Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 26 (26.6.1840)
- Date
- 1840-06-26
- Page
- Seite 222 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Arbeiten nach innen. Wie sehr er hierüber mit sich selbst im Reinen war und ist, sagt uns eine kleine Stelle aus dem ersten Heft seiner eben erschienenen „Jüdischen Briefe," welche wir als Beleg hierhersetzen : „Ich bin stets der Meinung gewesen, daß es zu jeder Zeit der edelste Theil unserer Aufgabe ist, die geistige und sittliche Bedeutung unseres Strcbens zu vollster Klarheit zu bringen und darin zu erhalten, und deshalb alle Verdrehungen und Verdächtigungen, durch die das Wesen jenes Strebens befleckt werden soll, mit aller Kraft zurückzuweisen. Für die Erringung bürgerlicher Rechte mag ein Zeitpunkt geeigneter, als der andere sein, und es kann leider nicht behauptet werden, daß die Strömung des Augenblicks — diesen im engsten Sinn genommen — ihr günstig wäre. Aber die Behauptung sittlicher Würde ist immer an der Tagesordnung; sie kennt keine Ungunst der Zeit; sie beruhet in uns selbst und erfordert nichts als die Stärke des Willens und des reinen Bewußtseins." Es giebt keinen schlagcndern Beweis für den großartigen Fortschritt der Gesittung unter den Juden, welche kaum ein Vierreljahrhundert zuvor noch unter der Stufe des Sklaven lagen, und in sich zusammengedrängt selbst bei einzelner günstiger Stellung selten sich offen zu einer sittlich-freien Lebensanschauung emporhcben durften, — als der lebhafte Anklang, welchen Riesser's Worte in den Herzen so vieler fanden, die alle Freiheit bisher nur nach dem Maße der bürgerlichen Beweglichkeit schätzten und höchstens froh waren, einzelne hindernde Schranken fallen zu sehen. Der Blick ward durch seine klare Schilderung der Verhältnisse und deren Wirkungen auf das Gemüth der Betheiligten, durch seine Auffassung aller Fragen von der rein sittlichen Seite, stets von außen wieder zurück nach innen gelenkt; jeder fand in sich ein würdiges Moment, seine edeln Bestrebungen wiederum mit rein sittlicher Kraft zu untcrftü tzen, und so hat er den ganzen denkenden Theil Israels, ohne alle Coterie, zu Freunden, die alle seine Gesinnung theilen und in so fern er gleichsam durch seine Geisteskraft sich angeregt fühlt, das in ihnen einmal erweckte Bewußtsein unumwunden darzustcllen, ihn verehren und ihm als einem Vertheidiger der Wahrheit und des Rechts Segen und glücklichen Erfolg wünschen. Diese Verehrung ist ihm zu wiederholten Malen und I stets von den achtbarsten Mitgliedern der Gemeinden seiner Vaterstadt sowohl, als auch anderer Gegenden Deutschlands, an den Tag gelegt worden. Niemand wird diesen dem Herzen wohlthuenden Ausdruck gemüthlicher Anerkennung unrichtig auslcgen; wer die Umstände näher in's Auge faßt, muß selbst bei! nicht einstimmendem Urtheile über die bisherigen! Leistungen, doch solche wahre Herzensergießungen der Zeit billigen und würdigen. Riesser hat mehrere Jahre in unserer Nähe oder besser in unserer Mitte verweilt, hat in unfern geselligen Vereinen nicht bloß als Mitglied rhätig mitgewirkt, sondern auch eine Persönlichkeit enthüllt , welche den Kreis seiner Geistesverwandten und Freunde wo möglich erweiterte, und — um seiner Bescheidenheit in keiner Art zu nahe zu treten, so wie überhaupt die Schicklichkeit im Lobe des Gegenwärtigen nicht außer Acht zu lassen — jedenfalls dargethan, wie sehr seine ganze Geiftesrichtung seinen moralischen Willen in allen Beziehungen verklärt. Und so konnte es nicht fehlen, daß eine innige und lebendige Theilnahme für ihn sich durchweg gleichartig ausspricht. — Seine nächste Bestimmung ruft ihn zur Uebernahme eines Notariats in seine Vaterstadt zurück, wo endlich die günstige Auslegung eines noch jungen Herkommens (siche Nr. 24 dieser Blätter, Corresponden; aus Hamburg) ihm einen berufs-! mäßigen Wirkungskreis überweist, und zugleich manche andere und allgemeinere legislative Aen-! derungen in Aussicht stellt. Die bevorstehende z Trennung mußte dem weiten Kreis der ihm dank-! bar zugethanen Freunde als eine angemessene Veranlassung erscheinen, abermals ihm ein Zeichen der allgemeinen Achtung und Liebe mitzugeben, und; zugleich wiederum darzuthun, wie lebendig das gcj schilderte Bewußtsein in den Gemächern wach sei,! und sich zu seiner Lcbensansicht und seinem treff-; lichen Streben freudig bekenne.! Eine bedeutende Anzahl der achtbarsten Jsrae-! liren Frankfurts beschlossen, ihm ein Festmahl zum Abschiede zu bereiten, welches auf den 21. Juni augeordnet worden. Die Idee fand die beifälligste Aufnahme, und es bildete sich eine Versammlung, wie solche aus der Mitte der Israeliten einer Stadt (welchen sich noch einige andere anwesende Freunde beigesellten), wohl noch niemals beisammen war. (Scklnß folgte