich die Ausdauer zu, die kalte Besonnenheit Einzelner, die mit ihrem Einfluß die Thatkraft Anderer schwächten, zu besiegen. — Es war natürlich. Was mit bedeutenden Kräften begonnen wird, soll gleich anfangs eine augenfällige Wirkung zeigen, und diese kann nicht schnell genug ans Licht treten, um die Geber für ihre Opfer zu entschädigen und zu befriedigen. Bald hieß es denn auch: Wozu? und das ist der Tod jeder Begeisterung. Richtiger und in jeder Beziehung praktischer, wiewohl viel schwieriger war daher der Weg, den Herr B. Auerbach 18 — 13 Jahre später einschlug, indem er auf sich allein die ganze Sache nahm, ein Waisen - Institut nicht bloß aus dem Nichts zu schaffen, sondern dasselbe geradezu als das Werk des Bedürfnisses für die Dauer aufzurichten, die Theilnahme für dasselbe immer weiter auszudehnen, und selbst die Widersacher in Freunde desselben zu verwandeln. Er fing von unten herauf an, sorgte zunächst für bessere sittliche und körperliche Pflege der wenigen Waisenkinder, welche zufällig von Seiten der Gemeinde damals in Kost gegeben waren, und zeigte in kleinem Maßstabe, was mit der Zeit, bei stärker zufließenden Mitteln, geleistet werden könne. Wir haben seine unermüdliche Thätigkeit zur Verwirklichung seines Planes, und die Art, wie er mannigfache Hindernisse besiegte, selbst mit angesehen, und können nicht umhin , freudig anzuerkennen, daß der Erfolg seiner Arbeiten und Mühen alle Ewartung selbst der Wohlwollendsten und Erfahrensten übertroffen hat. Die Jahresberichte, welche höchst merkwürdige Resultate liefern, enthalten das Nähere über die Entwickelung des Instituts, welches im Laufe von 7 Jahren nun schon viele junge Menschen nicht bloß dem Elende entrissen, sondern wahrhaft beglückt hat, und außerdem sowohl durch officielle Anerkennung von Seiten hoher Regierung, als auch durch einen ansehnlichen, in steigendem Maße zunehmenden Capitalfond (jetzt schon 17,500 Rthlr.) in erfreulicher Blüthe dafteht, eine Zierde der Berliner Gemeinde, und ein Muster der Wohlthätigkeit und der Humanität; denn zwei Dinge müssen hier noch besonders hervorgehöben