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Israelitische Annalen · 1840-07-03 · Heft 27 (3.7.1840) · p. Seite 231

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 27 (3.7.1840)
Date
1840-07-03
Page
Seite 231 (sequence 3)
Language
German
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231 vollendeten Emancipation, eine gewisse Abrundung gab, indem auch alle israelitischen Behörden dabei repräsentirt wurden, und somit jeder bürgerliche Unterschied wegen Bekenntnisses völlig aufgehoben war. — Wir kehren zu unsrer Riefferfeier zurück. Sie ward in einem edeln Geisse durchgeführt. Alle treffliche Leistungen der Neuzeit, namentlich der Fortschritte des Erziehungswesens, welche ein anderes Vorstandsmitglied, Hr. B. H. Gold schm idt, in's Licht stellte, derer der Künste, welche in einer gediegenen Rede Herr Dr. mocl. Schwarz schild auscinandersetzte, wurde auf erhebende Weise gedacht. Mehr summarische Erinnerungen traten hervor aus den wohlwollenden Reden des edeln evangelischen Pfarrers R. Haas, rühmlichst bekannt durch ein! Wcrkchen über Emancipation, ferner aus einer! vorgelesenen Zuschrift des zu Aller Bedauern wegen einer kleinen Unpäßlichkeit nicht erschienenen Oberlehrers der is. Bürger- und Realschule Dr. M. Heß; einigen angemessenen Betrachtungen des Herausgebers der Annalen, und noch vieler andern Redner, die ihren Gefühlen Worte liehen, unter denen sich die des würdigen Vorstehers der Gesellschaft zum Frftr. Adler, Herr Jul. Hamburger, durch Innigkeit und Wahrheit auszeichneten. Rührend war insbesondere Riesser's Antwort auf einen von Dr. Th. Creizenach den Frauen im dichterischen Schwünge Largebrachten Toast. Er sprach noch I dabei seinen lebhaften Dank aus, für eine reiche! und schöne Festgabe, bestehend aus einem kostbaren silbernen Schreibzeug, womit israelitische Frauen aus Frankfurt ihm an demselben Tage ihre lebhafte Theilnahme ebenfalls bezeugt hatten. Wiederholcntlich trank der gefeierte Redner die Gesundheit der anwesenden und vieler abwesenden Freunde aus einem herrlichen Pokal, der ihm im Jahre 1832 ebenfalls zu Frankfurt bei einem Festmahle verehrt worden war. i Die übrige Ausschmückung des Festes diente in jeder Beziehung dazu, den Eindruck durch liebliche Kunftleiftungen zu erhöhen und zu verstärken. Riesftr'sBildniß von der Hand des Professors Oppenheim, mit antiken Büsten (Sokrates und Demosthenes) zur Seite, mit hübschen Guirlanden umgeben, erfreuete das Auge schon in der Vorhalle. An der Tafel selbst, die für Auge und Gaumen gleich gut ausgeftattet, erscholl trefflicher Gesang heiterer und ernster Lieder, gedichtet von vr. I. Weil und dessen Sohne vr. H. Weil, so wie von Dr. Schwarzschild und Prof. Oppenheim, und sehr schön ausgeführt von mehreren musikalischen Gästen, zum Theil im heitern Chor begleitet. Auch die Armen wurden reichlich bedacht.' Bis nach Mitternacht blieb die Versammlung fröhlich und munter beisammen.— So sehr aber auch das Ganze und jedes Einzelne alle Anwesenden erfreute und zum Frohsinn erweckte, so ist die Gesammtftimmung, welche aus diesem Feste hervorging, mehr eine wahrhaft erbauliche zu nennen, wohlthuend für Geist und Gemüth, und der Nachhall derselben wird lange Zeit verspürt werden und niemals ganz verklingen. Dr. Riesser empfing schließlich zum Andenken an diese Feier ein schönes Album, mit sinnigen Inschriften von der Hand aller Anwesenden. Die Israeliten im Algierschen. (Archiven Isr. de France 5.) Ein israelitischer Arzt der afrikanischen Armee berichtet über die Sitten und Lebensart der algierischen Israeliten, und giebt eine düstere Schilderung von den dortigen Zuständen, sowohl in Betreff der äußern Verhältnisse als der Gesittung. Alle Entartung, welche eine Jahrhunderte hindurch aufrecht erhaltene schmachvolle Knechtschaft erzeugen konnte, findet sich hier beisammen; niedere Habsucht, Verschmitztheit, Abgestumpftheit gegen alles Bessere und Edlere. Statt die durch die Franzosen eingetretene Befreiung zu segnen, klagen sie über den Verfall des Handels und die zunehmende Armuth, und beseufzen die Beendigung des schmählichen Drucks, unter welchem sie bessere Geschäfte machen konnten. Diese Klage muß dem gebildeten Europäer um so bedauernswerther erscheinen, wenn man die schrecklichen Zustände kennt, in welchen sie bis zur Einnahme Algiers gelebt haben. Damals war zwischen ihnen und der übrigen Bevölkerung eine unermeßliche Kluft; Beschränkungen überall und eine Verachtung, die alles Maaß übersteigt. Ihre Kleider mußten einen bestimmten Schnitt und eine bestimmte Farbe haben; die rothe war ihnen ausdrücklich verboten; statt des Turbans durften sie nur eine schwarze seidene Binde tragen. Wenn einer vor einer Moschee vorbei kam, mußte er seine Pantoffel in die Hand nehmen und ge- 27*

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