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Israelitische Annalen · 1840-06-26 · Heft 26 (26.6.1840) · p. Seite 226

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 26 (26.6.1840)
Date
1840-06-26
Page
Seite 226 (sequence 6)
Language
German
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226 Ueber die gänzliche Ginftellung des Opferdienstes nach der Zerstörung des zweiten Tempels. Don vr. M. CreLzenach. Es wird, wie es scheint, allgemein für eine unbezweifelte TTatsache gehalten, daß die jüdischen Bewohner von Palästina gleich nach der Zerstörung des zweiten Tempels den Opferdienst gänzlich eingestellt haben und sogar das Opfern ohne Tempel für sündhaft hielten. Gegen diese Annahme aber, welche stch durchaus nicht historisch Nachweisen laßt, streiten mehrere Stellen im Thalmud, von welchen der gelehrte Iaabez in seinem Gutachten 1,99 die zwei fol-! genden als die auffallendsten heraushebt: Sanhedrin 11 wird berichtet, daß R. Gamaliel durch ein Rundschreiben bekannt gemacht, man habe es für nölhig erachtet, einen Monat einzuschalten, weil die Lämmer noch zu zart seien; was voraussctzt, daß man noch das Pesachopfer brachte. Es ist hier übrigens nicht R. Gamaliel der Aeltere gemeint, welcher vor der Zerstörung des Tempels gelebt hat, denn der Thalmud vermuthet, dieses Rundschreiben sei zu einer Zeit erlassen worden, als man schon R. Gamaliel, wegen seines Benehmens gegen R. 2»sua, die Patriarchenwürde genommen hatte. Noch auffallender ist die Stelle Pesachim 74, wo R. Gamaliel seinem Sklaven Tabi befiehlt, ihm das Pesachopfer jj auf einem Rost zu braten, und hier ist wieder R. Gamaliel der Jüngere gemeint, welcher der Eigenthümer des im Thalmud oft erwähnten Sklaven Tabi war. Nicht minder schwierig ist die Erzählung Pesachim, nach welcher in der Zeit von R. Jehuda ben Bethera, der noch später als R. Gamaliel der Jüngere gelebt hat, das Pesachmal gehalten wurde, und es ist schwer anzunehmen, daß auch ein R. Jehuda ben Bethera vor der Zerstörung des Tempels gelebt habe, indem man ohnedieß annehmen muß. daß es nach der Zerstörung des Tempels zwei Schriftgelehrten gegeben, die R. Jehuda den Bethera hießen. Es ließe sich aus diesen und ähnlichen Berichten des Thalmubs mit Bestimmtheit schließen, daß wenigstens das Pesachmahl noch lange nach der Zerstörung des Tempels, vielleicht bis nach der unglücklichen Schilderhebung des Barcochebas regelmäßig gehalten wurde, wenn nicht die häufigen Namenverwechslungen, die im Thalmud verkommen, hinreichend zeigten, daß nicht selten die Worte und die Handlungen eines frühern Schriftgelehrten einem spätem beigelegt wurden. Merkwürdig ist es, daß nach einer Erzählung, die sich im (ältern) Buche Kaphthor uperach findet, noch im Jahr 1257 ein gewisser R. Chaim von Paris mit dem Plane umging, den Opferbrenst in Jerusalem theilweise wieder herzustellen. Nachrichten und Correspondenzen. Berlin, 30. Mai — Herr Dr. I. Auerbach hat über die traurigen Ereignisse im Morgenlanbe einen schönen Vortrag drucken lassen, dessen Inhalt einen so tröstlichen Eindruck machte, daß 30 jüdische Studirende sich bewogen fanden, ihm folgendes Dankschreiben zuzufertigen: Herrn Dr. Auerbach, Wohlg. in Berlin. Hochzuverehrender Herr.' Nachdem wir gestern Ihre neueste, durch den Druck veröffentlichte Predigt, „die jüngste Heimsuchung Israels im Morgenlanbe" überschrieben, gelesen, fühlen wir uns im Interesse aller unserer Glaubensbrüder so sehr von ben lebhaftesten und innigsten Dankgesühlen gegen Sie durch und durch beseelt, baß wir nicht umhin können. Ihnen wenigstens einen Theil derselben hiermit an ben Tag zu legen, in der Hoffnung, daß Sie, nach der gewiß Ihnen im höchsten Grade zu Theil gewordenen allgemeinsten Anerkennung, auch diese uns zum Bedürfnis gewordenen Worte unseres Dankes nicht verschmähen werden. Nicht aber ist bloß das Wort des Trostes, welches Sie für Zion gesprochen und für Jerusalem verkündet, bas Motiv unserer Dankbezeugung, sondern das klare, lebhafte und wahrhafte Bild jener Verfolgung, welches sie mit Recht in dem noch immer vorherrschenden Religionshasse begründet darstellen, ist die Veranlassung unserer Danksagung, denn auch wir können „um willen Ihrer begründeten Rechtfertigung Zions nicht schweigen, und um Ihres Jerusalem verkündeten Trostes nicht ruhig bleiben." — Ihre Worte der Wahrheit und des Friedens burchdringen, beleben und erleuchten wie wärmender Sonnenstrahl jedes Herz, erwecken in ihm die Keime des Mitgefühls und der Menschenliebe zum freudigen Dasein und frischen Leben, verscheuchen und zerstieben das düstere Gewölk des schmachvollen Vorurtheils, der Lüge und Verleumdung, welches so urplötzlich im Morgenlande über Juda und seinen Glauben sich zusammengezogen und als Ungewitter der entsetzlichsten Marter und der gräßlichsten Judenverfolgung auszubrechen begonnen hat. — Im Namen aller unserer Glaubensbrüber erstatten wir Ihnen hiermit den tiefgefühlten Dank und bekennen gern frei und unumwunden, daß es stets unser Stolz bleiben wirb. Sie als rüstigen Kämpfer für Wahrheit und Recht mit den heiligsten Waffen, den Worten Gottes, gegen die boshaften Feinde Religionshaß, Unduldsamkeit, nierdigen Eigennutz und schmähliche Selbstsucht gesehen zu haben. Wenn eines theilnehmenden Israeliten Herz sich tief betrübt, viele rüstige, kräftige Arme müßig, so bedeutungsvolle Stimmen verstummt zu gewahren, so weckt die rufende Stimme des treuen Wächters in tiefer Nacht bas Bewußtsein, daß Israel noch nicht verwaist sei, und möge sie zum Muster dienen allen treuen Bekennern und Anhängern des israel. Glaubens, daß gleich Ihnen, auch sie mit den Worten des heiligen Gesetzes als Panzer; mit der himmlischen Lehre als Schild und mit dem hohen Berufe Israels: Erkenntniß Gottes und allgemeine Menschenliebe zu verbreiten, als Waffe in ihrer Hand gegen alle ruchlosen Feinde siegreich ankämpfen! Möge endlich auch bald das Heil kommen über Israel, baß alle Völker erkennen, daß nur von Zion ausgeht die Lehre und das Gotteswort von Jerusalem! Dies der Wunsch Ihrer ergebenen und Sie verehrenden N. N. N. N. N. N. Im Namen einer größern Anzahl hiesiger jüdischer Studirender. Berlin, 22. Mai 1840.

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