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Israelitische Annalen · 1840-06-05 · Heft 23 (5.6.1840) · p. Seite 201

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 23 (5.6.1840)
Date
1840-06-05
Page
Seite 201 (sequence 5)
Language
German
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201 Medaille erhielt, war bei mir mein Freund Herr Marchal de Rinonville, Mitgl. der königl. Akademie zu Brüssel, welcher mich dringend ersuchte, ihm auf den nächsten Tag, an welchem die Akademie ihre monatliche Versammlung hielt, eine Abhandlung über diese Medaille zu geben, und ich wollte ihm diese Gefälligkeit nicht versagen. Freilich übereilte ich mich dabei; denn so wie meine Worte gedruckt waren, sah ich wohl, daß wenn gleich in der Hauptsache meine' Hypothese mir noch richtig erschien, im Einzelnen manches einzuwenden sein dürfte. So fand ich auch wenige Tage nach dem Erscheinen meines Aufsatzes *) einige Gegenbemerkung von Seiten des Herrn Professor Bekker, eines ausgezeichneten Alterthumsforschers und Orientalisten in Lüttich: Er sagt: „Die Art wie Herr §. die Medaille Ludwigs des Frommen erklärt, um sie mit dem im Aufsatze erwähnten Ereigniß in Verbindung zu dringen, ist gewiß sehr sinnreich. Beim ersten Blick auf die Legende sieht jeder. daß de Boissi und Menestrier mehr den Sinn errathen als begriffen haben. Ihre Uebertragung jeder Zeile beweist dies, so wie sie offenbar die Consonanten nicht erkannt haben, auch im Zusammenlesen der Zeilen einem falschen Systeme folgen. De Boissi's Uebersetzung ist nicht so umschreibend wie die des M., aber sie leidet an Auslassungen, Mißgriffen und auffallender Ungenauigkeit. — Die Legende scheint für die Geschichte und für die hebr. Literatur des Mittelalters Interessantes barzubieten, doch dürfte es, da wie bei allen Inschriften keine Vokale angedeutet sind, schwer halten, über den Inhalt etwas Gewisses zu sagen, ohne in Willkührliches zu gerathen. Dies möchte am Klarsten aus der Art, wie der Vf. des Memoire die 4te und 7te! Zeile liest: Raeder liazzourah &c. Rome haschscliir;; reschoumim, übersetzend: J’ai vu cette figure pcrissable ji et Rome lui legua une part de sa gloire, hervorgehen. >! „Es wäre zum Nutzen der Wissenschaft wünsckenswerth, |j daß Herr C. zu seinem Aufsatze eine ausführlichere Cr-;; klärung gebe, sei es als Commentar, sei es um den Teil!| zu punktiren und die wörtlichen und möglichst verschiede-!' nen Bedeutungen der Worte anzugcben. Da er selbst! sagt, daß die Legende durch ihre Geschmacklosigkeit die j Barbarei ihres Jahrhunderts verrathe, so wäre es gut, j den in die Worte und das Ganze gelegten Sinn, besonders > wo sie vom Sprachgebrauchs abweichen, strenger nachzuj weisen, und wo möglich dilrch Stellen anderer Denkmäler | aus jener Zeit, aufzuklären. Dadurch würde Herr E. seine Hypothese auch denen wahrscheinlicher machen, die i nicht so sehr wie er in der Hebr. Sprache und Literatur bewandert sind. „Auch der berühmte Sylv. de Sacy deutete mir das an, indem er mir schrieb: „Ihr Memoire hat, meines Erachtens, den einen Fehler, baß es zu kurz ist. Die Hypothese ist sinnreich, die Erläuterung wahr (plein de vcrite), obwohl ich in dieser Uebertragung den wortgetreuen Ueber-! setzer des Tachkemoni nicht wieder erkenne! (Letztere Ueber-! setzung ist nicht im Druck erschienen.)! Hieraus ergiebt sich nun, daß beide Gelehrte in der Hauptj sache beipflichten. Auch Herr Gerson Levy (Rapport fait ä l’acad. Roy. de Metz 1836. p. 4) sagt, nach manchen Einwendungen gegen meine Legende, und nach Anziehung der Ansichten meiner Vorgänger: „Herr Carmoly, wel-! cher in der jüdischen Geschichte seltne Kenntnisse besitzt, giebt j eine neue Erklärung dieser Medaille, welche sich auf historische Thatsachen stützt. Allein selbst wenn ich diese Erläuterung annehme, kann ich doch seine Ansicht über den Sinn der hebräischen Umschrift nicht theilen re." In der That zeigt die Medaille bas Bild Ludwigs des Frommen, wie auf allen andern Münzen dieses Kaisers; rund herum sind biblische Inschriften in latemsscher Sprache (Hiob XVII. 12 nach der Vulgata), welche ein'die Finsterniß aufhellendes Lickt verkünden; was sich wohl eig-^, nete, einen Kaiser zu preisen, welcher die Israeliten gegen *) Er erschien am 28. Jan. 1835; die Kritik ist vom?ten Febr. im Bulletin de l’acad. Roy. de Sciences et B. L. 1835. Nr. 2. einen Feind, der sie beständig mit grundlosen Anklagen verfolgte, in Schutz nahm. Be, einer zweiten Ausgabe werbe ich dies genauer erörtern. Hier will ich nur meinem Gegner anworten. Wer ein so dunkeles Altertbumsstück, wie diese Münze, erklären will, muß alle Einzelheiten näher in's Auge fassen, Aussehen, Gestalt, Sprachstyl, Arbeit rc., um herauszubrmgen. auf wen und was, wo und wann sie verfertigt worben. Als ich nun die erwähnte große nud seltsam gestaltete Münze erhielt, mit Inschrift in verschiedenen Sprachen, Hebräisch, Griechisch und Latein darauf, verj muthete ich, es fei nicht die Arbeit eines Privaten, und! am wenigsten die eines Juden, wovon sonst kein Beispiel;! woher auch die verschiedenen Sprachen? und wozu solcher i Aufwand von Mühen? Wie denn auch zwei Vorgänger sckon die Ansicht aussprachen, daß ein Jude in Lyon sie zu Ehren des Kaisers Ludwig d. Fr. gemacht habe, weil dessen Bildniß darauf zu sein scheint und weil die Medaille an einem Orte in Lyon gefunden worben, wo früher eine Synagoge stand; — doch nicht, wie sie sagen, weil der Kaiser zum Bau einer Synagoge die Erlaubniß ertheilt habe, denn davon sindet sich keine Spur, sondern in Bezug auf daS Benehmen des Bischofs von Lyon gegen die Juden, welches aus der Geschichte bekannt ist. Da ich nun deutlich lese p pv;2 so sagte ich, daß dies v i el l e i ch t der Name des Bestellers sei, vielleicht ein Gemeindevorsteher, dessen .College» vielleicht durch die andern Buchstaben mitbezeichnet seien. Allerdings ließen sich diese Buchstaben auch anders deuten, sogar kabbalistisch, als Wort-Anfänge oder Schlußlaute, Zahlenbuchstaben u. dgl. Solcher Spielerei bin ich aber nicht zugethan, wie denn schon Arje Juda de Modena (Ari Nohem X.) darüber klagt; denn da ist der Willkübr Thür und Thor geöffnet, und aller Unsinn in der Welt läßt sich auf solche Weise ausmitteln, wie die Kabbalisten Beispiele genug darbieten. Jndeß hat jeder seine Weise; was den einen anwidert, liebt der Andre. Herr I)r. Z. findet vorzügliches Behagen an Buchstabenzahlen, und deren Entzifferung gelingt ihm, denn er schaltet damit nach Belieben. Einer solchen Methode verdanken wir die Kunde, daß die nHÖ Es von R. Nathan lauter Rechnungen über Halachot et Agadoth *) enthalten! auf diese Weise erfuhren wir, daß Clieser der Kaliri ein Sohn des R. Jakob war**), und endlich ergiebt sich auf diese *) Gottesd. Vortr. XXI. (?). Was dies Werk eigentlich enthält, hatte ich schon längst nach M. Comtino's handschrifkl. Commentar zum "HD1 lmir angemerkt; spater als mein Freund D. A. mir meldete, daß in der Prager Ausgabe des e'i zwei Gelehrte genannt werden, welche über das nriS ES befragt, keine Auskunft geben konnten, schrieb ich demselben einen Auszug davon, und dadurch hat wahrscheinlich auch Herr vr. Jul. Fürst es erfahren, um darüber Auskunft zu geben; denn direkt habe rck es ihm nicht mttgetheilr. C. So viel Conjektur ist nicht nöthig. Der Unterzeichnete hat diese wichtige Bemerkung im Namen des Hrn. vr. Carmoly dem Hrn. Dr. Creizenach zur Mittheüung in seiner neuen Ausgabe Hs xsiQ toi übergeben, und daraus war sie leicht za entnehmen. D. H. **) Das. Dies Verfahren bat rrs^n "D 19. 3. genugsam widerlegt, indem er zeigt, was alles auf die Art gemacht werden kann, da so wie der Name des Kaliri, auf dieselbe Art der Verfasser allenfalls 1^-122 plS TEpNH sein konnte, die als Ziffern eben so viel betragen. Schade, daß Herr vr. Z. sich mit solchen Kleinigkeiten abgiedt, statt die rabbinischen Werke durchzustudiren, wo sich das Meiste seiner Theorien schon vorfindet. So z. B. hat Joseph Steinhardt, Rabb. in Fürth, gest. 22. Ab 536 (1116) in s. ppyi p-Qj 5.13 über den Kaliri und seine Dichtungen vieles nachgewiesen. Ich habe, in meinen »bxyß'1 nnbin f. Forschungen noch ergänzt aus Rosch, RGA. 30 k. 52. 2. ed. Yen. 302. C.

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