Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 19 (8.5.1840)
- Date
- 1840-05-08
- Page
- Seite 161 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3133765-3133820-3133840--0660-3134824- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
8. Mai. 9?« 19:- 1840* Israelitische Annalen. Ein Centralblatt für Geschichte, Literatur und Cultur -er Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegeben von Dr. I. M. Jost. Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer, bisweilen l1/, Bogen; Preis des Jahrganges S Rthlr. fi. 5; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des In- und Auslandes. Vorschlag zu einem Centralwerk. An alle Gelehrten Israel«. — Die Männer der großen Synagoge, von vr. Waffermann. — Nachrichten und Corresponvenzen: Straßburg; Schreiben aus Böhmen; Berlin. — Notizen über Gelehrte unsrer Zeit. — Literatur. — Neue Erscheinungen. — Zur Nachricht. Anzeigen. Vorschlag zu einem Centralwerk. Stimme aus Lithauen an alle Gelehrten Israels. (Vorwort des Herausgebers.) Die Zeit der Regeneration ist zugleich die der Projekte. Die lethargische Masse ist erschüttert, die innere Bewegung wird starker empfunden, überall, wo ein Bewußtsein erwacht, strebt es zugleich nach Erfolgen. Ein edler Wetteifer regt an, ermuntert und beseelt die Kräfte, und mitten unter den mannichfachften An- und Absichten, den verschiedensten Wünschen und Strebungen, gelingenden und vereitelten Versuchen, freundlichen und feindlichen Berührungen, entwickelt sich der Geist zu einem höher» Selbftbewußtsein, das die Vertreter der Menge durchdringt und zu einem gemeinsamen Ziele vereinigt. Dies ist das geistige Leben, welches sich unter den Israeliten, seitdem ihnen vergönnt ward, sich als Menschen zu empfinden, sowohl von religiöser als bürgerlicher Seite kund giebr, und sich auf eine recht anerkennenswürdige Weise vor den Augen der Welt entwickelt. Wir sprechen dieß gern und freudigaus; wir sind weder von der Eitelkeit befangen, die bisherigen Erfolge für mehr anzusehen, als eben das Emporringen zur Menschenwürde, welche so lange Zeit niedergerreten worden, noch so verzagt, um durch so mancherlei Auswüchse eines schnellen Aufblühens geängstigt, unsere Hoffnungen frühzeitig wieder aufzugeben. Wir kennen die Gewalt des Alltagslebens, welches die Masse fesselt und auf nichts weiter anweist, als den bald sparsamern, bald ergiebiger« Erwerb; wir kennen die Gewalt der Gewohnheit, die ungern sich selbst eine ^Veränderung verkündigt, und in jeder Umgestaltung den Tod fürchtet; wir kennen endlich die Gewalt der Vorurtheile, die ungern dem Lichte der Wahrheit weichen. Es ist einmal Thatsache, die Entwickelung ist sichtbar, die Keime entfalten sich, das Leben gewinnt andere Formen, die engherzigen Besorgnisse schwinden, die Hindernisse nehmen ab, die Vorurtheile werden beschämt, die Lüge wird abgewiesen. Der Eigenwille hier, der Stumpfsinn dort, die Schwachheit hier, die Unkunde dort, bereiten dem Fortgange mancherlei Hemmungen^ aber die Saat des Jahrhunderts wird nicht wieder zerstört. Wir sehen mit freudiger Theilnahme auf unserem Gebiete so viele Geister in den verschiedensten Gegenden zugleich rege und thätig, um die Schmach einer langen Vorzeit abzuwälzen, und der Wohlthaten der Zeit würdig zu sein und zu werden. Wichtig dabei ist die durchgängige Ueberzeugung, daß das feststehende, nunmehr Jahrtausende hindurch bewährte Religionsbekenntniß weder die Schuld der früher» Mißverhältnisse zu tragen habe, noch zur Vermittelung eines bessern Zustandes, zerstört werden müsse, wie so viele Gegner irrthümlich behaup-