Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 21 (22.5.1840)
- Date
- 1840-05-22
- Page
- Seite 185 (sequence 9)
- Language
- German
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185 ten so weit sie nicht verhaftet worden; manche sind versteckt im Innern des Hauses gegen die Angriffe der Christen. In der Aufregung erzählen sich die Christen an öffentlichen Orten die seltsamsten Abgeschmacktheiten über diese verabscheuete Secte.... Der Consul hat eine arabische Uebersetzung verschiedener den Juden zugeschriebenen abscheulichen Grundsätze verbreiten lassen, welche aus einem lat. Werke: prompte bibliotkecn entnommen sind. Dies Buch ist uns durch den Eifer unserer Missionäre in Palästina hierher geliefert worden. Ein Exemplar hat man an S. H. Ibrahim Pascha geschickt! Endlich in einem dritten Bericht sagt H Merlato noch: Ein Agent der Regierung entdeckte gestern den Aufenthalt des Moses Farhi, Sohn des Meir. Er ward vor den Pascha geführt. Man fragte ihn, wo sein Vater sei? er sagte, er wüßte es nicht; sofort erhielt er die Bastonnade. Das schwache und zarte Kind bat bald, man möchte seine Mutter holen. Es geschah. Sie entdeckte nichts; der Knabe ward wieder mit Ruthen gepeitscht; darauf entdeckte die unglückliche Mutter den Aufenthalt ihres Mannes. Ich erkläre Ihnen, Herr Consul, daß es mir unmöglich ist, länger das Schauspiel dieser Unmenschlichkeiten auszuhalten, an welchen der französische Consul thätig und unter der Hand auch die lateinischen Brüder und einige einheimische christliche Mönche, unterstützt von dem Fanatismus eines blinden Hauses, der seinen Eifer für Christenthum hält, Antheil nehmen.,, Herr Lau rin drückt sich in einem Briefe also aus: „Die Anklage hat nicht den geringsten legalen Grund; die Geständnisse sind durch die Qualen der Tortur oder durch Einflüsterungen und List errungen worden. Im Interesse der Humanität, so wie insbesondere unsrer Unterthanen dort, welche in Gefahr schweben, unschuldig hingerichtet zu werden, thue ich alles mögliche, um von Mehemed Ali einen Befehl zu erlangen, daß menschliches Verfahren in dieser Sache angewendet werde, und daß ein Richterspruch von vorurtheilslosen, klardenkenden und unabhängigen Richtern erfolge... Ich bin überzeugt, die Presse werde einen allgemeinen Abscheu gegen die zahllosen Grausamkeiten erregen, die man begangen hat, um den unglücklichen Schlachtopfern völlig grundlose Geständnisse abzuzwingen, und das in einem Lande, wohin Mehemed Ali die Civilisation bringt, und wo der Hattischeriff von Guljane bekannt gemacht worben ist. Das Alibi des Piccioto allein war genügend, um die Geständnisse der Angeklagten zu widerlegen, und die Ungerechtigkeit dieses Prozesses zu beweisen." Ich schließe diesen Bericht, mit der Anzeige, daß Herr Laurin, dessen Name, wie der des Herrn Merlato, ewig in dankbarem Andenken bleiben wird, am 6. April von Mehemed Ali die verlangten Befehle erhalten hat; aber erst in 18 bis 20 Tagen werden wir die Zahl der Opfer und den Stand der Verfolgung wissen können. Ueber die Stelle 2, 20 tut Buche Kosri. Don vr. M. Creizenach. R. Iebudah Halevi behauptet in dieser Stelle die höchst paradoxal klingende Hypothese, daß der Sabbath für den äußersten Osten 18 Stunden später anfängt, als für Palästina, da doch nach der allgemein herrschenden Meinung jeder bestimmte Tag im Jahr für die östlichen Gegenden unseres Conlinentes früher anfängt, als für die westlichen. Je genauer man indessen die Frage erwägt, desto mehr sieht man ein, wie schwierig es wäre, der Annahme des Kosri eine besser begründete zu substituirev. An welchem Orte der Erde fängt in der That der Sabbath am frühesten an und an welchem am spätesten? Noch giebt uns die Geographie über diese äußerst verfängliche Frage, welche alle jüdische und alle christliche Festtage überhaupt betrifft, keinen Aufschluß. Der Kosri nimmt an, daß der Sabbath natürlich an demjenigen Orte am frühesten anfange, an dem er ursprünglich eingeführt wurde, und für die andern Orte um so später anfange, je mehr Weg man von Palästina aus westlich machen muß, um zu ihnen zu gelangen, und zwar immer für 15 Längegrade eine Stunde später. Da man nun von Palästina aus ungefähr 270° westlich gehen muß, um zum äußersten Osten zu gelangen, so schließt er daraus, daß der Sabbath dort 18 Stunden später anfängt. Setzt man indessen die Folgerung fort, so wird man auf den absurden Schluß geführt, daß der Sabbath in den Ländern, welche in einer mäßigen Entfernung östlich von Palästina liegen 20—23 Stunden später anfange, was schon allein hinreichen dürste, gegen die Hypothese des R. Iehudah Halevi mißtrauisch zu machen. Nach dieser Hypothese ist auch die Gesammtdauer des Sabbath für den ganzen Umkreis der Erde 24-j-18—Stunden. Merkwürdig ist es, daß nach einer Aeußerung des R. Levi den Nesira im Midrasch rabbak, auf welche schon R. Is. Israeli aufmerksam macht, die Gesammtdauer des Sadbath 36 Stunden ist. R. Iehuda Halevi bedient sich auch seiner Hypothese zur Erklärung der äußerst schwierigen Stelle im Thalmud Rosch haschanah 20, b, nach welcher der Neumond schon Abends gesehen wird, wenn auch der Moled nur kurze Zeit vor Mittag fiel, obgleich dort auch angenommen wird, daß der Neumond immer dis 24 Stunden nach dem Moled unsichtbar bleibt. Er meint nämlich, der Neumond sei z. B. am Vorabend des Dienstag im äußersten Osten sichtbar, wenn der Moled am Montag kurz vor Mittag in Palästina eintrat, weil der Vorabend des Dienstag im äußersten Osten nach seiner Meinung 24 Stunden später fällt, als der Mittag vom Montag in Palästina. Auch R. Serachjah Halevi stimmt dieser Erklärung bei. Es läßt sich aber derselben mit Grund entgegen, daß die angezogene Regel, wie es ganz deutlich aus dem Thalmud erhellt, schon das Obergerickt von Palästina zur Vorausberechnung der Monderscheinung leitete, obgleich man damals auf die Sichtbarkeit des Neumondes in so fernen Weltgegenden gewiß keine Rücksicht nahm. Bemerkungen Zur Geschichte der Metzer Rabbinate von Tsarphati. Don vr. Carm>ly (Fortsetzung.) 14) »Samuel Helman aus Krotoscyn, war 1730 Rab. in Mannheim (s. Approb. zu Ppyi pn) kam 1751 nach Metz, wo er 1765 starb, s. Nekrolog. Er war ein ausgezeichneter Schüler des Eibeschütz, und schrieb sehr stark gegen ihn, worauf jener ihm erklärte, er verstände nichts von Kabbala. Er hinterließ 3 Söhne und 1 Tochter, Gattin des R. Elieser Katzenellendogen, Rabb. zu Hagenau, Vater des Naphtali Hirsch Katzenellenbogen, Consistorialpräs. zu Colmar, welcher Dienstag 8. Chislev 1824 in Wimpen- 21 **