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Israelitische Annalen · 1840-05-22 · Heft 21 (22.5.1840) · p. Seite 179

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 21 (22.5.1840)
Date
1840-05-22
Page
Seite 179 (sequence 3)
Language
German
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17& Umstand von dem Gouverneur von Sitomir, Herrn Laschkerow, Vorwürfe hören mußten, diesem strengen aber sehr gerechten Herrn nur die Gründe ihrer Aengstlichkeit hätten darlegen dürfen, um alsbald Abhülfe zu erlangen; statt daß sie so durch unzeitiges Zurückhalten den Tadel auf sich luden, daß ihnen der Staatsdienst nicht am Herzen liege, und sie ihn den Unwürdigsten überlassen! — Der Sinn, für die allgemeine Verbesserung thätig zu sein, ist noch lange nicht regsam genug, und jeder folgt, unbekümmert um das Ganze, seinen Privat-Jnteressen. Die Edlcrn finden nicht Unterstützung und verlieren den Muth. (Schluß f.) Nachwirkungen der Ereignisse von Damask. Jeder Menschenfreund begrüßt mir freudiger Theilnahme die Erklärung des Lord Palmerfton, welcher einer Deputation angesehener Männer der' Israeliten zu London auf ihre Bitre um Verwendung bei den orientalischen Barbaren, zur Verhütung ähnlicher Auftritte für die Folge, die tröstliche Beruhigung gab, daß die civilisirten Staaten allerdings den Beruf haben, nach.Kräften dem Wiederaufleben alter Barbareien, namentlich in so fern sie einen religiösen Charakter annehmen und dadurch das Volk mit fanatisiren, zu steuern, und daß von Seiten Englands angemessene Schritte geschehen werden. Auch die französiche Regierung findet sich bewogen, der Sache ernstere Aufmerksamkeit zuzuwcnden, und von Seiten Oesterreichs wird sie ebenfalls mit humaner Vorsorge behandelt. So haben wir doch nun eine vollständige, klare und von aller Gehässigkeit freie Auskunft über das entsetzliche Ercigniß, das so viele harmlose Märtyrer gefordert har, zu erwarten, und den überall noch durch thörichten Wahn geblendeten Völkern werden die Augen geöffnet werden. Die Civilisation ist zur Wahrheit geworden; die erlauchten Männer, welche an der Spitze großer Staaten stehen, sehen nicht mehr mit Gleichgültigkeit zu, wenn grausame Tyrannen mit wilder Uebereilung rücksichtslos ihr Racheschwert schwingen, und die Unschuld kaltblütig martern und hinmorden! Sie blicken mit väterlicher Besorgniß auf die furchtbare Ansteckung, welche, von dem Sitze der Unmenschlichkeit aus, ihr Gift in die reinern Wohnungen der gesittetern Völker herüberträgt, und die friedlichen Gemüther wohlgeleiteter Nationen mit Bitterkeit und Haß erfüllt, bis daß auch hier die wilde Leidenschaft in blinder Raserei wüthe! Nein, dahin wird es nun nicht kommen, das Licht bricht von oben herein, und erleuchtet alle die nieder» Räume, und die Finfterniß wird nicht mehr mittelalterliche Gräuel verdecken. Die Civilisation ist zur Wahrheit geworden! Und daß diese Erkenntnis in unserm Jahrhunderte endlich hervortrete und die Menschheit beruhige, ist so wichtig, daß die Geschichte den schauderhaften Vorfall in Damask und die gefallenen Opfer als einen wohltharigen Anstoß zur höhern Entwickelung der Sittlichkeit bezeichnen wird. Wird ja doch selten ein bemerkenswerther Fortschritt in der Geschichte gethan, ohne daß manche Blume unter dem Fuße zerknickt wird. Ja selbst der böse Geist, welcher durch die öffentlichen Blätter um den Erdkreis gefahren ist, wird sich noch einen Dank erwerben, daß er es wagte, so unverhüllt herumzuwandeln, um erkannt und verscheucht zu werden. Er wird hoffentlich in dieser Gestalt sich nicht wieder zeigen. Doch hat er seine Züge nicht vollendet, ohne traurige Spuren seines Unheils zurückzulassen. Wir berichten, was wir aus guter Quelle wissen. Hat einmal die Oeffentlichkeit ihr Recht behauptet, so ist es billig, nichts mehr zu verschweigen. Der Glühofen des Orients hat seine Funken herübergesprüht in di: stillen Hütten Europens, und sie haben hie und da gezündet. Sollte man denken, baß Frankreichs freisinnige Bürger empfänglich seien für die Thorheiten der Barbarei'? Und doch ist uns ein Beispiel bekannt, daß eine Bürgerschaft im Elsaß —wir wollen ihren Namen nicht mit Schmach bedecken—bei einem Brande, der die Israeliten ihres Ortes, der ihre gleichen Mitbürger heimsuchte, in Folge jener Zeitungsanhetzungen, Sprützen und Beistand vorenthielr, bis die Behörde einschritt und der Menschheit zu ihrem Rechte verhalf? Um so weniger ist es zu verwundern, wenn in den östlichen Gegenden, wo kaum vor wenigen Jahren das Gnadenwort eines glorreichen Herrschers viele aus ähnlichen Gründen jahrelang verhaftet gewesenen Israeliten dem Tageslicht und ihren tiefbekümmerten Familien wiedergab, in den rohen Volksklassen jede neue Anreizung die Leichtgläubigkeit bethön! 21*

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