Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 19 (8.5.1840)
- Date
- 1840-05-08
- Page
- Seite 167 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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167 kam nickt zu Stande. Nun wurden von uns solche Zusammenkünfte verabredet, bald aber mußten dieselben, durch Collistonen gestört, wieder eingeben. Nur eine hatte Bestand. Wir kamen nämlich regelmäßig jeden Sonnabend zur bestimmten Stunde in unfern Privatwohnungen zusammen, wo jedesmal Einer von uns eine Rede hielt, welche unmittelbar nachher der Reihe nach von Jedem deurtheilt wurde. Ein Versuch, auch ein größeres Publikum zu diesen Reden zuzulassen, wurde Hintertrieben, konnte doch nicht ganz verhindert werben. Die Zuvorkommenheit und die Bereitwilligkeit mehrerer dortigen Hausväter, den unbemittelten jüdischen Theologen durch Unterstützung zu Hülfe zu kommen, überhaupt bei jeder Gelegenheit mit Rath und Thal deizustehen, muß gerühmt werden und den Obengenannten immer, mutatis mutaiuiis, die Namen Wolf, Seligmann, Oppenheim und ganz besonders Jonas Cahn, in dankbarem Andenken bleiben. Man konnte damals nie eine solche Meinungsverschiedenheit, wie sie sich nachher bekanntlich zwischen Hirsch und Geiger kund gab, wahrnehmen, obgleich es scharfsichtigen Beobachtern nicht entging, welcher praktischen Richtung beide folgen würden. 3*. Literatur. Geschichte der Juden in Sachsen mit besonderer Rücksicht auf ihre Rechtsverhältnisse, zum Theil nach archivarischcn Quellen bearbeitet rc. (Schluß.) Sogleich auf den ersten Seiten finden wir diese Unklarheit. Er meint S. 3 in Sachsen seien den Verfolgungen Vorwände geliehen worden, welche von denen in andern Ländern gänzlich abweichen, und findet also darin charakteri-! stisches für Sachsen. Allein alles, was er als Beleg anführt, j füllt in stärkerm Maße die Chroniken aller deutschen und > auswärtigen Länder, als Oesterreichs, Baierns, Mecklen-! durgs, sogar Belgiens, Frankreichs, Englands und insbesonj dere Polens. — S. 4 heißt es, die Juden hätten eher geglaubt, bei den Christen Schutz erwarten zu dürfen, als bei Wenden und (andern) Heiden. Ader woher ergibt sich, daß unter letztern in Sachsen bereits Juden gewohnt haben? — Was über die Rechtsverhältnisse im Reiche S. 5—7 gesagt wird, ermangelt aller Anschauung, und was der Verf. aus unsrer Geschichte der Israeliten entlehnt hat (die er überall mit ganz unrichtigem Titel, als: Geschichte des jüdischen Volkes, zitirt, eine unbegreifliche und unverantwortliche Nachlässigkeit) tritt augenscheinlich als bloßes flüchtiges Ercerpt hervor, und ist kaum recht zu verstehen. — Die Bestimmungen aus dem Sachsenspiegel S. 8 ff. sind ebenfalls nur ercerpirr, ohne Genauigkeit und mit wild eingesireueten Bemerkungen dahin gestellt, so daß sie fast un- , kenntlich gemacht find. — Sonst aber folgen bis S. 39 ei- > nige Hinweisungen auf interessante Aktenstücke jener Zeit.! Hiezu rechnen wir besonders die 1682 erlassenen Verordnungen über den Meßbesuck. Der merkwürdigste Zeitraum ist der dritte, von 1733 bis zur Constitution, wo in der Thal die seltsamsten Verfahrungsweisen der Gesetzgebung und Justiz Betrachtungen Hervorrufen, welche nicht verfehlen können, auf die^Emanzipationsfragc günstig einzuwirken. Es ist wahrlich schade, daß der Verfasser den mitunter sehr fruchtbaren Stoff immer nur nach einer Richtung hin, nämlich zu satyrisch sein sollender Durchziehung der Verkehrtheiten verarbeitet, sonst aber gar nicht in eine ernstere Charakteristik der Verhältnisse sich einläßt. So übereilt wie die Zusammenstellung der Thatsachen. eben so verworren flüchtig, oft ganz unzusammenhängend, ist der Styl und der Ausdruck. Hiervon giebt jede Seite Belege. Z. B. S. 12. „die Bauern in (!) Gotha nahmen aus eigener Willkür (!) den Juden ihre sämmtliche (!) Habe und enthaupteten (!) eine bedeutende Anzahl" u. s. w. S. 16. „So wie sich H. d. E. diesergestalt um die Verbesserung des Rechlszufiandes der I. ein Verdienst erwarb, das denen gleich zu stellen ist, welchen ihnen (ihn) überhaupt als einen um die innere Organisation des Landes sehr wohlbedachten Fürsten darstellen, so u. s. w." S. 21. „Der biedere Herrscher, von dessen Rechtlichkeitsgefühl und Eifer für das Gute die sächs. Annalen die deutlichsten Spuren zu erkennen geben (!) hat wohl schwerlich an seinen Schützlingen in Gemeinschaft des Padstes (!) solche Grausamkeiten verübtu.s.w." S. 22. „Das Morden .... erhob sich auch in Thüringen gegen (!) sie, besonders in Erfurt." Hier aber bereüeten sie, d«e sich ohne Rettung verloren sahen, sich selbst einen Scheiterhaufen (!) und verbrannten sich in ihren Häusern!" S. 41 — 46 ist von allerlei Verordnungen aus dem 16ten Jahrh. die Rede, S. 46 wird etwas vom I. 1565 angeführt; und danach heißt es S. 4?: „Noch um die Mitte des 16ten Jahrh. ward ein solches (!) Gesetz des letztern Inhalts erlassen..Wer versteht das? — S. 69. „Eine Einrichtung, die bis zum Anfang des künftigen (soll heißen des gegenwärtigen!) Jahrhunderts fortdestand." — S. 33 befindet sich eine Bemerkung: „Hiermit ist am deutlichsten der von dem gelehrten Verfasser der „Geschichte des Jüdischen Volk" (sie!) stets erhobene Widerspruch gegen diese Benennung (näml. Kammerknechte) beseitigt." — Was mag wohl diese Bemerkung meinen, wo ist der stete Widerspruch zu finden? — Aehnliche Uebereilungen sind in großer Anzahl vorhanden. Somit schließen wir diese Anzeige, mit dem aufrichtigen Bedauern, daß das vorliegende Werk uns nicht besser befriedigt hat. Uedrigens ist es darum doch immer als historisches Hülfsmittel brauchbar und der Inhalt öfters anziehend, wenn gleich größtentheils leider sehr unerfreulich. I. Neue Erscheinungen. py -hd Die Alten Gebete der Israeliten. Uebersetzt und durch Anmerkungen erläutert von M. I. Landau. Prag bei M. "I. Landau. 1839. in IS. Eine recht schöne, compendiöse Ausgabe; Tert correct; Uedersetzung sehr gut ausgedrückt. Das Ganze gefällig und zweckmäßig. __ Ebendaselbst dy») 2^2 iron > 1840. nach polnischem, böhmischem, mährischem und ungarischem Ritus, mir allen rituellen Zugaben. IS Bogen 8., deutlich gedruckt und correct. — Eine für den Synagogengebrauch sehr empfehlenswerthe wohlfeile Ausgabe. . _ mnn uv nee bv wi uvb "rorra Gebeden de Hollandsche Israeliten voor den eersteu en tweeden dag van het Paasch- Feest. Het hebreeusek in de beste ordc bijeen gebragt en magazien door G. J. Polak en de nederduitsche vertaling onder desselfs toezigt bevverkt, door M. 8. Polak, Amsterdam by D. Proops Jacobzoou 5600. 1840. gr. 8. Ein Theil der sehr schönen Ausgabe des nattfn ‘zub nins sehr correct und splendid gedruckt. Die Uedersetzung sehr ireffend und gut. Die gewöhnlicken Gebete darin find nach der trefflicken Uedersetzung von S. I. Mulder ausgenommen. Der Herausgeber, Herr G. I. Polak, ist der Verfasser der unter dem Titel in Amsterdam bei David Prvpps 1836 erschienenen Gedichte und Reden in hebräischer Sprache, welches vortreffliche Denkmal einer ausgezeichneten! Gewandtheit im reinen hebräischen Ausdruck, wir hier gern! noch einmal in Erinnerung bringen.