Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 25 (19.6.1840)
- Date
- 1840-06-19
- Page
- Seite 216 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3133765-3133820-3133846--0721-3134891- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
216 welcher jenen wackern Karaiten beseelt, mitten unter Tataren, wo sonst von Literatur kaum eine Spur zu finden sein mag. Herr Reggio hat dem Herrn Blumenfeld auf die vorgelegten Fragen folgendes geantwortet: 1) Bevor die Frage erledigt werden kann, hätte angegeben werden müssen, ob in den aufgefundenen Zeichen dasselbe System sich ergiebt, das in den jetzt üblichen Zeichen herrscht, oder ob ein anderes darin waltet, also ob sie nur in der Form oder auch ihren Gesetzen und ihrer Bedeutung verschieden seien. Muthmaßlich sind sie nur in der Form verschieden, und wenn dem so ist, so darf man sich über das Stillschweigen der Grammatiker nicht wundern, da am Ende die neuern Zeichen doch nichts in der Sache geändert haben; denn wenn diese wie die früher« gleichmäßig verbinden und trennen und den Sinn ordnen, so liegt nichts daran, welche Gestalt die Unterscheidungszeichen haben. Die Veränderung mag sich eben so zugetragen haben, wie die Gesangsweise sich geändert hat, denn der Deutsche recitirt das Hebräische anders als der Italiener, der Spanier und der Morgenländer. Da mag denn jemand die Verschiedenheit durch Zeichen haben ausdrücken wollen, und deßhalb andere gewählt haben. *) 2) Der Name der Chosaren mag sich wohl leicht unter den Juden verloren haben, nachdem deren Reich in einem Zeiträume von 2—300 Jahren gänzlich verfallen ist, und nach und nach alle zu einer andern Religion übergingen. Auch haben ja die Slaven endlich das ganze Land überschwemmt und selbst im Lande der Chosaren ist dieser Name verschwunden. 3) Isaak Sangari mag in Geschäften nach der Krimm gekommen, und da gestorben sein. Es ist darin nichts Unbegreifliches, auch aus diesem Umstande nicht zu schließen, daß er auf der Krimm gewohnt habe. — *) Wir möchten dem Herrn Reggio hierin nicht beipflichten. Uns scheint die Figur der Zeichen für die Geschichte des SchristthumS nicht gleichgültig, selbst wenn das System dasselbe ist, und die angegebene Cvnjectur dürfte schwerlich eine solche Aenderung erklären, die ja eine allgemeinere Austtahme solcher Neuerung voraussetzt. D. H. Kritische Studie«. Dom Rabbiner Marco Mortara. 1. Die täglichen Gebcre. (Fortsetzung.) Mehrere Jahrhunderte hindurch hatte die Gamlielsche Institution keine weitere Folge, als daß die Punkte, um welche sich das Gebet drehen sollte, sich feststellten, was in so fern seinen Nutzen hatte, als nunmehr die Gebete der Einzelnen und der Gemeinde nicht eiteln oder unrichtigen Inhalt bekamen, und daß sich die schöne und sehr durchdachte Reihenfolge der 18 Segensprüche, welche unser eigentliches Gebet ausmachen, bleibend erhielt. Uebrigens aber haben weder die Mehrheit der Gelehrten noch die Dorbeter die Gamliel'sche Formel angenommen, sie blieb ihnen nur als Muster. In der Thal weist der Thalmud nichts von einer stehenden und geheiligten Formel, nicht einmal ein Bruchstück einer solchen auf, er redet nur von dem Inhalte der Gebete und deren Theilen. (Was bas r^Dra betrifft, Berach. 33. b., wo von bestimmten Wörtern die Rebe ist, so siehe dort den Commentar.) Die Segensformeln also, welche wir jetzt haben, sind allerdings der Fassung nach, allen altern ähnlich (indem nach dem ersten Spruch alle nur am Schluß das -p-Q haben) und dem Inhalte nach, der sich am Schluß besonders ausdrückt, mit Ausnahme des XVI, den ältern analog, die zur Zeit Jerusalems und des Tempels und der Nationaleinheit üblich waren; nur ist der Unterschied darin, daß die Formeln jetzt stehend sind, während sie es damals nicht waren, indem man den Inhalt nach dem Bedürfnisse der Zeiten einricktele, und nur eine Analogie mit den altern beidehaltend, sie immer nach dem Zustande der Nation modisicirt und ihm angepaßt wurden. Erst allmählich haben die Gelehrten, wie wir gej sehen, durch die besagten Gründe bewogen, von ihrem Widerstreben gegen das Feststellen der Formeln Nachgelassen, I sich den Ansichten der beiden Gamliel gefügt, und stehende > Formeln stillschweigend zugelassen, anfangs so, baß jeder solche , für seinen Kreis abfaßte, nachmals aber durch Annahme der-! jenigen, die einen großen Gelehrten zum Verfasser hatte.— | Dessenungeachtet waren mehrere Menschenalter hindurch diese Formeln wiederum der Kritik unterworfen, und ward über j sie gestritten Auch wurden sie immer nur mündlich überj liefert, und erst gleichzeitig mit der Abfassung des Thalmuds! schriftlich verbreitet, d. h. zur Zeit der letzten Seburaim und j der ersten Geonim. Dies war den ältesten Poskrm wohlbe- I kannt, daher sie oft über die zweckmäßigste Formel streiten, j und auf den Thalmud alsdann zurückgehen, um Belege zu I finden, was sie sicherlich nicht gethän hätten, wenn sie schrift- > liche und urkundliche Formulare, von den Thalmudisten her überliefert, besessen hätten (R. Ascher ad Rösch, hasch. Ende.) Die Beweise, daß die Lehrer der Mischna und des Thalmuds die stehende Formel des ältern Gamliel und den Gesetzvorschlag des jüngcrn gar nicht beachteten, und keine feste Formel des Gebetes niederschrieben, und daß die Gebete bis zum Schluß des Thalmüds keine bestimmte Fassung hatten, sind folgende: 1) Die verschiedenen Ansichten für längeres und kürzeres Gebet (Bcr. 23. b. 54. b. 61) besonders bas verschiedene Verfahren der Schüler des R. Eleasar, welche vor der Gemeinde beteten, an denen er sowohl das längere als das kürzere Vorbeten untadelig findet, indem beides sich durch Moses Beispiel rechtfertigt. Diese Billigung konnte mcht eintreten, wenn nicht Freiheit obwaltete. 2) R. Gamliel selbst sagt, jeder Einzelne möge sein Gebet erst beenden, ehe der Vorbeter laut für die Gemeinde bete, damit dieser Zeit gewinne, das Gebet erst im Geiste abzufassen (R. hasch. 34. b.) Dies letztere wird von R. Akiba jedermann zur Pflicht gemacht: (das. 35.) ic. Eine andere Verordnung befiehlt, den Vorbeter zu wechseln, wenn der Dienst-