Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 20 (15.5.1840)
- Date
- 1840-05-15
- Page
- Seite 175 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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175 wohlbekannte Herr Leop. Stein, DistrictSrabbiner zu Burgkundstadt in Baiern, der am 21. Mär; über 2. B. M. 27. 20, 21. einen sehr lichtvollen Dortrag hielt zur Erbauung der zahlreich versammelten Zuhörer. Mit ihm zugleich war der würtembergische Bezirksrabbiner zu Braunsbach, I)r. N. Frankfurter, eingetroffen, welcher am folgenden Sabbalh über den ihm aufgegebenen Text 3. B. M. 10.3. bas Thema behandelte: „Wer ist berufen, Gott zu heiligen, und auf welche Weise soll es geschehen?" Obgleich vr. Heß von der Bewerbung zurückgetreten war, ward nichts desto weniger lediglich aus Achtung gegen ihn, die Rücksicht genommen, daß die Concurrenten nun ebenfalls zwei Mal und auch nach aufgegebenen Terten predigen sollten, vr. Frankfurter, den die Nähe des Festes und der entfernte Weg zur Heimath früher abzureiscn nöthigte, predigte nun unmittelbar darauf am 4. April „über die wahren Opfer des Israeliten in unserer Zeit" anknüpfend an die Paraschah (3. B. M. 1. 2.) und hinleitend auf Micha 6. 6 —8, als das eigentliche Thema. — Den Beschluß machte Hr. Rabb. Stein am Sabbath vordem Feste (imKAuäolxüberHadakuk 2. 2—5, indem er „ die Einheit Israels trotz der verschiedenartigen Ansichten und Bestrebungen" zu seinem Thema machte. — Wir lernten in allen Gästen sehr achtungswerthe Männer und begabte geistliche Redner kennen, die im persönlichen Umgänge nicht weniger wie von der Kanzel herab, ohne alle weitere Empfehlung als durch sich selbst, die günstigste Aufnahme sich zu verschaffen wußten, die ihnen wie den Hamburgern zu gleicher Ehre gereicht; sie alle bewährten, daß vr. Heß von dem Einflüsse des hiesigen Tempels auf die Ferne nicht zuviel gerühmt hatte. Wir dürfen in der That unseren Glaubensgenossen in Deutschland Glück wünschen, daß schon nach so kurzer Zeit eines bessern Strebens >o!che Männer, selbst in kleineren Gemeinden, als Volkslehrer wirken; wie viel ist für die nächste Zukunft zu erwarten, sobald nur Alle, die berufen sind, der Aufgabe, die zu lösen, und des Zieles, das zu erreichen, sich bewußt bleiben und von der geraden Bahn, die am nächsten zum Ziele führt, nicht sich ablenken lassen. — In der am 20. April statutenmäßig gehaltenen Wahlversammlung, bestehend auS Direction, Deputation und einem durchs Loos gewählten Comite von 15 Gemeindegliedern, ward Herr vr. Frankfurter zum künftigen Prediger am hiesigen Tempel mit großer Stimmenmehrheit gewählt. — Wenn die Aufgabe des Predigers seinem heiligen Berufe nach, nur eine einzige bestimmte sein kann, wenn lebendige Ueberzeugung, Wahrheit, Glauben, als das belebende Princip, so wie Uebereinstimmung der Lehre und des Lebens bedeutungsvoll, ja nothwendig erscheinen, und wenn aus dem innerlich Gegebenen nun das Wort aus dem Herzen hervordringen muß, um in die Herzen der Hörer wirksam und aufbauend einzubringen, so hat der Herr die Wahl gelenkt, so ist Hr. Fr. nach Allem, wie ich ihn erkannt, der an diesen Platz gehört, der meine Stelle nicht nur ausfüllen, sondern wie ich hoffe, den Geist, in welchem ich zu wirken suchte, zu neuem, gebe Gott, schönerem Leben, rufen wird. Am nächsten Sabbath. den 0. d. M. nehme ich Abschied von meiner Gememde, nachdem ich in den Festtagen deretts meine Predigten in zwei Vorträgen über die Ewigkeit geschlossen. Auch dieser Bericht werbe hier geschlossen; ein ander Mal mehr von re. vr. Kley. Holland. 'SGrafenhage, 22. April 1840. — Seine Majestät haben geruht, den Herrn Philipson, Mitglied und Secretär der israelitischen Schulcommission zu Zwolle, zum Greffier bei'm Provinzial - Gerichtshof in der Provinz Oberyssel zu ernennen, mit Bestimmung seines Wohnortes zu Zwolle. Diese Ernennung ist um so bemerkenswerther, als in dieser Provinz, wo sehr wenige Juden wohnen, noch kein Israelit zu einem öffentlichen Amte berufen worden, und die Vorschläge zu diesen Posten meist vom Gerichtshof gemacht werden. Von drei Candidaten hat S. M. den Hrn. Philipson erwählt. Dieser ist ein Schwiegersohn des bekannten Oberradbiners H. I. Hertsveld. — In Nord- und Süd- Holland würde diese Ernennung minder Aufsehen erregt haben, indem man dort es schon gewohnt ist, Israeliten in hoben Aemtern zu sehen. Beim Criminal-Gericht in Nordholland hat sehr oft den Vorsitz Herr David BoaS, Präsident der israel. Schul-Commission zu Amsterdam und nicht selten plaidiren jüdische Advokaten für die Angeklagten. Wie sehr sich hierin unser Advokat Lipman (Mitglied des Vorstandes des israelitischen Seminars) seit mehreren Jahren auszeicknet, ist bekannt. — Außer dem genannten Herrn Boas haben wir auch in Amsterdam Herrn T. Boas juo. als Friedensrichter von einem Dritttheil der Stadt Amsterdam, Herrn I. T. Philips, Polizeicommiffarius eines Stadtviertels.. Herr I. Mendes de Leon, Ritter, Mitglied des Stadtrathes, Schatzmeister der königl. Akademie der bildenden Künste re. Solche Nachrichten bedürfen freilich noch der Publicität, als Bewise, baß die Menschenrechte bei jeder Religion ausgeübt werben, können, ohne allgemeine Interessen zu benachtheiligen. _ Literatur. Jüdische Briefe. Zur Abwehr und zur Verständigung. Von Gabriel Riesser. Erstes Heft. Berlin bei Veit u. Comp. VIII und 149 S. 8. Es genügt der Name des Verfassers, um die Aufmerksamkeit auf dies polemische Merkchen zu erregen, welches, abgesehen von dem eigentlichen Zweck, den Lügengeist, der in Zeitschriften und selbst in einigen wissenschaftlichen Werken zur Unterdrückung der Unschuld Organe gefunden, durch ein kräftiges Wort der Wahrheit zu bannen, auch von Seiten der ausgezeichneten Beredsamkeit und Dialektik und gleichzeitig seines Reichthüms an treffenden psychologischen Beobachtungen und tiefgedachten Bemerkungen jedem Denker eine Fülle des anziehendsten Materials darbietet. Betreffend die höchst bedauernswerthe Blindheit, womit einige, sonst wohl achtbare deutsche Schriftsteller uns die Ungebührlichkeiten eines Heine und anderer anti-christlicher Schriftsteller aufbürben, hat Herr vr. R. sicherlich mit Erfolg gestritten, und wer es redlich meint, und nicht bloß aus Rechthaberei bei seiner Aeußerung deharrt, wird der Wahrheit die Ehre geben. Hoffentlich wirb W. Menzel hierin mit gutem Beispiele vorangehen. — Von den übrigen allgemein geltenden vorzüglichen Bemerkungen des ebeln Verf. werden wir einige Stellen mittheilen. — Vier Predigten, von V. Friedrich Mannheimer, Reliqionslehrer. Bielitz im k. k. Schlesien, 1840. 71 S. 8. Der Verfasser sagt in dem Vorworte: ,,So lange wir keine eigene theologische Fakultät haben, die über den Gang des gesammten konfessionellen Lebens, so wie über die Fähigkeiten und das Wirken der jüdischen Volkslehrer wache (das wäre eine schöne Einrichtung!) und so jeden Fortschritt sich selbst und der Glaubensgemeinde zum Bewußtsein bringe: so lange kann man es angehenden Religionslehrern nicht übel nehmen, daß sie sich durch den Druck ihrer Predigten gleichsam bei'm Publikum einführen, und gewissermaßen auch legitimiren wollen. „Auch meint er, da die Rabbinen-Atteste keine zuverlässige Gewähr geben, so sei es nicht unschicklich mit der Herausgabe von Predigten seine Laufbahn zu beginnen, um gleichsam den Weg anzugeben, den man einzuschlagen gesonnen sei!" Nun, der Himmel bewahre uns vor Verbreitung dieser Grundsätze,, sonst haben wir mindestens alle Jahre u mal so viel Predigten als Candidaten da sind und hinzukommen, zu erwarten! Und was würde da aus dem Meßcatalog? — Wir wären der Meinung, daß junge Männer recht wohl die Zeit der Reife adwarten könnten, indem die Herausgabe ungenießbarer Früchte ihnen selbst nur nachtheilig sein kann. Die Mangelhaftigkeit wird eher herausgefunden als die besseren Keime, die solche Arbeit etwa in sich schließt. Gekauft werden dergleichen Jugendversuche ungern, gelesen gar nicht, außer theilweise von Recensenten, und da ist nicht viel Aufmunterung zu hoffen. Wir rathen allen angehenden Radbinen, wenn sie schon der Welt etwas zeigen wollen, zunächst auf dem Gebiete der