Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 21 (22.5.1840)
- Date
- 1840-05-22
- Page
- Seite 187 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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187 Privatlehrer nicht sind, da sie bei ihrer unsicher« Stellung nicht mit ganzer Seele ihrem Stande leben, dem sie meistens auch nur angeboren, so lange sie ledig sind, und den sie bei der ersten besten Gelegenheit mit einem andern vertauschen. (Schluß folgt.) Holstein. — Nach der Eile, mit der im Anfang dieses Jahres die Erklärungen der hiesigen jüdischen Gemeinden in Beziehung auf eine Verbesserung ihrer Lage abgefordert wurden, möchte Mancher vielleicht die jetzt eingetretene gänzliche Stille in diesem Punkte für verdächtig halten. Wer indeß genauer in unsre Verhältnisse eingeweihl ist, weiß und wußte gleich im Voraus, baß unsre Angelegenheit, als eine, das persönliche Interesse betreffende, nothwendig den durch unsre Verfassung bedingten Weg der ständischen Debatten einschlagen müsse. Daß diese, die uns im Juli bevorstehen, im Ganzen günstig für uns ausfallen werben, leidet wohl keinen Zweifel mehr, da jetzt der königliche Wille uns nicht allein schützend zur Seite steht, sondern auch aus freien Stücken unsre Sache ergriffen und in Anregung gebracht hat. Das Beispiel wirb doch auch für die bis jetzt Indifferenten oder Gegner unter den Stänbebeputirten, besonders das eines so hohen Vorbildes, nicht fruchtlos bleiben. Die abgefvrberten Erklärungen selbst können hierbei jedenfalls nur heilsam einwirken, indem sie, wie es namentlich von denen aus Altona und Glückstadt verlautet, in ihren Anforderungen und Zugeständnissen eine so lobenswerthe und edele Gesinnung beurkunden, daß sie schon hierdurch manche uns gemachte lieblose Beschuldigung Lügen strafen. Die Altonaer Gemeinde will sogar mit dem Verluste eines ihr eben so theuern als vortbeilbasten Ueberreftes der alten Zeit, der! jüdischen Gerichtsbarkeit, den verbeißnen Gewinn erkaufen, j und ist es besonders das Verdienst des umsichtigen und ein-! sichlsvollen, jetzigen ersten Vorstehers, Herrn Wölf Marburg,! der, selbst den Werth jenes Privilegiums nicht verkennend,! es dennoch dem größeren und allgemeinen Wohle des gan-! zen Landes aufopfern zu müssen glaubte.! Hildesheim, 31. März. — Das ernste Fortschreiten des Individuums, einer Gemeinde und eines Volkes richtete sich jeder Zeit nach dem Grad der wiffenschafllicdcn und moralischen Bildung, die sie genossen, nach der Art und Weise , der Erziehung, deren sie sich erfreuten, nach dem angepriej jenen Geiste, den sie frühzeitig, im Ingendatter, cinathme- 1 ten, nach dem Lchrdegnffe und dem Unterrichte, den sie? empfingen. Israels denkende Männer, denen es natürlicher-! weise in jeder Lage und unter jedem Verhältnisse des Lebens um diesen Fortschritt zu thun war, und die ihre ganze Auf-! merksamkeit auf ihn richten mußten, weil das stufenweise! Aufwartsstreben das Leben erst in's Leben ruft und den; schwach glimmenden Funken zur Lrbensflamme anbläst, mach-! ten es sich immer zur Hauptaufgabe, die zum Aufschwünge! einer acht religiös-moralischen und wissenschaftlichen Bildung!| im Volke unentbehrlichen Stützen und Mittel herbeizuführen, wenn dies auch mit Mühen und Anstrengungen jeder Art > verknüpft war, und den Geist der wahren Aufklärung durch Wort und That nach allen Seiten bin zu verbreiten. Schule und Synagoge, als die Vereinigungsstaue jedes Alters und jedes Geschlechtes, waren diesen wackern Männern die geweihten Institute zur Erreichung des zwar entfernt liegenden, aber doch erreichbaren heiligen Zweckes; sie waren die Tempel, in denen mit Gott die Vorbereitungen zu dem großen Werke des Emporschreitens, wenn auch nicht vollen- > det, doch kräftig begonnen werden konnten. Faßte man aber scdon in den ältesten Zeiten so richtig und treffend die Wichtigkeit der beiden Bildungsanstakten des menschlichen Geistes von dieser Seite und in dieser Bedeutung auf, die noch keinen Maaßstab für die bürgerlichen Verhältnisse abgab, um wie viel mehr erst gebietet unsere Zeit, die in ihren Entschuldigungen und Ausflüchten jede Freiheit von einer bestimmten Hobe der Cultur abhängig machen will, dem schönen Wirkungskreise, den das ßlotteshaus und die Volksschule darbietet, unsere ganze Tbatigkeit zu widmen. Wie nun aber jetzt diese, in das Innerste des Iudenthums eingreifende Idee, als tyvian ma und nD:Dn ms von allen helldenken den Gemeinden Israels beherzigt zu sein scheint; so ist auch sie der eigentliche Hebel, welcher die Kraft der hiesigen israelitischen Gemeinde in Bewegung setzt; so ist es auch diese Idee einzig und allein, welche diese Kraft belebt, stärkt und sichert, mitten unter allen Hindernissen und Schwierigkeiten, die hier, wie überall, in Menge zum Vorschein, kommen. Der Geistlichen wie des Vorstandes Streben ist daher auch in unserem Kreise kein anderes, als daß Tempel und Schule Hand in Hand, sich gegenseitig stützend und ergänzend, an jenem großen, segensreichen Baue der Menschenveredlung arbeiten, die allein jenen doppelten Fortschriltt befördert; und wir dürfen ihr eifriges Streben schon jetzt ein gesegnetes nennen. Denn, wenn auf der einen Sette durch ihre Bemühungen in unserm Gotteshause eine Ruhe und Stille herrscht, die jene wohlgefällige Andacht erweckt; wenn die gediegene Predigt des gelehrten Landrad. bincrS Bodenheimcr das Herz des Zuhörers erwärmt, in eine gottesfürchtige Stimmung versetzt und zu den feierlichsten Entschlüssen anfeuert; wie der tiefergreifende Eborgesang das Gemüth zum Himmel leitet und das Auge auf seinen Schöpfer lenkt; und der versweise melodische Vortrag der Gemeinde mit dem Vorbeter dem Ganzen einen Nimbus verleiht; wie auf der einen Seite dieses alles jene Harmonie erzeugt, die allein die Saiten des menschlichen Herzens zu bewegen und eine wahrhafte Besserung zu erwecken vermag: so dringt ganz sicher auf der andern Seite unsere mit guten Lehrern ausgerüstete Volksschule durch den klaren und mit der Zeit fortschreitenden Religionsunterricht, durch das gründliche Studium der Bibel, der hebräischen und deutschen Sprache, der Weltgeschichte, Geographie, Naturlebre, so wie'durch die daselbst herrschende Disciplin, die schönsten Früchte für die Zukunft hervor; so schafft auf der andern Seite der heilige Act unsrer Confirmation, als Schlußperiobe des Schulunterrichts und als die einzige Feierlichkeit, in deren Wesen sich Schule und Synagoge so innigst berühren, den vielseitigen Stützen für das praktische Leben, erhöht das Vergnügen und erleichtert die Lasten des irdischen Daseins durch die Hinweisung auf die ewige Gemeinschaft mit dem barmherzigen Höchsten. — Mögen daher diese biedern Männer, denen das allgemeine Wohl ernstlich am Herzen liegt, immer mehr und mehr das erhabene Ziel, welches sie sich gesteckt haben, verfolgen und auf der Bahn, die sie einmal betreten, mit unermübetem Eifer und mit Liebe fortwandeln; mögen sie, in Berücksichtigung, daß äußere Würde und Schönheit einen ersprießlichen Einfluß auf die Seele ausüden, für ein den Ansprüchen und Anforderungen der Acsthelik entsprechendes Lokal zum Gebete und Unterrichte Sorge tragen: und sie dürfen die Versicherung hinnehmen, baß sie die Quellen des Fortschrittes kommender Generationen geöffnet haben — die Quellen jener inlellectuellen Vorzüge, die unter solchen Vorbereitungen nie ausdlerben können, aber auch die Quellen einer ehrenden Stellung rm Staate, weil auck bald in Hanovers Gauen den Bekennern mosaischen Glaubens die Mörgeurölhe bürgerlicher Freiheit andrechen wird. _ B. Notizen. Abweichungen der Alien von der Massorah. Don Dr. M. Creizenach. Es kann hier nickt von thalmudischen Citaten die Rede sein, welche oft aus dem Gebächtniß goschöpft wurden und daher nickt immer ganz treu sein konnten, sondern von einzelen Wörtern, deren Buchstaben zu Interprekaiionen Anlaß gaben, und deren angegebene Form wohl für bestimmt correct gehalten werden mußte, die aber von den jetzt allgemein gültigen Lesearten abweicken. Die Kenntniß solcher Varianten kann der biblischen Kritik nickt gleichgültig sein, und ich lhcile hier das Verzeichnw derjenigen mit, die mir bisher bekannt geworben sind, mit dem Wunsche, daß dieses Verzeickniß berichtigt und vervollständigt werden möge. Deuter. 25, 1. ft- X? (zweifelhaft.) Iebanoth 16«, b. Lev. 15, 1«. xtS'.'m st. N&’linv Nidah 33. a. Gen. 1. 8. m'inia stmfiö Pesachim 2, b.