Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 28 (10.7.1840)
- Date
- 1840-07-10
- Page
- Seite 237 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1840, 10. Juli. Nro 28. Israelitische Annalen. E i n Centralblatt sür Geschichte, Literatur und Cultuo der Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegeben von vr. I. M. I o st. Don diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer, bisweilen IV, Bogen; Preis des Jahrganges S Rthlr. fl. 5; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des In- und Auslandes. DaS Auerbach'sche Waisen-Erziel'UngS-Jnsticut zu Berlin. — Die Religionsweihe (Confirmation.) — Literarisch-Kritische Briefe. — Historische Notizen und Fragen. — Urber die Bemerkungen des Herrn Rosentbal über der Aufsatz Schaltmonat, von vr. Creizenach. — Nachrichten und Correspon' denzen: Von der Polnischen Grenze; Frankreich; Großherzogthum Baden; Frankfurt. — Anzeigen. Arrnerr-Crziehungswesen und Stiftungen. Das Auerbach'sche Waisen-Erziehungs-Institut zu Berlin. In dem so eben erschienenen siebenten Jahresbericht dieses Instituts, mit dessen Errichtung Herr B. Auerbach sich wahrhaft unsterblich gemacht hat, erkennen wir mit besonderer Theilnahme das immer stärkere Aufblühen einer Anstalt, welche sowohl ihrer innern Einrichtungen wegen, als auch in Betracht ihrer Entstehungsweise, die Aufmerksamkeit aller derer auf sich ziehen muß, die sich im Stande sehen, für die unbemittelte Volksklasse thätig zu wirken. Wir halten es für Pflicht, diese Aufmerksamkeit anzusprechen, denn hier ist noch ein weites Gebiet für edle menschenfreundliche Werke, zu deren Aufführung fast nichts weiter gehört, als ein ernster Wille und ein gewisser Grad von Ausdauer und Beharrlichkeit, beides Tugenden, welche in unfern Gemeinden zu jeder Zeit angetroffen worden, und welche selbst der heutigen Flatterhaftigkeit noch nicht den Platz geräumt haben. Der wichtigste Punkt ist die Art, wie das genannte Waisen-Jnftitut entstand, denn eben auf die erste Anlage kommt es größtentheils an, ob ein Werk gelingt oder nicht, und wir können mit Bestimmtheit versichern, daß eine Menge Institute ähnlicher Art einzig und allein deßhalb, weil gleich anfangs bei der Grundlage fehlgegriffen war, theils nicht zu Stande kamen, theils bald wieder zerfielen, und daß nachher mit Unrecht über Unempfa'nglichkeit des Publikums, über Lauheit für alles Gute u. s. w. geklagt ward. Die Theilnahme für gute Werke ist in gegenwärtiger Zeit lebhafter und auf jeden Fall verbreiteter und ersprießlicher als je; während vormals nur die ungewöhnlich Begüterten sich entschlossen, einen Theil ihres Mammon für eine Stiftung herzugeben, und auch dieß mehr als ein frommes Opfer, denn als ein Mittel zu menschenfreundlichen Zwecken, eilen in unsrer Zeit selbst die Minderbemittelten herzu, ihr Scherflein beizutragen, wenn es gilt wohltha'tige Anstalten zu gründen und das Elend der Menschen zu mildern. Es ist ein großer Unterschied zwischen jenen sogenannten milden Stiftungen und den Werken unsrer Zeit; jene sollten lediglich den Sinn des Stifters befriedigen und hingen von seiner Denkart ab. Man hat mit größerer Freigebigkeit Kapitalien ausgesetzt, um müßige Ceremonien machen zu lassen, als um der Armuth in der Noth beizuftehen, mit größerm . Edelsinn Jahrgehalte für gewisse Gelehrte ausgesetzt, als zur Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse. Die früher» Stiftungen haben daher, in so fern sie nicht zeitig genug eine verständigere Anwendung fan-