Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 19 (8.5.1840)
- Date
- 1840-05-08
- Page
- Seite 162 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3133765-3133820-3133840--0661-3134825- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
162 ten; daß vielmehr eine strengere und würdigere Vertretung des religiösen Bekenntnisses den Beweis zu liefern Habe, wie sehr die zeitherigen Leiden, Drangsale und Entartungen nur die Wirkungen verkehrter Behandlung war und in manchen Ländern noch ist. Somit ist nun reicher Stoff zu fleißigen Arbeiten gegeben. Da kann es denn nicht fehlen, daß jeder seine Fähigkeiten an dem versucht, was ihm nahe liegt. Es zeigt sich dieser muntere Lebensgeist bald an zeitgemäßer Umbildung erstarrter und entseelter Formen, bald in feuriger Volksrede, bald in der Schule bei'm Jugendunterricht, bald in der Werkstatt des Handwerks; in Studien der Gelehrten, in Werken der Wissenschaft, im Ringen nach Erkenntniß, in Forschungen und Entdeckungen, in gegenseitigen Fehden und Streitigkeiten, in dreistem Ankämpfen gegen ältere und jüngere , innere und äußere Feinde der Wahrheit und der Humanität. Es kann nicht fehlen, daß selbst die gleichgültige Menge endlich mit zur Theilnahme gereizt wird, daß sic Wohlgefallen findet an einer Achtung einfiößenden Vertretung, daß sie diese erkennend, zugleich gern beiträgt, sie zu beleben und zu befeuern. Dadurch erklärt sich uns die weite Verbreitung und Vielfältigkeit des Thuns, und die mannigfachen Gestaltungen der mehr oder minder glücklichen Anfänge. — Umfassendere Projekte tretet dabei mitunter hervor, oft von einer starken Phantasie für zu leicht ausführbar gehalten, und darum nicht gelingend. Solche Versuche sind aber darum nicht zu verwerfen; der Anklang, den sie finden, ist ein Prüfstein der vorgerückten Reife, und was im Großen noch nicht an der Zeit ist, beginnt dennoch im Kleinen wohlthucnd zu gedeihen. Wir haben schon Gelegenheit gehabt, verschiedene vereinzelte Pläne durch die Annalen zu veröffentlichen, ohne auf ihre Förderung für jetzt zurückzukommen; diejenigen, welche für deren Durchführung wirken, werden zur Zeit Rechenschaft geben, wie weit sie damit vorgerückt sind. Ein neues theilen wir in folgendem mit, allerdings wünschend, daß es zum Nutzen der Wissenschaft und des Lebens reifliche Würdigung finden möge. Die Umgestaltung, welche selbst das Material der israelitischen Studien in der Ansicht der Neuzeit gewonnen hat, scheint Vorarbeiten eigener Art zu erheischen, um dasselbe in seiner Reinheit und Vollständigkeit zur klaren Uebersicht zu bringen. Die Annalen bilden einen natürlichen Mittelpunkt, in welchen alle Radien der hierbei in Anspruch zu nehmenden wissenschaftlichen Thärigkeit Zusammentreffen könnten,, und die Redaktion würde sich freuen, zur Realisirung kräftig mitzuwirken. _ An alle Gelehrten Israels. i (Sinngetreue Uebersetzung.) Es ist nicht zu leugnen, daß seitdem die Sonne der europäischen Civilisation ihre Strahlen auch in unsere Gemeinden verbreitet hat, eine Menge rrefflicher Geister sich hervorgethan und Neues und Gutes geschaffen haben, davon unsere Vorfahren keine Ahnung hatten; ihre Werke erfreuen uns und machen uns Ehre. Aber darum mögen wir uns nicht dem Wahne überlassen, daß Alles abgethan und nichts mehr zu leisten übrig sei. Dem ist nicht also; ein Menschenalter reicht dazu nicht hin, auch gestattet die Natur keine Uebereilung. Die an dem Weinberge arbeiten, finden immer Steine hinwegzuraumen, sie haben immer neue Vorsorge zu tragen, noch oft genug ernten sie Heerlinge statt der vollen Trauben; immer noch schießen Dornen und Disteln empor und überwuchern die bessern Saaren. Daher ist es Pflicht eines jeden, der Beruf hat, mit Hand anzulegen, seinen Brüdern beizustehen, ihnen die Fackel vorzutragen, und die rechten Wege zu zeigen, wo sie irrten, und die rechten Mittel, wo sie frhlgreifen. Und das ohne Ehrsucht und Eigennutz, aus Liebe zur Wahrheit, zur Besserung der Erkenntniß und des Lebens, aus Gemeinsinn und Theilnahme für die Wohlfahrt Aller. Vornamlich ruhet die Pfiichr auf denen, die bereits in der Erkenntniß fortgeschritten sind, sie sollen ihr Licht nicht verschließen, vielmehr mit ihrem Hellen Lichte die Irrwische verscheuchen, welche bald hier bald da vor unfern Augen flimmern, und die Unkundigen verlocken. Es giebt gegen die flüchtige und jugendlich-vorlaute Büchermacherei, welche so allgemein beklagt wird, der Wissenschaft die Wege verlegt und ihren Ruhm sogar beeinträchtigt, kein besseres Gegenmittel, als die Herstellung gediegener Leistungen, die Vereinigung aller edlern Kräfte zu zeitgemäßen Arbeiten, die der Welt durch ihre Meister im Voraus Vertrauen einflößen, und dieses durch deren Gehalt rechtfertigen. Dazu wollte ich hier zunächst anrcgen, genug, wenn es mir gelingt, auf das Bedürft