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Israelitische Annalen · 1840-06-05 · Heft 23 (5.6.1840) · p. Seite 198

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 23 (5.6.1840)
Date
1840-06-05
Page
Seite 198 (sequence 2)
Language
German
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198 vielseitig er sich bemühete und wie unermüdlich er dahin arbeitete, seine Schüler auf den rechten Weg zu bringen, und nach den Anweisungen des Herrn Bobowitsch zweckmäßige Anordnungen zu treffen. Dieser Mann hat auf den Wunsch des Oberhaupts in Folge einer Anfrage von Seiten des Herrn Gouverneurs des Krimm'schen Bezirks, sich fleißig nach Quellen umgesehen, um mit einiger Zuverlässigkeit zu ermitteln, wann die Karaiten nach der Krimm gekommen seien, so wie auch was sich in frühem Zeiten mit ihnen zugetragen habe; eine schwere Aufgabe, denn wir haben hierüber kein Buch und nicht einmal eine glaubhafte Sage. Er entschloß sich in allen Gegenden der Krimm, wo vormals Juden (oder Karaiten?) wohnten, alte Bücher, Schriften und Grabsteine aufzusuchen, um vielleicht eine Andeutung über ältere Geschichte aufzufinden. — Als ich von ihm selbst dieses schöne Vorhaben vernahm, welches ich schon lange ebenfalls mit mir herumtrug, schloß ich mich ihm an, und wir wanderten mit einander. — Merke nun mit besonderer Genauigkeit auf den hier folgenden getreuen Bericht, denn uns ist manches noch unbegreiflich. Zunächst gingen wir nach Baktscheserai, und suchten in Tschuf»tkalä in unserm Gebethause nach. Da fanden wir unter dem heiligen Schranke, worin die Gesetzrolle ist, an einem verborgenen Orte eirr Buch, auf Leder in Quadratschrift, vor 1015 Jahren (wie aus den hier beigegebenen, für Dich eigens abgeschriebenen Bezeichnungen erhellt*), geschrieben; es enthält Jesaiah, Jeremiah, Jeheskel und die 12 kl. Propheten, mit Punkten und Tonzeichen über den Buchstaben, in Figuren, die von den unfern sehr abweichen; nur auf zwei Seiten sind die Punkte *) Auf dem untersten Blatte des Buches der Propheten steht folgendes: Ä pN ntmo 'b bzm pns '-i bw ipbn nt p&b ow ruiDßn Dntwi dtikdi ■ nawa to vn« »nai wia mn nnaty •"!>") r^D N2Ü p# b*rw rra PpK IWU BHna Ti2D“in nt DV>D : ferner rvnaw pab dw ruoßn D'ntyjn dtikq') impiw brun wai napty n*: endlich p-in cmpn Ijiid p jwinm t:ot wtwn bo mro n'bi: ra-w p am-i prtav f\v rriycn *^>cn *rn "o: ^->2" über den Buchstaben ausgelöscht und unter dieselben gesetzt, und zwar in unfern Formen und mit einer von der Schrift verschiedenen Tinte, woraus zu ersehen, daß fremde Hände daran waren. — Wir waren über diesen seltsamen Fund erstaunt, wir und die ganze Gemeinde, welche bisher es nicht gesehen und von dem Dasein eines Buches nichts.gewußt hatten. Wir nahmen dies Buch mit und gingen nach Karasow, wo sehr viele Tataren wohnen, und unter ihnen thalmudische Juden, welche tatarisch sprechen und tatarische Kleidung tragen. Wir suchten dorr in der Verwahrungskammer neben ihrer Synagoge, und fanden zwei Pentateuche auf Pergament geschrieben, in unpunktirter Quadratschrift, wie solche in allen Synagogen vorhanden sind, und die man beseitigt hatte, weil sie gesetzlich ungiltig geworden waren. Weil diese Gesetzrollen die Zeit ihrer Schreibung und den Namen des Schreibers enthalten (wodurch nach der traditionellen Ansicht der Rabbaniten eine Gesetzrolle zum Gottesdienst untauglich,) und weil sie ihres hohen Alters wegen großen Werth haben, sind sie auf Anordnung der Polizei eingeschloffen und versiegelt worden, daß sie da aufbewahrt bleiben. Wir haben die Inschriften abgeschrieben, *) und die Rollen an ihrem Orte gelassen. — Von da begaben wir uns nach Kaffa, und suchten auch dort, wo noch mehrere Rabbaniten wohnen, in deren Synagoge nach. Wir fanden auf dem Boden verwischte Blätter aus Deuteronomium auf Papier geschrieben, mit Oukelos dabei, mit denselben Punkten und Tonzeichen wie die zu T sch u f u t k a l ä, und nahmen auch diese mit. Außerdem fanden wir Gesetzrollen auf schwarzem Leder (?) in Quadratschrift, unvollständig und sehr schwer zu lesen. (Schluß folgt.) *) Es steht auf der einen Rolle: ntoo bnpn Dnwp no»a 'nbxb ßnp und auf der andern Wn itt6 dt* eö ywb w dt> nb ni wop Nmtsö ump ^npa d^d mwb p' p rw pu\sn dvq na-iun d-inn p -min’ nyaix n:t2Q raa ßnr6 njD*\s* m'wb a^aan rviND Wir geben diese schwierige Inschrift diplomatisch genau, und sehen noch Abschlüssen darüber entgegen. D. H.

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