Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 21 (22.5.1840)
- Date
- 1840-05-22
- Page
- Seite 184 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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184 Murad el Fällst 12 Tage später neue Aussagen vorbrachte, und zwar folgende: Er sagt, Mittwoch Abend nach Ausrichtung des Auftrages, den D. Th. zu ermorden, den Leichnam zu zerstückeln re. habe er sich ins Haus des M. Farhi begeben, um den Bedienten mit ermorden zu helfen. Da habe er ihn wirklich umgeben gefunden von 7 Individuen, nämlich, den schon genannten 5, und zweien andern, Zakob Abulafia und Zoseph Menachem Farhi. Da sei der Unglückliche durch die 7 Individuen ermordet worden, welche sein Blut in eine Flasche auffingen. Zn den Häusern der bezeichneten Mörder fand der französische Consul nur Juda Farhi, einen schwachen jungen Menschen, bei seinem Oheim versteckt. Er warb verhaftet. Der Consul ließ ihn die erste Nacht im Hause der Telli, dann blieb, er mehrere Tage auf dem Consulat, hierauf ward er zum Pascha geführt. Man versprach schriftlich Straflosigkeit, wenn er des Murad el Fallat Aussage bestätigte, und da er dieses that, so forderte man Jsaac Piccioto zum Serail hin. Er ward dreimal hingeführt, verhört, er blieb bei entschiedenem Leugnen. - Vom ersten Augenblick dieser Judenverfolgung hatte jeder Schritt zum Zweck, zum hauptsächlichen Ziel, den alten Haß gegen die aufzufrischen, und alle Untersuchungen, die man vornahm, geschahen ohne irgend ernstliche Verdachtsgründe gegen die, welche man der Ermordung des V. Th. anklagte, außer daß man entschlossen war, sie durch Beschuldigung eines so schändlichen Verbrechens zu entehren. Der franz. Consul war nur ein Werkzeug; sein großes Unrecht besteht darin, daß er solchen Eingebungen Gehör gab und den abgeschmacktesten Anzeigen vertraute. Unter denen die sich als eifrigste Verfolger der Angeklagten öffentlich herausstellten, als Rächer des traurigen Todes zweier Opfer, nenne ich Hrn. Baud in, vormaligen Consularagenten, jetzt Kanzler im franz. Consulate; einen aus Aleppo, Francois Salins, welcher gelegentlich als Dolmetscher, als Aufhetzer, als Spion, als Häscher diente und dient; den Pater Tustt, französischen Lazaristen, welcher hierbei an den Juden den Tod seines göttlichen Meisters rächen wollte, der ihnen doch vergeben hatte. Zu ihnen gesellte sich nachmals einer unserer Unterthonen, Sidtt Ayub, ein christlicher Araber, seit Kurzem aus Saur angekommen, wo er unter österreichischem Schutze stand. Dieser treffliche Mensch hatte schon dem Gouvernement gedient, aber Maalem Raphael Farhi, Israelit, hatte ihn des Unterschleifs angeklagt, und er hatte gegen 18 Monate im Kerker gesessen. Jetzt benutzte er die Gelegenheit, den Juden zu schaben; er ward heimlich vom franz. Consul ausgenommen, man machte Gebrauch von seinen Ränken und seinem eingewurzelten Groll gegen die Israeliten. Er war bei allen freiwilligen Aussagen des Dieners des Arari, des Barbiers, und Farhi sehr zuvorkommend thätig. Ohne über die Juden im Allgemeinen zu sprechen, da mein Consulat nicht den Beruf hat, ihretwegen mich zu verwenden und sie fteizusprechen, so halte ich es doch für meine Pflicht, genau die Thatsachen anzugeben, wesche die elendeste Böswilligkeit beweisen, mit welcher man vom Anbeginn in der Untersuchung gegen den österreichischen Unterthan Piccioto verfuhr. (Hier folgen Berichte über verschiedene Widersprüche des Zeugenverhörs, und einige gegen P. eingeleitete Jntriguen, die nicht zur allgemeinen Sache gehören, dann fährt er fort:) Ich durfte als Consul nicht zugeben, daß ein unglücklicher Oesterreicher, dessen Ruf als Ehrenmann und friedlicher Kaufmann bisher unbescholten war, dem Feinde als Beute überliefert würde. 20 Traktate zwischen dem Hofe Sr. K. K. Maj. von Oesterreich, und der Hohen Pforte, verbieten, daß ein österreichischer Unterthan der Lokalregierung überlassen werde, und wie ein Raja der schrecklichsten Anklage preisgegcben werde, die einen Menschen treffen kann. Ich glaube also, daß die definitive Procedur Ihrem k. k. General-Consulate in Aegypten zu überweisen sei, damit solche Maßregeln getroffen werden, welche Sie für nöthig halten, um zu verhindern, nickt bloß daß ein Unterthan unsers Kaisers, sondern irgend ein Europäer, wie man es hier thun möchte, dem Elende dieser schandbaren Richter-Inquisition anheim gegeben werde. Bei Durchsicht der Akten und der Correspondenz unsers Consulats in dieser beklagenswerthen Sache, hege ich die Hoffnung, daß Sie die Vorsicht und Besonnenheit unsers Verhaltens billigen werden. Die Gegner konnten gegen uns sich einer furchtbaren Waffe bedienen, des blinden, unwissenden Fanatismus der Christen hier zu Lande. Weil der österreichische Consul nicht dem dummen Anschläge einer unter' der Hand aufgeregten Wuth laut beipflichtete, hat man uns die beleidigendsten und offensten Beschuldigungen zugeschrieben, man hat uns wahrscheinlich die gemeinsten und unsittlichsten Beweggründe unterlegt. Ich wage es also ehrfurchtsvoll E. Er. um kräftiges Einschreiten zu ersuchen, um alle solche Verleumdungen zum Schweigen zu bringen, und allen beleidigten Personen Ehrenerklärungen zu verschaffen. Wenn die ägyptische Regierung sich menschlich über dieses Ereigniß aufklären will, so braucht es nur alle Angeklagten hier zu vernehmen; sie mögen von neuem streng, aber gemäß den Sitten civilisirter Nationen verhört werden, sonst ist meine unmaßgebliche Meinung, daß dichte Finsterniß die Wahrheit den Zeitgenossen und den künftigen Generationen verhüllen werde. gez. Mar lato. In einem andern Berichte desselben Consuls lesen wir: Die Israeliten dieser Stabt haben Qualen ausgestanden, die eine furchtbare Reaction überall erzeugen würben, außer bei diesen Paria's der Erde. Jede Stunde begiebt sich der franz. Consul in jedes Haus mit unausstehlichem Hochmuth. Die geachtetsten Namen unter den Juden, der unbescholtenste Besitz, die bedauernswürdigste Schwachheit, nichts wird geschont. 63 Kinder sind mehrere Tage in Hast gewesen, Frauen sind geholt und verhört worden. Beim ersten Argwohn flohen die angesehensten Israeli-