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Israelitische Annalen · 1840-05-08 · Heft 19 (8.5.1840) · p. Seite 166

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 19 (8.5.1840)
Date
1840-05-08
Page
Seite 166 (sequence 6)
Language
German
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166 Berlin. April 1840. — Die Angelegenheiten der hiesigen Gemeinde gehen ihren gewöhnlichen Tang, ohne daß eine besondere Thätigkeit hervorträte, die auf eine bessere Einrichtung der religiösen Anstalten und Feierlichkeiten hin. zielte. Die würdigere Vertretung der Gemeinde in neuerer Zeit durch einen wohlgewählten Vorstand vermag nicht viel bei der Abneigung der meisten begabten Gemeinde-Mitglieder in öffentlichen Dingen mitzuwirken, und bei der Widersetzlichkeit der Minderbegabten, welche eben im Widerstande einige Geltung suchen. Wir bedürfen einer gesetzlichen Anordnung, wie solche schon im Edikte von 1812 verheißen ist. Man hat bisher freilich so manches Schöne und Gute ins Leben gerufen, und die Wiberstrebungen durch die Erfahrung selbst überwunden. Allein so lange eine Gemeinde nichts weiter ist, als eine beitragende Gesellschaft, und das religiöse Moment gar nichts zu gelten scheint, kann ihr größerer Umfang nur um so gegründetere Sehnsucht Hervorrufen, daß sie durch Einigkeit und gemeinschaftliches Wirken den kleinern Gemeinden ein Beispiel und Muster darbiete, wozu wohl noch Zeit gehören wird. Inzwischen gedeihen die Schulen, unter denen die Volksschulen hier der Erwähnung werth sind, — die Eröffnung des Seminars wird noch erwartet. Ungeachtet der großen Anzahl vortrefflicher Bilbungsanstalten, welche hier die Errichtung cvnfessioneller Schulen unnöthig zu machen schien, hat doch nach einer langen Reihe von Jahren der Erfolg das Gegentheil dargethan, und die Gemeinde hat es nicht zu beklagen, daß sie außer der älteren Knabenschule noch eine Mädchenschule errichtet hat. Beide, erstere unter dem durch Herstellung einer Waisenanstalt um die Gemeinde sehr verdienten Hrn. B. Auerbach, letztere unter dem als Schulmann ausgezeichneten Hrn. Engelmann, stehen in blühender Wirksamkeit. Die Knabenschule hat im Ganzen mit geringer» Schwierigkeiten zu kämpfen, ihre Leistungen haben sich nicht über die des gewöhnlichen Elementarunterrichts hinaus zu erstrecken, und wenn sie etwas weiter ausgedehnt worden, so hat man dabei die mögliche Vorbereitung mancher fähigen Knaben zu höheren Schulen im Auge gehabt. Wichtiger für die ganze Umgestaltung der häuslichen Erziehung, namentlich der minderbemittelten Volksklasse, wo eine Vernachlässigung in dem, was zu den wesentlichsten Erfordernissen der zeitgemäßen Volksbildung gehört, gar häufig wahrgenommen ward, ist die Mädchen-Anstalt. Es kommt hier weniger auf die Menge der Lehrgegenstände an, als auf Gewöhnung an bestimmte geregelte Thätigkeit und Ordnung, auf Feststellung der religiösen Begriffe, und auf Ausbildung der Geistesfähigkeiten und der Anlagen, sowohl in Betreff des nöthigen Wissens, als der zum Leben unentbehrlichen Fertigkeiten. Die jüngste Prüfung, welche am 8. d. stattfand, und bei welcher wiederum, mit Recht jede auf Effekt berechnete Vorbereitung vermieden ward, hat bewiesen, wie viel in allen diesen Beziehungen geleistet werben kann, und wirklich geleistet worden. Wenn wir öfters in öffentlichen Blättern den Tadel hören müssen, daß die Anstalten unserer Gemeinde zu sehr nach Aeußerlichkeit strebten, baß die Prüfungen nur Auffallendes zeigten, und daß mitunter Programme erschienen sind, die durch Buntscheckigkeit des Inhalts und großsprecherische Marktschreierei das Vertrauen verminderten, und obwohl niemals von den Vorgesetzten Behörden gebilligt, doch auf den hier herrschenden Geist ein schillerndes Licht warten, so trifft dieser Vorwurf die hier besprochene Schule keinesweges, und bas ist ein Vorzug, den wir uns überall aneignen sollten. Denn bescheidenes und gewissenhaftes und geräuschloses Wirken wirb dauernd anerkannt. Die Schülerinnen aller drei Klassen haben durchweg ihre stufenmaßigc Kunde der deutschen Sprachregeln und deren Anwendung entwickelt; insbesondere ist der Erfolg im mündlichen Ausdruck, ftüher so sehr verderbt, wahrhaft erfreulich. Sehr zu loben ist es, daß Hr. E. nicht in die Verkehrtheit, Theaterscenen deklamiren zu lassen, eingegangen ist, wie dazu anderweitig bas Beispiel gegeben worden; denn dergleichen Künsteleien gehören nicht in die Volksschule. Außerdem ist in der Uebersetzung der hebräischen Gebete und im Religionsunterricht, so auch im Gesang und in den sonstigen Schulgegenständen die Erwartung übertröffen worden. Der Eindruck war so wohlthuend, daß dem Herrn E. eine anerkennende Zuschrift nebst einer den besten Schülerinnen zu ertheilenben Geldprämie, übersandt worben. Wie sehr die Schule Bedürfniß ist, stellt sich durch die steigende Anzahl der Schülerinnen heraus, deren im verwichenen Jahre 128 da waren. Alle besuchen die Anstalt regelmäßig und mit liebender Anhänglichkeit, wodurch der Erfolg um so leichter erzielt wird. Wir finden in der ganzen Gemeinde gleichen Eifer für diese Schule, die, wenn sie noch etwa die französische Sprache mit in ihren Kreis zöge, sich einer noch viel bedeutendern Frequenz erfreuen würde. Es heißt, daß man die Hinzufügung einer höhern Klasse beantragen wolle. Die aus der Schule entlassenen Mädchen besitzen hinlängliche Fähigkeit, um sich anständig zu ernähren, und werden auch theilweise noch weiter unterstützt. — Außer den Volksschulen eristirt hier noch ein Privat- Jnstitut, welches den Charakter einer höhern Bürgerschule behauptet. Alle übrigen sind nach und nach eingegangen. lieber das Seminar werden wohl demnächst offizielle Mittheilungen gemacht werben. Notizen über einige gegenwärtige isr. Rabbinen und Gelehrte. Bei den divergirenden Aeußerungen eines Geiger und Hirsch ic. wird wohl Mancher fragen, aus welcher Quelle schöpften diese? wo ward der Grund zu ihrer Ausbildung gelegt? und standen sie sich immer so schroff gegenüber? Dies beabsichtige ich vermittelst folgender Nachrichten zu beantworten. In den Jahren von 1829 — 34 trafen zufällig successioe mehrere junge Leute in Bonn zusammen, um sich auf der dortigen hohen Schule auszubilben. Referent sah sie alle ankommen und gehörte selbst zu ihrem Freundschaftsbunde. Dr. Ullmann, gegenwärtig Präsident des israelitischen Consistorium in Krefeld; Frensdorf, israelitischer Oberlehrer in Hanover, besonders fleißig im Studium des Massora; Gruenebaum, Oberrabbiner zu Landau, durch einige kleinere literarische Arbeiten bekannt; Dr. Geiger in Breslau; Hirsch, Landraddiner zu Oldenburg, beide hinlänglich bekannt; Dr. Scheyer, Uebersetzer und Herausgeber des More Nebuchim; Dr. Dernburg, bekannt durch Beiträge in mehreren Zeitschriften; M. Heß, privatisirend in Trier; Rosenfeld, dessen Wirkungskreis dem Referenten unbekannt ist. Munk verließ damals Bonn, um in Paris sich zu vervollkommnen, eben so Dr. Jsler, der sich dem philologischen Fache widmete (jetzt in Hamburg Mitvorsteher der Erziehungsanstalt seines Vaters). Da unser Streben nach einem Ziele gerichtet war, so wurde dasselbe die Veranlassung zu einem freundschaftlichen Bunde, dessen Zweck unsere gegenseitige Belehrung sein sollte. In Ermangelung einer jüdisch-theologischen Fakultät und überhaupt eines jeden Regulativs, wonach jüdische Theologen ihre Studien einzurichten haben, besuchten wir. verschiedene Auditoriä, welche entweder zur allgemeinen Bildung gehören, oder der Neigung eines Jeden von uns besonders zusagten. Niebuhr, Huellmann, von Schlegel, Freitag, Brandts re. konnten sich niemals über Mangel an Aufmerksamkeit von Seiten ihrer jüdischen Zuhörer beklagen. Ost wurde der Wunsch geäußert, , unter der Leitung eines Oberhauptes auch für das eigentliche rabbinische Fach Studien zu machen, aber der dortige Oberrabiner Hr. Auerbach hat aus nicht anzugedenden Gründen diesem nicht entsprochen, obgleich derselbe privatim gern den Lernbegierigen mit Rath und Thal zu Hülfe kam. Referent versuchte einmal die Anwesenheit des berühmten Herrn Lehren aus Amsterdam zur Gründung einer solchen Anstalt zu benutzen, was sich um so leichter daselbst hätte bewerkstelligen lassen, da durch ein Legat des seligen Herrn Baruch eine schätzbare hebräische Büchersammlung der Gemeinde übergeben worden, um Studirenden unentgeldlich geliehen zu werden, und zwar unter Aufsicht des jedesmaligen OberrabbinerS. Allein sie

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