Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 20 (15.5.1840)
- Date
- 1840-05-15
- Page
- Seite 176 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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170 Wissenschaft zu erscheinen, wo eS immer noch zu thun giedt, und wo niemand als unbescheiden abgewiesen wirb, sobald er nur einen Geist entwickelt, der einen tüchtigen Mitarbeiter verspricht. Die Gesinnung mag sich anderweitig bewähren; aus Predigten wird niemand sie deurtheilen. — Die vorliegenden vier Predigten, welche gewöhnliche Themata behandeln, sind in gutem Deutsch und vollkommen populär geschrieben; sie enthalten mannigfaltige, für kirchliche Vorträge geeignete Gedanken und Betrachtungen; jede Predigt ist in mehrere Abschnitte ohne ängstliche Logik eingetbeilt, und mit einer ausführlichen Einleitung versehen; außer der heiligen Schrift und dem Thalmud werden auch bisweilen profane Dichter, wie Schiller S. 1?, angezogen! Die Hälfte des Ertrages (nach Abzug der Kosten) ist der Creirung einer solchen Ober-Eonfessionsbewachungs-Behörde bestimmt, me sich der Verf. eine Fakultät denkt. (Da diese aber noch sehr problematisch sein dürfte, so war eventualiter noch eine andere Verfügung über diese Summe zu treffen!) — Wir halten diese irrige Vorstellung von einer etwaigen Fakultät der Aufmerksamkeit werth; sie zeigt, mit welcher Vorsicht man zu Werke zu gehen hätte, damit sie eben nicht das werde, was Viele sich darunter denken! Literarische Nachrichten. In Beziehung auf das Schreiben in den Annalen 1810 Nr. 3 von Hrn. Kohn, worin sehr sach- und zeitgemäß auf das Fehlende in der israelitischen Literatur aufmerksam gemacht wird, ersuche ich Ew. in den Annalen zur Oeffentlichkcit zu bringen, daß seine Hoffnung, „nicht eitle Wünsche ausgesprochen zu haben" erfüllt werden wird. Oie Klage des Herrn Charbonah S-Xi, daß es heut zu Tage das erste ist, eine Idee auszusprechen „und oft zugleich auch Alles ist," möge also auch hier keine Anwendung finden. Ich werbe gleich Nr. 1 nämlich „die Apokryphen in deutscher Uebersetzung mit einer Einleitung und Erläuterungen" zu liefern übernehmen. Nun kenne ich aber auch das Schwierige und Mißliche einer solchen Arbeit, indem man nothwenbig in den Anmerkungen für den Einen zu viel und für den Andern zu wenig herandringen wirb. Daher lege ich hier meinen ganzen Plan nebst einer Probe einem gelehrten Publikum vor mit der Bitte, wenn sich ein Mißgriff hierbei finden sollte, mich eines Bessern zu belehren. Sollte sich indessen einer unsrer Koryphäen dieser Arbeit unterziehen wollen, so bin ich bereit, die meinige für mich zu behalten. Mein Vorhaben ist, die Apokryphen von Neuem aus dem Griechischen zu übersetzen. Bekanntlich sind die gewöhnlichen Versionen nicht alle aus dem Griechischen Texte geschöpft; so hat z. B. Hieronymus laut seiner Vorrede zum Buche Tobias nach einem chaldäischcn Texte übertragen, welchem Luther folgte, der wesentlich vom griechischen Texte abweicht. Letzterer verdient aber vorzüglich berücksichtigt zu werben, weil diese Bücher entweder ursprünglich griechisch geschrieben, oder doch unmittelbar aus dem Hebräischen in das Griechische übersetzt wurden, wie sich aus den Einleitungen ergeben wird. Der griechische Text liegt nun auch noch im Argen, und seit 1804 ist noch keine speciale Ausgabe der Apokryphen, so viel mir bekannt ist, erschienen; daher werden Eollationen und gegründete Conjekturen mir sehr erwünscht sein. Den Ertrag dieser Arbeit widme ich einem hier zu errichtenden Handwerks- und Wohlthätigkcits-Verein. Probe einer neuen deutschen Uebersetzung der Apokryphen. T o b i a. +) 1) Das Buch der Geschichte des Tobia, Sohnes des Tobiel, des Ananiel, des Aduel, des Gabael, von den Nachkommen des Asiel aus dem Stamme Naftali, *) Der Name Tobia kommt vor den Zeiten des zweiten Tempels nicht vor, welches auch zu den Beweisen ge- 2) welcher in den Tagen des Enemessar* *), Königs von Assyrien, aus Tischbi als Gefangener weggeführt wurde. Das liegt zur Rechten von Kedefch Naftali **) in Galiläa oberhalb Äser. Ich Tobia wandelte in den Wegen der Wahrheit und Gerechtigkeit alle Tage meines Lebens. 3) Auch habe ich viel Barmherzigkeit erzeigt meinen Brüdern und dem Volke, welches mit mir wanderte in das Land Assyrien nach Ninive. 4) Und als ich noch in meinem Lande, in dem Lande Israel war, in meiner Jugend, und der ganze Stamm Naftali, der meines Vaters, vom Hause Jerusalem abfiel, welches auserlesen war aus allen Stämmen Israels, damit alle Stämme da opferten, und wo der Tempel zur Wohnung für den Höchsten geheiligt und für alle Geschlechter auf Ewig gebaut wurde ic. — Bei dieser Gelegenheit mache ich auf eine andere Lücke in der israelitischen Literatur scientivischer Art aufmerksam. In den besten und zahlreichen Forschungen über jüdische lliterarhistorie wird allenthalben Rapaport citirt, besonders in den Biographien. Diese aber finden sich zerstreut in der Zeitschrift Bikure Haitim. Solche Zeitschrlften sich anzuschaffen ist nicht die Sache eines jeden Gelehrten, der dennoch dieselben zur eignen Belehrung besitzen möchte. So bin ich überzeugt, daß im ganzen Regierungsbezirk Trier nicht ein einziges vollständiges Exemplar davon vorhanden ist, ungeachtet es mehrere daselbst gibt, welche die Biographien Rapap. zu besitzen wünschen. Es würde daher einem ziemlich gefühlten Bedürfnisse abgeholfen werden, wenn der ehrwürdige Verfasser diese Biographien zusammen besonders herausgäbe. Dabei würde Herr Rapaport Gelegenheit haben, dieselben zu verbessern und zu vervollständigen, auch Angriffe zurück zu weisen, welche das letzte Iahrzehend herbeiführte. Daß solche vpuseula reichlichen Absatz finden werden, ist kaum zu bezweifeln. Eine andere Lücke würde eine neue Ausgabe deL T achte moni von Alcharisi ausfüllen. Fast in allen Zeitschriften der Israeliten finden sich sehr schöne und gelungene Uebertragungen einiger Makamen desselben. Ader selten ist das Original zu haben. Außer dem Extrait du Sefer Tahkemoni par M. le Baron Silvestre de Sacy. Paris. Impr. Royale. 1833, konnte ich nie eine Ausgabe §) davon zu Gesichte bekommen, während ich doch schon so manche Bibliothek durchstöberte. Eine neue Auflage davon wäre wahrlich für die Wißbegierigen eine wahre Wohlthat. DaS Interesse dafür scheint hinreichend durch die übersetzten Stücke geweckt zu sein. M. Heß in Trier. rechnet werden kann, daß Vers 2 eine Fiktion sei. In der Schreibung der Eigennamen gedenke ich der Zunzschen Manier in dessen Bibelübersetzung zu folge». *) Hieronymus, der laut seinem Vorworte zu diesem Buche aus dem Chaldäischen übersetzte, hat dafür Salmanasar, welcher bekanntlich 723 vor der üblichen Zeitrechnung, Hoschea, den König von Israel, gefangen nahm, Schomron nach dreijähriger Belagerung eroberte und dem Königreiche der zehn Stämme nach einer Dauer von 258 Jahren ein Ende machte. 2. Reg. 17, 3. Demnach wäre auch hier Schalmanaser zu lesen. **) Kedesch Naftali kommt auch vor Richter 4, 8. und als in Galiläa gelegen, wirb es Jos. 21, 32. angegeben. Daher hätte auch der Verf. des Aufsatzes in der Synagoge 2, 4. S. 246 bei Galiläa nicht auf die Mischna, sondern auf den angeführten Vers verweisen sollen. §) Es giebt bren 3. Constantinopel 1540 u. 1578 (nach Andern, die das n mitzählen, auf 1583) und Amsterdam 1729. Eine neue Ausgabe wäre um so erwünschter, wenn die bedeutend verschiedenen Codices verglichen würden. D. H. Druck und Verlag von Johann Dav^id Sauerländer in Frankfurt am Main.