Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 26 (26.6.1840)
- Date
- 1840-06-26
- Page
- Seite 228 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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228 nett Schriften desselben ergiebt, ein Karäer, aber sein Lebenswandel war durchaus rabbanitisch, und eben so trieb er mit größtem Eifer thalmudische Studien und Kabbalah. Von ihm sind noch in der Bibliothek eines Gelehrten zu Willna viele kabbalistische Studien über Mose Korduero und Isaak Luria, auch Hymnen und Gebete, Comm. zumHohenliebe und den Psalmen; auch mehrere Autographen, ethischen Inhalts; ferner eine Uebersetzung der Aphorismen des Hippokrates, des 8len Abschn. von Galen, und andern Schriften. _ Vermischtes. Herr Moses Alkan, Gelehrter zu Metz, hat Ende April ein recht gut geschriebenes Gedicht, betitelt Daums, über die Vorfälle zu Damask, hcrausgegeben. Einige Proben davon liest man im Apnlbefte der Archives Israelites de France Nr. 4. Frau Baronin von Rothschild zu Paris ,das. Nr. 5) hat eine bedeutende Anzahl dieses Gedichtes, das zum Besten der Mädchen-Armenschule zu Metz verkauft wird, genommen und mit ihrer bekannten Freigevigkeit honorirt. — In Metz hatte der Grand - Rubbin auf Montag den 18. Mai einen Fasttag zur Trauer über die Märtyrer von Damask angeordnet. Statt des Fastens ward gestattet, Almosen zu spenden. — Ebendaselbst wird unterm Ist. Mai aus London gemeldet, daß reiche Israeliten aus England. Italien und dem Morgenlande im Begriffe sind, an verschiedenenen Orten Judäas Fabriken zu errichten, wo nur jüdische Arbeiter beschäftigt sein sollen. Die türkischen Rabbinen sind eifrig bemüht, junge Leute zum Eintritt in diese Fabriken aufzumunlern. Abwehr. (Cingcsandi.) Cassel, im Juni 1840. — Oer vom Dr. Julius Fürst zu Leipzig redigirte „Orient" hat in den Nummern 17 und 18 seine Spalten einem Artikel geöffnet, worin die Kultus-Angelegenheiten den hiesigen Gemeinden, so wie die Wirksamkeit des Lanbrabbinals auf eine so hämische und die Wahrheit entstellende Weise besprochen werden, daß sein Inhalt die-Indignation aller Wohldenkenden erregt hat. Wenn „der Israelit des litten Jahrhundert" es über sich gewinnen konnte, einen» Lenwierstauer Glauben zu schenken, dem mehr die Neigung zu»n Verkieinern achlungswerther Persönlichkeiten, als das Interesse für eine heilige allen seinen Glaubensgenossen wichtige Angelegenheit die Feder geführt u haben scheint; so hätte man von dem kritischen Scharfblick des gelehrten Herausgebers des Orient wohl erwarten dürfen, daß er diese vorherrschenden Tendenz jenes Berichts erkennen und, Falls er überhaupt die Reproduction desselben mit der Würde eines Blatts vereinbar fand, welches an seine Correspondenten die,Forderung stellt, einen „würdigen, gehaltvollen und eindringenden Ton zu wählen und den klatschenden Styl abzuiegcn" solchen nicht auf eine Weise zu bevorworten, die jene tadelnswürdige Form überbietet. Wenn von der Wirksamkeit des Landrabbinats bis jetzt noch nichts zur Publizität gelangte, so ist der Grund hiervon theils in eigenthümlichen durch unsere Landes-Verfassung herbeigeführten Verhältnissen, welche näher auseinander zu setzen hier nicht der Ort ist, dann aber auch wohl in einer vielleicht zu weit getriebenen Besorglichkeit des ersten Mitglieds jenes Collegium, des Landrabbinen Dr. Romann, zu suchen. Jene Besorglichkeit wird durch eine gewisse Scheu hervorgerufen, eine Aenderung selbst in unwesentlichen Ceremonien eintreten zu lassen, wenn ihr Bestehen durch das Alter geheiligt und durch ihre Abschaffung vielleicht manches, namentlich älteres Synagogen-Mitglied, in seinen religiösen Gefühlen verletzt werden könnte. Dieser Umstand ist jedoch Druck und Verlag von Johann David weit entfernt, die Achtung und Liebe zu alteriren, deren der Landrabbiner bei allen wohldenkenden Mitgliedern der Gemeinde sich zu erfreuen hat, selbst bei denen, deren Ansicht von der eben bezeickneten am meisten divergirt und unter deren Zahl auch Referent sich befindet. Auf mehrere Einzelnheiten jenes Artikels einzugehen, wenn z. B. sogar von der Brille des Landrabbinen die Rede ist und von der Art und Weife, wie er solche zu handhaben pflege (zufällig trug er gar keine), oder wenn dem Provinzial- Vorsteheramte die Absicht unterstellt wird, es habe nur beßwillen die Wahl eines Landrabbinen so lange verzögert, um „das Geld zu sparen oder lieber unter Nepvten zu vertheilen" kann dem Referenten wohl nicht zugemuthct werden und beinerkt derselbe lediglich, daß bas Vorsteheramt sich Glück wünschen darf so bedächtig zu Werke gegangen zu sein, und zwar aus zwiefachen Gründen; einmal weil es in der Person des jetzigen Landrabbinen eine sehr schützbare Aequisilion gemacht; dann aber auch weil bei rascherem Vorschreiten die Wahl leicht einen Candibaten hätte treffen können, dem zwar nicht die Gelehrsamkeit, wohl aber noch ein viel dringenderes Erforderniß fehlen dürfte: sittliche Wurde. Wenn die Anfangs August v. I. staltgefundenen Einweihung der neu erbauten Synagoge in dein Clnsender jenes Artikels nur eine sehr gemischte Empfindung Hervorbringen konnte; so wollen wir hierüber nicht mit ihm rechten. Daß die Einweihung ein sehr würdiger und erhabcndcr Act war, dafür können mehr denn tausend gegenwärtig gewesenen Personen, der verschiedensten Cvnfessionen und Stände, Zeugniß geben und sehr ehrenwerthe Stimmen haben sich damals in öffentlichen Blättern genügend hierüber ausgesprochen. In dem Gottesdienst sind sehr wesentliche Verbesserungen eingeführt worden. Zuerst müssen wir der Ordnung und Ruhe erwähnen, womit derselbe abgebalien wird. Jeder Unbefangene wirb hierin schon den wohltbätigen Einfluß erblicken, welchen der Landrabbine auf die Gemüther der Gemeinde ausüdt. Dieser Einfluß wirb durch die Vorträge erhöht, welche derselbe regelmäßig alle 14 Tage beim sabbathlichen Frühgottesdienst halt und welche sowohl durch ihren Inhalt als ihre Form ansprechen. Wenn der Landrabbine ferner die wichtigen Piecen der täglichen Liturgie mit dem wohllautenden Organe vorträgt, womit die Natur ihn begabt bat; so können wohl nur solche Gemüther kalt bleiben, die überhaupt einer religiösen Sammlung nicht fähig sind. Daß der allerdings schon früher beim iLeminargottesbienst emgcfuhrt gewesene Choral-Gesang jetzt mit ganz andern Mitteln epeculirl werden könne, ist leicht zu erachten; der Eifer, welchen der Landrabbine für die Ausbildung und Vervollkommnung desselben an den Tag legt, beweist zur Genüge, daß er auch das religiöse Bedürfmß derjenigen zu berücksichtigen wisse, denen die älteren Formen weniger Zusagen. Daß noch manchem Desiderium zu genügen bleibe, wer wollte dieicS in Abrede stellen? And) Referent und mit ihm viele Gleichgesinnte wünschen, daß aus der Liturgie alles dasjenige wegfallen möchte, was entweder überhaupt niemals in dieselbe hatte ausgenommen werben sollen, oder doch wenigstens, als auf unsere heutigen Zustände nicht mehr anwendbar, antiquirt werden müßte. Daß ferner ausgelöscht werden möchte Alles was an jenen pharisäischen Hvchmuth erinnert, der schon 2000 Jahren wahrhaft frommen Gemüthern ein Stein des Anstoßes war, und endlich hätten wohl alle Gemeindegliedrr, schon aus Liebe zum Herkömmlichen, gern auf die Vermehrung der Schophar-Töne amNeujahrstag verzichtet, selbst für den jFall, daß der 2^)12" 7V2 sich zu Gunsten derselben ausgesprochen hätte. Erwarten wir jedoch auch für die Zukunft das Beste von einem Manne, der mit ausgezeichnetem Talent, mit einem frommen Sinn und mit dem besten Willen zur Förderung alles desjenigen begabt ist, was er, als zum Heil der ihm anvertrauten Gemeinden dienend erkannt hat oder noch erkennen wird. — th — Saucrländer in Frankfurt am Main.