Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 25 (19.6.1840)
- Date
- 1840-06-19
- Page
- Seite 215 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Nossen 1× ep/1045325
- Odesa 1× ep/1000834
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215 Anfgefuir-erre Spuren zur karaitifichen Geschichte. Mitgetheilt von I. Reggio. 1. Schreiben des Karaiten Salomo Baum aus der Krimm an Herrn I. Blumenfeld in Odessa. (Schluß.) Auf diese Nachsuchungen hatten wir drei Wochen verwendet, und nunmehr vorläufig mit dem Aufgefundenen uns begnügend, schieden wir von einander. Herr Firkowitsch kehrre nach Odessa (?Ewpatoria?) zurück, nachdem wir uns vorgenommen hatten, diese Neuigkeiten zum Nutzen der Wissenschaft bekannt zu machen. Allein Herr F. schreibt mir inzwischen, er sei nicht unmittelbar nach seiner Heimath zurückgegangen, sondern habe zuvor nochmals Baktscheserai besucht, um alte Grabsteine auf dem dortigen Friedhofe zu besichtigen, indem aus der Sitte, Namen und Sterbezeir auf die Steine zu setzen, manches historische Datum sich entwickeln lassen dürfte (nur sind die alten Inschriften oft nicht mehr lesbar, auch die Steine tief eingesunken, und schwer herauszuziehen.) Da hat er denn zwei sehr alte und merkwürdige Grabsteine entdeckt. Die eine trägt die Inschrift ab naao pnsf (welches er zugleich nach dem Zusatze ab für die Angabe des Jahres hält, nämlich 4,527;*) denn die Karaiten verweben oft die Einheiten der Jahrtausende in die Gesammtzahl der Buchstaben); Die andere trägt den Namen R. D a n i e l S. d. E l k a n a aus Fez im Reiche Marokko, welcher nach Tschufutkalä gekommen und dorr zum Vorsänger angesetzt worden; gestorben im I. rptso D. i. 4658. — Nunmehr hat Herr Firkowitsch noch eine Reise nach Solchat vor, einem jetzt verwüsteten Orte, wo der alten Sage zufolge vor 300 Jahren eine bedeutende Karaiten - Gemeinde war, um auch dort die alten Grabsteine zu besichtigen und vielleicht welche zu finden, die noch höher hinaufreichen; wer weiß, ob nicht hiedurch die Zeit unseres Aufenthal- *) Im Text steht 427 im vierten Jahrtausend. Herr Reygio bemerkt in seiner Antwort richtig, daß das fünfte gemeint sei. Es ist wohl nur ein Schreibfehler, denn die Rechnung giebt 4,527. — Auch die Zahl 1015 findet er nach der gegebenen Inschrift unrichtig; denn 1228 sers coutr. giebt nur ein Alter von 924 Jahren. D. H. tts auf der Krimm und manche andere uns unbekannte geschichtliche Thatsache ermittelt wird: In Erwartung weiterer Aufschlüsse kann ich doch nicht manche Bedenklichkeit unterdrücken, welche die bisher gefundenen Merkwürdigkeiten in mir erregt haben, so daß ich noch immer schwanke, und insbesondere folgende Fragen nicht recht zu erledigen weiß. 1) Wie kommt's, daß kein früherer und späterer Grammatiker das Vorhandensein anderer Punktir- und Accentzcichen erwähnt, und alle nur von den Figuren sprechen, die jetzt allgemein gelten. Wollte man auch sagen, daß diese Zeichen von jeher in der Krimm üblich waren, warum geben denn unsere Vorfahren aus der Krimm selbst darüber keine Nachricht, und warum spricht kein dort geschriebenes Werk, zum B. Mibchar von unserm Lehrer Ahron dem Ersten, davon? — 2) Wir wissen aus der Sage, daß die Chosaren in der Krimm das Judenthum angenommen haben; so steht auch auf den Gesetzrollen zu K a r asow, denn eine derselben ist in Der Cho sari schen Gemeinde *) zu Solchat geschrieben und der Karaitengemeinde zum Heiligthum geschenkt worden. Wie kommt es nun, daß von diesem Volke keine Spur mehr da ist, und wir gar nicht wissen, was aus den Chosaren geworden ist? Wie mag es gekommen sein, daß der Gelehrte Isaak Sangari, welcher mit dem Chosarenkönige disputirt hat, und den alle unsre thalmudischen Brüder für ihren Ge» nossen anerkennen, in unsrer Gemeinde zu Tschufutkalä gestorben ist? Denn hier wohnten, allen Nachrichten zufolge, von jeher nur Karaiten, so daß man nicht annehmen kann, damals sei noch keine Spaltung gewesen. Nunmehr ersuche ich dich, werther Freund, alle diese Nachrichten und Fragen ausführlich dem gelehrten und sachkundigen Herrn Reggio milzutheilen, ihn von mir freundlichft zu grüßen, und ihn um seine Ansicht über alle diese Dinge zu ersuchen, denn ich selbst tappe noch umher, und weiß mir die mancherlei Seltsamkeiten nicht zu erklären rc. Diesen Brief hat Herr Blumcnfeld in Abschrift dem Herrn Reggio mitgetheilt. Er ist gewiß ein vortrefflicher Beweis von dem Forschergeist, *) Dabei steht noch niDD ^np/ welches ich nicht zu entziffern weiß. D. H. 25*