Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 19 (8.5.1840)
- Date
- 1840-05-08
- Page
- Seite 163 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3133765-3133820-3133840--0662-3134826- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
163 niffhinzuweiftn, «nb unter den zahlreichen, auf dem ganzen Erdenrund verbreiteten Lesern dieser Annalen vorläufig einige würdige Männer für die Idee zu gewinnen; sie werden schon dieselbe sorgfältiger und sachgemäßer zu entwickeln wissen. Vor allem wünsche ich, daß viele Gelehrte ihre Kräfte vereinen mögen zu einer Encyclopädie der jüdisch-theologischen und literarischen Kenntnisse. Ein großartiges, aber ohne Zweifel überaus nützliches Werk, das ein Einzelner und wenige Einzelne nicht Herstellen können. Die verschiedenen Talente und Richtungen müssen hier die Ergebnisse ihrer vieljährigen Studien und Arbeiten Zusammentragen, der Exeget, der Rabbiner, der Philosoph, der Kabbalist, der Antiquar, der Historiker und jeder, den irgend das jüdische Schrifthnm der Vorzeit beschäftigt, muß die Punkte, welche ihm nahe liegen, mir möglichster Kürze und Klarheit beleuchten, und der weitern Forschung übergeben, indem zugleich die Quellen nachgewiesen werden. In dieser Schatzkammer muß sich alles beisammen finden, was als Ertrag der jüdischen Studien von ihrem Beginne bis auf die gegenwärtige Zeit anzusehen ist, mit Auslassung aller der vielen Nebendinge und weitläufigen Erörterungen, die so sehr die Uebersicht erschweren, die Zeit verkümmern und die Geduld erschöpfen. Wir bedürfen der zeitersparenden Uebersicht, nicht bloß des ganzen Kreises der biblischen Exegese und Hermeneutik, sondern auch der übrigen wissenschaftlichen Leistungen unsrer Gelehrten in Gesetzkunde und philosophischer Begründung der Systeme, der eigenthümlichen Auffassung historischer, physikalischer, theosophischer, mythischer Kenntnisse und Ansichten, der vielen literarischen Versuche, welche einen bleibenden Werth haben, und endlich der Thaten unsrer Vorgänger und ihre Einwirkungen auf den Volksgeift und dessen weitere Entwickelung. Wie weit aussehend ein solches Werk auch erscheinen möge, es ist im Bereiche der Möglichkeit. Nur erfordert es ein Moment, welches unsrer Zeit bisher ganz abging, und welches zunächst zu gewinnen wohl allein schon würdig genug wäre, um seinetwillen unfern Vorschlag mit einiger Theilnahme zu betrachten; dies eine Moment wäre ein friedliches Gesammtstreben der heutigen Gelehrten, wie solches uns in den frühern gemeinsamen Arbeiten derer, die den Sammler Herausgaben, als Muster vorschwebt. In der Thar sehen wir jetzt die Zwistigkeiten wachsen, sei es, daß mit dem Fortschritte in den Wissenschaften auch die Systeme weiter auseinander gehen, und die Meinungen stärker einander widerstreiten, sei es daß die Ehrsucht und die Luft sich geltend zu machen, mit absprechender Harte über andere urtheilt und den Widerspruch reizt, sei es, daß das üble Beispiel der Zeitschriften überhaupt die Schriftsteller in der Gewohnheit bestärkt, nur immer im Fremden Mängel aufzusuchen und einander auf diese Weise anzugreifen, mehr zur Unterhaltung und Belustigung der Zuschauer, als zum Frommen der Wissenschaft. Wie lange soll dieser, jeden Verständigen bereits anekelnde Unfug noch dauern? Welchen Begriff sott man sich von den Fortschritten unsrer Zeit machen, wenn dirSder ganze Erfolg des gewonnenen Lichtes ist, dass die Vertreter der Wissenschaft nur auf öffentlichen Plätzen erscheinen, um bald mit offenem bald mit geschlossenem Visir dem Zunftgenossen einen Streich beizubringen? Ich zweifle nicht, daß alle Besserdenkenden mir hierin beipflichten, daß die Zeitschriften höheren Zwecken gewidmet sein sollen. Wohlan denn', ihr Gelehrten, vereinigt eure Kräfte, statt einander an« zufeinden, reichet einander brüderlich die Hand, und versuchet durch einen gemeinsamen Bau ein Denkmal unsrer Zeit herzuftellen, welches euch zur Ehre gereicht und dessen weitere Vervollkommnung ganz Israel von unendlichem Nutzen sein wird. Was aber die Ausführung anbelangt, so will ich auch dazu einen Vorschlag machen. Jeder Gelehrte mache ein alphabetisches Verzeichniß derjenigen Stücke, welche er als die zuverlässigsten Resultate seiner Studien klar darzustellen, sich fähig fühlt, und sende dasselbe an die Redaktion*), welche nach einiger Zeit über die eingegangenen Verzeichnisse , und zwar m i t oder ohne Namen der Verfasser, je nachdem diese es wünschen, Bericht erstattet, so daß jeder Andere erfährt, welche Artikel ihre Erledigung bereits gefunden haben oder finden werden. Sehr wünschenswerth wäre die Beispielsweise Beifügung einiger Artikel in der Ausarbeitung, theils als Muster zur Nachachtung, theils als Versuch zur Beurtheilung. Sobald auf diese Weise die Arbeiten begonnen haben, zweifeln wir nicht, daß sich immer mehr Gelehrte anschließen werden, und die Sache wird sich von innen heraus entfalten und erfreulich gedeihen! — So viel vorläufig! Die Männer der großen Synagoge. (Hypothese über den Ursprung dieses Namen»-) Von vr. Wassermann, Rabbiner. Eine der wichtigsten, wenn nicht gar die wichtigste Epoche der jüdischen Religionsgeschichte, bildet die letzte Hälfte des ersten Jahrhunderts nach der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft. 3» dieser Zeit haben wir die Wurzel fast aller Institutionen des spätem Iudenthums, den Anfangspunkt unseres jetzigen Gottesdienstes, unserer Liturgie, unserer eigenthümlichen Schrift-Auslegung zu suchen. Um so bedauernswürdiger ist es, daß dieser Zeitabschnitt mit seinen Zuständen in so dichtem Dunkel eingehüSt liegt, aus welchem nur die allgemeinsten Thatsachen, von der Geschichte oder Tradition erhalten, hervorragen, um dem Forscher als Leitsterne und Wegweiser zu dienen. Zu diesen Thatsachen gehört sonder Zweifel auch das Bestehen des großen ConcikiumS, das unter Esras Auspicien zusammen getreten war, und dessen Mitglieder unter dem Namen „die Männer der großen Synagoge" (rprun dd:d *) Jedoch portofrei. Die Bemühung, alles zu ordnen und nach den Wünschen der Herren Verf. zu benutzen, übernehmen wir sehr gern. Wir werden dazu dann eine besondere Rubrik: Encyclopädie der theologischen literarischen Angelegenheiten entrichten und regelmäßig über den Fortgang Auskunft ertheilen. D. H. 19*