Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 23 (5.6.1840)
- Date
- 1840-06-05
- Page
- Seite 200 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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200 alle wissenschaftliche Erkenntniß zu eifern und das Volk in der dichtesten Finsterniß zu erhalten. — Unter solchen Hemmungen im. Innern können die Bessergeslnnten nicht auftreren, um feindliches Ansinnen abzuwehren, während sie mit Kummer es sehen, wie im Innern noch so vieles zu thun ist. So müssen sie manche Schmähung von Seiten derer, die durchaus unsere Gebräuche mißkennen, erdulden. Die Regierung hat nun schon seit mehrern Jahren diesem Unwesen der Chasidim zu steuern gesucht, und fährt fort mit strenger Aufsicht dem Mißbraucheentgegen zu arbeiten. Sie wird allmählich in den jüdischen Unterthanen selbst die kräftigste Unterstützung hierin finden; aber dazu gehört Zeit, so sehr ist das Nebel eingewurzelt. Wie es mit gemeinnützigen Kenntnissen aussieht, kann man leicht aus dem Gesagten entnehmen. So lange die Voks sch ulen fehlen, ist wenig zu hoffen. Die oberflächliche Bildung, welche Einzelne sich durch zufällige Berührung mit der Welt verschaffen, will nicht viel sagen, und ist oft der ächten Bildung hinderlich. Trotz dieser großen und vielfältigen Uebclstände finden wir doch bereits erfreuliche Einzelheiten. Ganze Provinzen haben schon früher einen bessern Geist bewährt, und nehmen jetzt einen herrlichen Aufschwung. Hierin geht besonders L i t h a u e n mit trefflichem Beispiele voran, sowohl durch Tüchtigkeit der Kenntnisse als durch ein ernstes Streben, den weisen Absichten der erlauchten Regierung zu entsprechen. (Wir brechen hier ab, da wir über die Leistungen dieser Provinz bereits ausführlich berichtet haben. S. Nr. 4 ff.) Hier eröffnet sich ein weites Gebiet für die Humanität, und es ist fast mit Sicherheit vorauszusagcn, daß 50 Jahre später die ganze jüdische Bevölkerung in Rußland eine durchaus andere Gestalt haben werde. Denn die jungen Leute, welche mit unendlichen Schwierigkeiten kämpfend, auf Schulen und Universitäten sich ausbilden, werden das Licht in die dunkeln Gemeinden ihrer Heimath bringen, und von einer weisen und humanen Regierung ermuntert, von innen heraus dem Leben und Streben eine Richtung geben, welche die europäische Civilisation bedingt, und so eine zahlreiche Bevölkerung glücklicher machen und mit der Außenwelt, in Uebereinstimmung bringen. — Replik *) auf des Hrn. Dr. Zunz Angriff in den Annalen Rr. f7. 18. Von Dr. Carmoly. Brüssel, 20, Mai 1840. Seit längerer Zeit wird mir von Berlin her Krieg angekündigt. Herr Buchhändler A.... **) hat es hieher geschrieben, und ein Reisender, Herr A....N, in seinem -Namen mündlich hiesigen Ortes posaunt, daß gegen mich ein großer Kämpfer mit ehernem Helm und eherner Rüstung ausziehen werde, ein zweiter Goliath. Während ich mich noch gegen den furchtbaren Helden waffne, erscheinen die Annalen Nr. 17. 18. Da konnte ich mich des Lächelns nicht erwehren: Mir welchem Ungeheuern Sturm und Erdbeben hat der Berg gekreiset, um eine Maus zu gebähren! Nur das that mir wirklich leid, daß ein Mann, wie Herr Dr. Zunz sich dazu hergiedt, fremde Streitigkeiten auszufechten; denn daß dies sein Ziel und Endzweck ist, sieht jeder beim ersten Blick? Kam es ihm nur darauf an, meine Erklärung der Medaille zu widerlegen, so bedurfte es ja nicht des Spottens und Höhnens, noch wiel weniger war es nölhig, die Propheten aus ihrem Schlummer zu beschwören. Wenige Worte genügten: „Herr Carmoly hat jene Münze so erklärt, das finde ich unrichtig aus folgenden Gründen; hier ist eine bessere, passendere, richtigere, der Wahrheit entsprechendere rc. Erklärung!" oder wie es ihm sonst beliebte. Es geschieht tagtäglich, baß ein Schriftsteller etwas erklärt und ein anderer ihn widerlegt; das geschah auch bei unfern Altvordern und allen großen Gelehrten, Thanaim, Anoraim, Seduraim, Geonim, Rabbanim, und allen Nachfolgern, dieser baut und jener reißt es wieder ein, dieser findet Schwierigkeiten, jener loset sie auf. Wäre es bei ihnen Sitte gewesen, einander jedesmal Svttisen zu sagen, so wäre nicht Papier genug da, um alle ihre Streitigkeiten aufzuzeicknen. Allein sie beobachteten durchweg die Mäßigung ächker Weisen, hielten sich an die Sache, und mieden Zank und Gehässigkeit, wie dies in der Tosiphta (Jedamoth 1.) selbst von den Schulen Sammai und Hillel heißt, daß sie, obwohl als Gelehrte in Zwiespalt, doch mit einander in Eintracht umgingen. Auch ich bade mir es zur Pflicht gemacht, ihnen hierin nachzuahmen, und werde auf die verletzenden Angriffe des Herrn Dr. Zunz mit Ruhe antworten. Die Wahrheit braucht solcher Waffen nicht. Vor allem bemerke ich, daß die von meinem Gegner für seine Pfeile zur Zielscheibe genommene Abhandlung das Werk eines Tages war. Als ich nämlich durch Zufall jene *) Wir haben, wie die Gerechtigkeit es fordert, auch dieser Antwort ihre Stelle in den Annalen eingeräumt. Damit aber halten wir diesen Gegenstand für erledigt, und werben insbesondere über die daneben berührten Privatsachen, die durchaus nicht in den Bereich der Annalen gehören, nichts weiter aufnehmen. In wissenschafllichen Miitheilungen wäre überbauet die Fernhaltung aller Privatverhältnisse wünschenswerlh. D. H. **) Mit diesem Manne stehe ich in keiner Beziehung, suche diese auch nicht. Seine Briefe hatte ich, obwohl die Anfragen darin ganz zwecklos waren. der Artigkeit gemäß beantwortet. Darauf griff er mich in einer Zeitung feindselig an; ich habe der Redaktion gebührend geschrieben, aber sie hat nur die Nebensache wieder gegeben, und die Hauptsache ausgelassen. — Der Grund jenes Angriffs von Seiten eines mir ganz unbekannten Mannes liogt darin: Er hatte von mir über Benjamin -M.n Tudela durchaus nur oberflächliche Dinge wissen Msten/ Z. B. ob ick die frühern Uebersetzer der Reisen sssehörig gezüchtigt hätte? re. Da ich in seinem Verlan- .D, gen nur eine Buchhandlerspekulation erblickte, wo es mehr darauf ankommt, den Prospectus mit Namen zu bereichern, als neue Forschungen mitzulheilen, so habe ich meine Untersuchungen, die ich seit zehn Jahren über diese berühmte Reisebeschreibung anstelle, nicht dazu herleihen wollen. C.