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Israelitische Annalen · 1840-07-03 · Heft 27 (3.7.1840) · p. Seite 233

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 27 (3.7.1840)
Date
1840-07-03
Page
Seite 233 (sequence 5)
Language
German
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233 Maimonides und seine Zeitgenossen. Don vr. Carmoly. Neunter Abschnitt. Maimonides im Dienste Saladins. Im I. 939 (1179) trat M. in die Dienste des großen Saladin (Salah-eddin), und blieb sein Leibarzt. Sowohl dieser Fürst als die übrigen Großen schätzten ihn sehr hoch. Diese Nachricht findet fich am Ende des öfter erwähnten .Briefes des Schescheth. Die Arabischen Schriftsteller behaupten, er sei sogleich nach seiner Ankunft in Aegypten in die Gasse der Aerzte eingetreten, auch einst, als der Frankenkönig in Askalon erkrankte und nach Fostat schickte, um einen geschickten Arzt zu erlangen, dorthin zu gehen aufgefordert worben, habe aber seinen Wohnfitz nicht verlassen wollen. Alfadl Abd-al-Rahim erkannte seinen Werth, nahm ihn als Arzt an und bestimmte ihm einen ansehnlichen Gehalt. Dessen Gnade schützte ihn gegen die Intriguen eines aus Spanien eingewanderten islamischen Richters, Abul Arad b. Musa, welcher ihn beschuldigte, den Islam, welchen er angenommen hätte, wieder verlassen zu haben. Diese Anklage ward mit der Bemerkung zurück gewiesen, daß ein erzwungenes Bekenntniß keine Gültigkeit habe. (Dergl. Abulfaradj Hist. Dyn. p. 286 et Casiri Bibi. Arab hisp. 1.293). Vielleicht beziehen fich darauf des M. Worte an Iaphet, (Annalen 1849 Nro. 11) daß Derräther ihn haben verderben wollen. — Wie dem nun sei, so ist so viel gewiß, baß er ein geschickter praktischer Arzt war, und nicht, wie einige meinen, bloß Theoretiker. Joseph b. Juda b. Simon, genannt den Aknin, kam damals aus dem Abendlande nach Aegypten, und sandte ihm aus Alexandrien Verse, worin er seine Sehnsucht, bei ihm zu studiren, ausbrückte. Er ward bald sein getreuester und bester Schüler, und studirte unter seiner Leitung Astronomie, Logik, Theosophieu. a. (s. Moreh, Anfang.) Wahrscheinlich gab er ihm die hinterlassene Tochter seines im Meere untergegangene Schülers, die er als seine eigene Tochter behandelte und erzog, zur Frau. Sie liebte ihn übrigens kindlich, und war daher tief betrübt, als in Haleb, wo fie nachmals mit ihrem Manne wohnte, ein gewisser Eben Gebar auftrat, um in Gemeinschaft mit Andern den M. zu bekämpfen; wie dies in einem Briefe M's an Joseph ausführltch dargethan wirb. Da dieser Brief nur handschriftlich existirt und wohl nicht bekannt ist, so setzen wir dessen Inhalt hieher, so weit er zur Sache gehört, besonders da aus demselben noch drei Gelehrte als Gegner des M. hervortrelen. (Wir übertragen nur den Sinn, des, wie es scheint, aus dem Arabischen übersetzten, sehr harten Ausdrucks). *) *) Die vielfachen Täuschungen und sonst vorgekommenen Irrungen m angeblichen Codd., welche schon die Kritiker sehr vorfichtig machen müssen, dringen auch uns den Wunsch und die ergebenste Bitte ab. daß handschriftliche Werke, die nicht wiederholentlich und anerkannt in mehreren Händen, oder mindestens in „An unfern trefflichen Sohn und Schüler, den geehrten R. Joseph, Oberhaupt der Schule und Vertreter der Gemeinde (j}20 (der Herr erhalte ihn) Sohn Jehuda's s. A. „ .... Die Liebe derselben zu ihrem Vater ist wahrhaft, und wer diese bezweifeln wollte, würde ihr Unrecht thun. Was den Eben Gebar betrifft, so hat er uns mit Zuschriften belästigt, auch von uns einige Briefe in Händen. Wisse aber, daß ich durchaus entschlossen bin, so bescheiden als möglich zu bleiben, wenn es mir auch vor den Augen der Welt schadet. Wer fich durch Aufzeigung meiner Fehler groß machen will, und wäre es der unterste Schüler, darf meiner Vergebung gewiß sein.-Ich habe ihr schon mündlich gesagt, wenn fie fich dessen erinnert, daß wer in unsrer Zeit mit jedem so verfahren will, wie es seiner Handlungsweise gemäß ist, fich diese Eigenschaft besonders erwerben muß, denn leider sind die meisten Menschen falsch, und es hat ein jeder an seiner eigenen Vollkommenheit zu arbeiten, und alles Thörichten sich zu entschlagen.-Ohne Zweifel hast Du auch von den Streitigkeiten gehört, die zwischen uns und dem R. Juda Cohen b. Perachon, betreffend zwei Anftagen, dann wiederum mit seinem Sohne Segelmessa, und mit Abu Joseph s. A. über eine Gefangene, und ähnliche mehr, vvrgefallen sind, und die ich theils mündlich theils schriftlich bestanden habe. . . . " Kritische Studien. Vom Rabbiner Marco Mortara. 1. Die täglichen Gebete. (Schluß.) Die übrigen Segensprüche, z. B. über Speisen, über mS£ und yottf hatten nur ein wenig verschiedenes Schicksal. Da sie inbeß bestimmte Gegenstände betrafen, so hatten sie schon bei der ersten Amoraim und vielleicht schon bei den letzten Tanaim, allgemein stehende, von berühmten Lehrern herrührende Formeln, die ihre Schüler und Anhänger an> nahmen. Aber auch fie waren nicht geschrieben und nicht durchaus fixirt, sondern weil die Abänderlichkeit derselben minder wichtig erschien, bloß zugelassen. Von vielen finden wir Fragmente im Thalmud, in den Baraithoth und Midraschim, auch mit Anfangsworten erwähnt; aber wo von ihnen die Rede ist (Ber. 14. b. 38, 40/44, 48, 50, 57. b, 58. b. 59, 60. Meg. 21. b. Sanh. 42. Thaan 6. b. etc.) zeigt fich, daß fie gesetzlich und faktisch ftei waren, obwohl die übliche Formel deibchalten ward; nur einige Ausdrücke und Allusionen wurden allmählich von diesem oder jenem Lehrer für öffentlichen Bibliotheken fich befinden, erst legitimirt werden mögen, bevor auf historisches Vertrauen zu rechnen ist. Die bloße Derficherung auch des zuverlässigsten Gelehrten kann hierbei nicht genügen, sondern es muß die A echt heit durch übereinstimmende Urtheile, und wo möglich von innen heraus und zugleich durch eine traditionelle Geschichte der Handschrift constattrt sein. Wir glauben, daß die Kritik überall diese Forderung zu stellen berechtigt ist. D. R.

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