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Israelitische Annalen · 1840-05-22 · Heft 21 (22.5.1840) · p. Seite 178

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 21 (22.5.1840)
Date
1840-05-22
Page
Seite 178 (sequence 2)
Language
German
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178 und so weit als möglich alle Elemente des Sraatslebens zu vereinen und zum gedeihlichen Jneinandergreifen zu versöhnen? Ich hege die Uebcrzeugung, daß derartige Darstellungen der Verhältnisse mit Offenheit und Umsicht unternommen, und wie sich von selbst versteht, unter Beobachtung der richtigen Gränzen schriftstellerischer Aeußerungen, — die freilich heutzutage oft entweder in übermürhige Keckheit ausarten oder in farbloser Seichtigkeit sich verflachen — nicht bloß den Höhergeftcllten in allen Ländern willkommen sind, sondern auch auf die betheiligten Israeliten, deren so viele gern der guten Sache Opfer bringen, wenn sie wissen, wo ein solches die Menschheit sühnen könnte, einen wohlthangen Einfluß üben werden. — Und so will ich denn, ohne auf Erschöpfung meines Themas Anspruch zu machen, mein Scherfiein in einigen Skizzen beitragen, und meine einleitenden Bemerkungen mögen nur dazu dienen, fähigere Geister zu vollendeter» Schilderungen anzuregen. Bis dahin werden die nachstehenden Andeutungen nicht ganz unfruchtbar bleiben. Gewiß ist, daß dieselben aus einer sehr genauen Sachkenntniß fließen, und ich füge nur noch hinzu, daß die strengste Wahrheitsliebe meine Feder leitet, und ich alles nur so schildere, wie ich es weiß. Sollte ich irgend worin irren, so werde ich jede Zurechtweisung gern anerkennen. Jedermann weiß aus den öffentlichen Blättern, mit welcher väterlichen Sorgfalt S. M. der regierende Kaiser aller Reussen auch die Hebräer (Israeliten) beschützt und zu einer bessern bürgerlichen Stellung vorbereitet. Eine Menge Ukasen geben davon Beweise. Ein Geist der Humanität durchweht alle, und wären sie schon, so wie erlassen, auch alsbald in Wirksamkeit getreten, wahrlich, es müßten bereits die Früchte davon im Leben zu reifen beginnen. Allein auch hier macht man die betrübende Erfahrung, daß die Völker, welche die Gesetze empfangen, die auf eine schönere Zukunft hinzielen, nicht immer und überall eben» so weit in der Bildung vorgerückt sind, um sich mit deren Anwendung zu beeilen, und den hohen Zwecken weiser Regierungen in die Hand zu arbeiten. Sowohl die christliche als die jüdische Bevölkerung befindet sich noch in manchen Gegenden auf einer Bildungsstufe, die, gegenüber den heilsamen Anordnungen von oben einen traurigen Contraft darbietcr. Diese sind von dem erhabenen Standpunkte aus ertheilt, auf welchem die Religionsunterschiede zwar immer nicht gänzlich dem Auge entzogen sind, vielmehr mancherlei Abgränzungen in Hinsicht der Ausübung öffentlicher Gewalten und Aemter nothwendig und zweckmäßig erscheinen, aber doch die kleinlichen Gehässigkeiten, die in den nieder» Sphären zu mancherlei Widerwärtigkeiten Anlaß geben, keiner Beachtung mehr gewürdigt werden. Wie sieht cs dagegen da unten aus, wo jene wohlthuenden Gesetze wirken sollen? Auf Seiten der christlichen Bewohner noch immer die seltsamsten Begriffe von der jüdischen Religion, noch immer ein unvertilgbares Gefabel von deren Inhalte und eine von Vater auf Kind und Enkel fortgeerbte Verkehrtheit der Ansicht, welche Haß und Mißtrauen zu erzeugen nicht abläßt; da werden die höher« Zwecke einer weisen Regierung selten richtig erkannt, und durch bereitwillige Ausübung ihrer Verordnungen erreicht! Auf Seiten der Juden, leider muß man es gestehen, oft eine unerklärbare Indolenz, welche so theilnahmlos die ihr dargereichten Gaben empfängt, ohne sie zu nutzen, und auf deren heilsame Wirkungen bedacht zu sein. Die Wege sind vor ihnen gebahnt, und niemand versucht es, sie zu betreten. Der Grund dieses Uebels scheint uns darin zu liegen, daß eines Theils die Israeliten in Rußland noch immer nicht geordnete Lehranstalten haben, wo ihre Söhne zu gemeinnützigen Kenntnissen angeleitet werden, um mit Erfolg weiter vorzurückcn und sich zu weltlichen, dem Staatsdienste förderlichen Wirkungskreisen gehörig zu befähigen, andern Theils scheint die — bei der zunehmenden Erleuchtung der hohen Staatsbeamten gewiß ungegründete — Besorgniß obzuwalten, daß die Fähigen am Ende doch nicht der Wohlthaten des Gesetzes theilhaftig werden, und nur wahre Tantalusqualen auszustehen haben dürften. Zudem herrscht die allgemeine Ansicht unter den Israeliten, daß der Staatsdienst, selbst da, wo er ihnen zugeftanden wird, mit allzu großen und Gefahr bringenden Verantwortlichkeiten verbunden sei, (wie Beispiele bereits vorliegen) daher auch zu den wenigen Posten, die man ihnen überweiset, selten tüchtige und pflichtliebende Männer sich bereit finden, so daß sie häufig denen anheim fallen, die nicht gerade der Gesammtheit zur Ehre gereichen. Ich bin fest überzeugt, daß die Israeliten, welche über diesen

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