Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 26 (26.6.1840)
- Date
- 1840-06-26
- Page
- Seite 227 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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227 Haarlem, 13. Mai. — Gestern war für die hiesige israelitische Gemeinde ein denkwürdiger Tag. Schon lange fehlte es an einer, dem Bedürfniß der Gemeinde entsprechenden Synagoge; doch endlich ist es gelungen, den ersten Stein zu einem neuen Kirchgebäude zu legen. Um 11 Uhr versammelten sich die Synagogen-Vorsteher, die Baucommission u. s. w. zum Empfang der H. Deputirten, Provinzial-Staaten und der Stadt-'Regierung. In einer kurzen Anrede wurde der Zweck dieser Feierlichkeit durch den Gemeinde- Lehrer B. I. Chits der ansehnlichen Versammlung vorgestellt. Hierauf wurde der erste Stein gelegt durch den präsidirenden Manhig, dem die übrigen Mitglieder folgten. Der Herr Bürgermeister 6. J. de Bruyn-Kops äußerte einen herzlichen Wunsch für das Wohlgelingen dieses Gott geweihten Werkes, und für das Wohlsein der Gemeinde; und der anwesende christliche Prediger vr. Manger ersiehte in rührenden Ausdrücken den Segen des Allgütigen zur Vollendung dieses Heiligthums, mit dem Wunsch, daß es Israel wvhlergehe, und daß es unter dem Schutze Gottes kräftig blühe! Tief bewegt kehrten hierauf die Anwesenden zurück nach einem auf dem Terrain aufgeschlagenen Zelt, wo einige Erfrischungen gereicht, und die Feierlichkeit durch den zweiten Manhig, nach vielen empfangenen Glückwünschen, mit einer Danksagung beschlossen wurde. Haag, 30. Mai. — Mittelst königl. Resolution ist die durch die Wahlversammlung in Leeuwarden am 7. April geschehene Wahl des Rabdinals-Aspiranten B. N. Dusnus, geboren im Haag, zum Ober-Rabbiner im Bezirk Frieslant, Standort Leeuwarden, unter der Bedingung, daß der Ernannte sich an die Verordnungen, welche für die israelitischlN Kirchengemeinden im Reiche bestehen, oder ferner festgesetzt werden möchten, stets zu halten habe, genehmigt worden. Literatur. rvca *»p-ie Pirke Aboth oder rabbmische Gnomologic aus dem Hebräischen übersetzt und mit einem deutschen Commentar versehen von I. Jakobson (in Mislowicz in Oberschlesien). Breslau 1810 (zu haben beim Vf. und in Comm. bei G. P. Aderholz in Breslau.) Diese Sammlung rabbinischer Lehrsätze einer praktischen Moral, nicht mit Unrecht Gnomologie genannt, ist schon sehr häufig übersetzt und commenlirt worden, letzteres jedoch meist in hebräischer oder rabbinischer Sprache. Die vorliegende neue Uebersetzung ist ans einer Benutzung dieser Sätze zu ethischen Lehrvorlrägen hervorgegangen. Der Verf. hat nämlich am Sabbathe dem Volke den Inhalt dieser durch das Gebetbuch', in welches sie als Ritual mit ausgenommen sind, allgemein bekannten Sätze entwickelt und daran erbauliche Betrachtungen geknüpft. Die Uebersetzung, die er gleichsam als Tert zu Grunde legte, und die commentirenden Anmerkungen sind also auch in dieser Ausgabe, welcher der Text beigegeben ist, minder eine Arbeit der philologischen Kritik, als vielmehr der homiletischen Uebungen, und sollen dem Lehrer den reichen Stoff erwas klarer darbieten, und dem Volke Gelegenheit geben, den Sinn der einzelnen Sprüche besser zu begreifen, und dessen Fülle zu ahnen. Und der Verf. hat in dieser Hinsicht viel geleistet. Wir haben den Text, dre Uebersetzung und den Commentar sorgfältig durchgesehen und müssen geradezu bekennen, daß eine tüchtige Sachkenntniß, selbstständige Forschung und Umsicht und praktischer Blick sich überall kund giebt. Der Text ist der gewöhnliche, und größtentheils correkt punktirt und revidirt. Die Uebersetzung, (sehr häufig von der unsrigen in dem Mischna-Werke ganz verschieden) rein und in gut gewähltem Ausdruck, bisweilen paraphrasirend, wie es der Zweck fordert, die Andeutungen des Cvmmentars sehr zweckmäßig und wohldurckdacht. — Des Verfassers Talent für Arbeiten auf diesem Gebiet bewährt sich so trefflich, daß wir nur wünschen, er möge in einer weit verbreiteten Anerkennung einigen Lohn für seine Mühe und Aufmunterung zu weitern gediegenen Leistungen finden! NEU pN pn rODO (Massecheth Derech Erez Sutta.) Eine Sammlung der reinsten und kernba (testen Sitten- und Anstandslehren der ältesten Rabbinen als ein würdiger Anhang zu den Sprüchen der Väter und als ein vortreffliches Sittenbüchlein für die israelitische Jugend. Herausgegebcn mit einer getreuen Uebersetzung und erläuternden Anmerkungen von I. Harburger, Nabbinats-Candidat. Bayreuth 1839. (Beim Herausgeber.) Wenn gleich wir nicht gerade mit dem Verf. ein für die Jugend unsrer Zeit geeignetes Sittenbücklein in dieser, weder geordneten noch vollständigen, Sammlung erkennen, so wollen wir doch nicht dieselbe der Ehre einer Uebersetzung für unwerth erklären. ES ist im Allgemeinen an der Zeit, die Denkmäler älterer Perioden denen, die in der Ursprache nicht bewandert genug, oder auch den Quellen selbst entfremdet find, durch Uebersetzung und Commenlirung näher zu legen, und so den oft verkannten Geist des Aitertdums in seiner ächten Gestalt für sich zeugen zn layen. Der Vf. hat die vorliegende Sammlung gut überietzt und zweckmäßige Anmerkungen, wie auch die Varianten hmzugefugt. Der denkende Leser wird Gelegenheit baden, über die eigenthümliche Färbung dieser Sittensprüche, deren Styl bereits einen gesunkenen Geschmack zeigt, manche lehrreiche Betrachtung anzustellen. Uedcr Entstehung dieser Sammlung giebt eine kurze Einleitung (nach Zunz) einige Auskunft; die Quellen einzelner Sprüche werden an ihrem Orte häufig nachgewiesen. — Wer das vorher angezeigte Schriftchen einiger Aufmerksamkeit würdigt, möge auch das letztere nicht unbeachtet lassen. Literarische Notizen. Herr vr. Hirschfeld giebt ein ausführliches Werk über halackische Exegese heraus, welches dald erscheinen wird. Bezüglich auf die Bemerkung des Herrn Heß, Annalen Nr. 20, dient zur Nachricht, daß die in Berlin jetzt erscheinende neue Ausgabe des von Saadja, die Rapaporlsche Biographie dieses Autors in deutscher Bearbeitung enthalten wird. In dem Levinsohnschen Werke rmrP rP2 findet sich folgende Bemerkung: R. Serach aus Torok war ohne Zweifel, wie sich aus einigen noch vorhandenen nachgelasse-