Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 27 (3.7.1840)
- Date
- 1840-07-03
- Page
- Seite 230 (sequence 2)
- Language
- German
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230 die Empfindungen und Wünsche Aller so wahr und würdig zusammen zu fassen und in Worte zu kleiden versteht, des Mannes, welcher heut der Mittelpunkt aller Empfindungen und Wünsche sein sollte. Rühren- und eindrucksvoll nachwirkend war der Augengenblick des Empfanges, welchen wir zu beschreiben uns enthalten. Nachdem Herr vr.jur. Goldschmidt über den Zweck des Festes gesprochen und in einem Toast des hohen Senates würdig gedacht, hielt Herr vr. Weil eine kurze wohdurchdachte Anrede an die Versammlung, in welcher er sowohl die Verdienste Riessers um das allgemeine Beste, als auch seiner freundlichen und socialen Verhältnisse an hiesigem Orte in scharf gezeichneten Umrissen darftellte, und ein begeistertes Beifallrufen am Schlüsse seines Vortrags zeigte, daß er aus dem Herzen aller gesprochen hatte. — Riesser antwortete und steigerte die Begeisterung zu anhaltendem Jubel. Die Tafelfreuden gingen fast unter in den überströmenden Gefühlen, angeregt durch Erinnerungen, welche sich bald an die Feftesfeier ganz natürlich anknüpften. Herr M. Getz, Mitglied des hiesigen Gemeindevorstandes, stellte an die Seite des in unsrer Mitte gefeierten Rechtsgelehrten und Publiciften, seinen Berufscollegen Cremieux, welcher jetzt seinen bisher bereits großen Verdiensten durch eine seltene aufopfernde Hingebung in Verfechtung der Humanität gegen.die Barbarei, die Krone aufsetzt. Die schöne und sehr rührende Schilderung der hohen Verdienste Cremieuxs machte bereits einen lebhaften Eindruck, als der Redner noch hinzufügte, daß so eben eingegangenen Nachrichten zufolge Herr Cremieux mit Herrn von Montefiore aus London auf einer Reise nach Damast sich befinde! — Wahrlich auch unsre Zeit besitzt noch große Herzen! Ferdinand Hill er, welcher dem edeln Cremieux eine Zeitlang nahe gewesen war, beantwortete diese Rede, mit einer Gewandtheit und Eleganz, wie sie des trefflichen französischen Redners und zugleich des gefeierten Künstlers würdig ist. — Eben wollte man auch vr. Geiger' s, eines gebornen Frankfurters, gedenken, dessen Wahl und Anstellung in Breslau so vielfach öffentlich besprochen worden, dessen persönliche Leistungen in der Wissenschaft sowohl als auch die würdige und edle Haltung im Ausdrucke seiner religiösen Ansichten, ihm hier noch mehr als anderswo die höchste Achtung erworben, — als die Nachricht einlief, er selbst sei so eben in seiner Vaterstadt eingetroffen. Alsbald ward er durch mehrere deputirte Freunde eingeladen, am Festmahle Theil zu nehmen. Mittlerweile drückte Herr vr. Hochstädter aus Carlsruhe, Mitglied des dortigen israelitischen Oberraths und eigends zu dem Riesser-Feste hieher gekommen, im Namen der Badener Israeliten, um deren Verhälnisse Riesser besondere Verdienste hat, einen herzlichen Dank aus, an welchen sich die ähnlichen Aeußerungen des vr. Eller und des vr. Lade bürg aus Mannheim würdig anreiheten. — Auch von Stuttgard her ward mit einem schönen Geschenke die Anerkennung und Hochachtung der dortigen Freunde dargethan. — Jetzt erschien vr. Geiger, welchen wir seit zwei Jahren in unsrer Mitte vermißten, und welchem wir mit lebhafter Theilnahme nach Berlin und Breslau gefolgt waren. Herr vr. Creizenach war jetzt das Organ der Versammlung um den wackern Geistlichen mit dem vollen Ausdruck der Gedanken und Empfindungen, welche die ganze Gesellschaft durchdrangen, zu begrüßen. Er entledigte sich seines Auftrages mit der ganzen Gewalt seiner Beredsamkeit. Geiger antwortete in schönen und gehaltreichen, besonders aber in sehr treffenden und anregenden Worten, wie sie der Augenblick und die Gelegenheit eingab, und abermals erscholl lauter und allgemeiner Jubel. Es konnte nichts erwünschter sein, als die Anwesenheit Geigers bei dieser schönen Feier, da sie zugleich auf's Bündigste darthat, daß die Bestrebungen des intelligenten Theils der Israeliten keinesweges, wie so mancher insinuircn möchte, ganz und gar dem Religions - Jndifferentismus beizumessen sei oder angehöre, daß vielmehr die wärmste Theilnahme für die reine Rcligionserkcnntniß und für kirchliche Gemeinschaft, wie sie der Gegenwart Bedürfniß ernstlich erheischt, vorhanden sei. — Gleichzeitig hatten wir, nebenher bemerkt, die Freude, unscrn Geiger dem Festzuge der am 24. statt gehabten Sä'cularfeicr der Buchdruckerkunst in Ermangelung eines hiesigen isarelitischcn Geistlichen (denn der sehr hochbejahrte Rabbiner konnte nicht erscheinen) als Repräsentanten unsrer Geistlichkeit sich anschließen zu sehen, was denn der herrlichen Idee der Säcularfeicr, der ächten durch die Buchdruckcrei endlich besser als durch alle Gesetzgebung