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Israelitische Annalen · 1840-05-22 · Heft 21 (22.5.1840) · p. Seite 177

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 21 (22.5.1840)
Date
1840-05-22
Page
Seite 177 (sequence 1)
Language
German
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22. Mai. Nro S1. 1840. Israelitische Annalen. Ein Centralblatt für Geschichte, Literatue und Cultur -er Israeliten aller Zeiten und Länder. Hcrausgegebcn von vr. I. M. Iva« Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer, bisweilen 1V2 Bogen; Preis des Iahrganges 3 Rthlr. fl. S; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des In- und Auslandes. Verhältnisse der JSraeliren in Rußland. — Nachwirkungen der Ereignisse von Damast. — Nachrichten und Akrenstücke detr. den Vorfall zu Damast.— Ueber die Stelle 2, 20 im Buche Kosri, von vr. M. Creizenach. — Bemerkungen zur Geschichte der Metzer Rabbinaie von Tsarpdati, von vr. Carmoly (Forts.). — Nachrichten und Eorrespondcnzen: Schreiben auSBöbmen (Forts.); Holstein; Hiidesheim. — Notizen von vr. M- Creizenach.— Literarisch - Kritische Briefe. Verhältnisse -er Israeliten in Rußland. (Aus einem Schreiben von der Russischen Gränze.) Die bürgerlichen, moralischen und scientivischen Verhältnisse unsrer Glaubensgenossen in dem weiten Russischen Reiche sind wahrlich ein würdiger Gegenstand der Aufmerksamkeit, und verdienten eine besondere und ausführliche Behandlung. Eine reiche Fundgrube von nicht uninteressanten und historischen Merkwürdigkeiten würde sich öffnen, die nicht sobald erschöpft werden dürfte; aber ich betrachte jetzt eine solche Arbeit nicht sowohl von der wissenschaftlichen Seite, und von dem Gewinn für die Geschichte, sondern vielmehr von Seiten des praktischen Vortheils, den eine genauere Kunde der obwaltenden Zustande bringen muß. Zu den meisten Fortschritten gehört ein äußerer Impuls, und diejenigen, welche in veralteten Irrungen, Mißbräuchen, ja selbst beständigen Lebenswiderwärtigkciten gleichsam eingewohnt sind, empfinden die Wirkungen davon so wenig, und schöpfen auch so selten einiges Vertrauen zu regsamer Thätigkeit, daß schon die Trägheit sie abhält, selbst das, was der Geist als das Bessere erkennt, zu ergreifen und einen freundlichern Standpunkt zu gewinnnen. Meines Erachtens aber ist es gerade die Pflicht gediegener Zeitschriften, die nicht eben alltägliche Kleinigkeiten zur Unterhaltung verbreiten wollen, sondern deren Zweck ist, durch Klarheit der Erkenntniß auf die Zeit einzuwirken, den höher gebildeten Klassen und den Staatsmännern, welche theils durch geistige Mitwirkung, theils durch humane Opfer, und theils durch kräftiges Einschreiten das Wohl ihrer Mitmenschen gern befördern, diejenigen Punkte nahe zu legen, wo die Humanität einen trefflichen Boden finden dürfte. Ich sehe in den Israelitischen Annalen weit weniger eine Sammlung dessen, was geschieht, wiewohl die bedeutsamern Ereignisse nicht fehlen sollen, und in der That darin mit guter Auswahl und in ihrer pragmatischen Beziehung vorgefunden werden, als vielmehr eine Sammlung von merkwürdigen Materiallien, wie sie die Gegenwart darbietet, um einer schöner» Zukunft in die Hände zu arbeiten. Wohlwollende Staatsmänner folgen, wie die Denkenden überhaupt , welchen das Schicksal der Israeliten nicht gleichgültig erscheint, sehr gern den Bewegungen unsrer Zeii, und machen sich ein Verdienst daraus, die traurigen Eindrücke früherer Erzeugnisse zu verwischen, die edlern Kräfte zu wecken und zum Wohl der Staaten hinzuwenden. Giebt cs denn auch einen lohnendem Wirkungskreis, als den, weit verbreitetes Unglück zu tilgen, unentwickelte oder gemißbrauchte Fähigkeiten zu bilden und zu richten, Haß und Zwiespalt zu beenden und auszugleichen.

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