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Israelitische Annalen · 1840-05-22 · Heft 21 (22.5.1840) · p. Seite 180

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 21 (22.5.1840)
Date
1840-05-22
Page
Seite 180 (sequence 4)
Language
German
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180 Da ist eine Aufregung um so bitterer, als der Unmuth einer ohnehin durch mannichfache Umstände gereizten Sttmmung jede Nahrung des Grolles hastig ergreift und gegen andere ausläßt, um nur irgendwie Lebensgeist auszuströmcn. Wir beklagen diese stets feindselige Reibung, die wohl nicht so leicht beendet werden kann, aber gerecht ist sicherlich der Wunsch, daß die Geistlichen der christlichen Kirche dem Polnischen Volke insbesondere würdigere Begriffe von der Offenbarung beibringen möchten, die der jüdischen Religion wie der christlichen zum Grunde liegt. Leider ist das bis jetzt nicht hinlänglich geschehen. Und so mag es denn natürlich erscheinen, wenn sich in einigen Orren Galliziens jetzt wieder eine drohende Aufregung zeigt, die sogar gegen Individuen in Thätlichkeit ausartet. Freilich hat man alsbald einige Frevler , welche die Sicherheit der friedlichen Spaziergänger sogar nicht achteten, verhaftet und der Strafe überwiesen; doch scheinen selbst Vorgesetzte von dem Volkswahne nicht frei zu bleiben; sonst würde man kaum der Beachtung werth finden, was vor kurzem und in Folge der damascenischen Geschichte eine ernstliche Untersuchung veranlaßt hat. In Tarnow hat im März d. I. eine Dienftmagd ausgesagt, die Juden hätten sie drei Wochen lang eingesperrt gehalten, und ihr Blut abgezapft, um solches in die Ofterkuchen zu mischen. Eine große Criminal-Commission ward alsbald von Lemberg aus beordert, die.Sache sorgfältig zu untersuchen. Das Ergebniß war folgendes: Diese Person war durch einen unglücklichen Zufall bei einem Baue, den ein Herr Luxenberg vornahm, beschädigt worden. Der Bauherr ließ ihr sofort die thätigste Hülfe angedeihen, sie mehrere Wochen hindurch auf seine Kosten verpflegen, und man hatte ihr auf Anrathen der Aerzte, um Lebensgefahr abzuwenden, zur Ader lassen müssen. Der Dank war diese Anklage! — Ist wohl anzunehmen, daß so schwarzer Undank auf eigenem Boden sprieße? — Und doch, sollte man glauben, daß selbst nach der Bekanntwerdung dieses Resultates der böse Wille noch immer die Wahrheit der Beschuldigung behauptet? Eine christliche Frau ist vor kurzem verschwunden, und einer der größten Beamten hat, wenn nicht gern eine Blöße gehend, doch heimlich den Befehl ertheilt, nachzusuchen, ob nicht die Juden etwa sie zu Ostern versteckt halten? (Wenn wir recht verstehen, hat sich die Vermißte wieder eingefunden.) — Kürzlich ward in einer großen Stadt Galliziens ein wohlgelittenes Kammermädchen aus dem Hause des Grafen L—zki vermißt. Sein Schwager F.... v. L—n verwendete sich deßwegen bei dem Erzherzog, welcher dem Polizeidirektor den Befehl zugehen ließ, alles aufzubieten, um ihrer vor Ostern wieder habhaft zu werden. Augenscheinlich lag hierin die menschenfreundliche Absicht, ähnlichen Anklagen zuvorzukommcn, wie solche, wenn unglücklicher Weise die Person ermordet worden wäre, leicht befürchtet werden konnten. Die Revisoren wurden,nun schnell in Thätigkeit gesetzt, und man fand nach vielem Forschen und Suchen die Verlorene in einem Hause, das ihren Sitten angemessen war, beglückt durch ein zweites Leben, das sie der Welt geschenkt hat. — Der Argwohn zieht sich nun einigermaßen beschämt zurück. — Ist es nicht Zeit, daß unser Jahrhundert redet? Nachrichten und Aktenstücke betreffend den Vorfall zu Damask. 1) Brief des Herrn Cremieux. Herr Cremieur schreibt unterm 5. Mai an das Journal des Debats: Unter dem Titel: Document officiel, gab die Presse gestern als ein gerichtliches Aktenstück (und die Gaz. des Tribunaux hat es nachgedruckt) einen Brief, gezeichnet F. Francois de Sardaigne, welcher auch schon in einem religiösen Journal erschienen war. Dieses Schreiben wird demnach an diejenigen gerichtet, welche vorzugsweise gegen dessen Inhalt verwahrt werben sollten; es trägt die Unterschrift eines Mannes, der mit dem heiligen Charakter des Priesters bekleidet ist. Wie viele Katholiken werden nicht die umständlichen Einzelnheiten, welche die naive Offenherzigkeit und der fromme Unwille des Gezeichneten darstellt, auf Glauben annehmen! Von allen Gegenden Europas und fast allen Punkten der Erbe, kommen an's Central-Consistorium von Paris, an Männer, die man als die Vertreter der französischen Juden ansieht, die inständigsten Gesuche, die rührendsten Bitten: „Laßt nicht, sprechen sie, die Sache der unglücklichen Juden zu Damask unbeachtet! Es ist nicht bloß von jenen entfernten Ländern die Rede, wo in den Torturen das Blut in Strömen fließt, und Euer Mitgefühl erwecken muß, sondern auch von den Euch nähern Völkerschaften. Man ruft die schändlichsten Vorurtheile wieder ins Leben; was seit 200 Jahren als abgeschmackt angesehen wird, sucht

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