Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 18 (1.5.1840)
- Date
- 1840-05-01
- Page
- Seite 159 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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159 -er vorkiegende Stoff sehr wohl zu einer historischen Untersuchung und Darstellung. Der noch sehr junge Vers, hat sich dasselbe zum Thema genommen und wir sind berechtigt, von ihm, wo nicht die Gründlichkeit einer vieljährigen Vorbereitung, doch eine jugendliche Frische und Lebendigkeit der Anschauung und Schilderung zu erwarten. Wir würden recht gern manche minder sorgfältig erwogene Behauptung dahin gestellt sein lassen, und nur eben daran uns freuen, daß muntere Kräfte den sterilen Boden urbar machen. Um so aufrichtiger müssen wir es bedauern, daß die Schrift selbst durchaus nicht ihrer Aufgabe entspricht, wenn gleich dem Vf. einiges Talent wohl zuerkannt werden mag. Wir haben hier nicht sowohl eine Geschichte, als vielmehr eine Flugschrift, die jedoch allzusehr den Charakter der Flüchtigkeit und Leichtfertigkeit an sich trägt. Je mehr es der Beruf der Annalen ist, neue Versuche anzuerkennen und wissenschaftliche Kräfte zu ermuntern, um so mehr fordert es andrerseits die Gewissenhaftigkeit, wenn solche Versuche eine schiefe Richtung nehmen, dies unumwunden zu sagen, und wo möglich auf die Nothwendigkeit gediegener Leistungen hinzuweisen. Herr Prof. Bülau hat das Buch bevorwortet, jedoch mit sichtlicher Zögerung und in so schwankenden Ausdrücken und Betrachtungen, daß aus denselben nicht klar hervorgehet, wie fern er selbst das Werk einzuführen gedenke oder nur aus Gefälligkeit mit seinem Namen begleiten lasse. Wir bemerken dieß deßhalb, weil wir in dieser Art Humanität, die so häufig vorkommt, daß nämlich Männer von Ruf und Bedeutung den jungen israelitischen Schriftstellern, weil sie auch das Unreifste auf diesem Felde für gut genug halten, anstatt ihnen Winke zur Besserung der Arbeiten zu geben, bereitwillig ihren Namen leihen, und in der ebeln Absicht aufdlühenbe Talente zu pflegen und ihnen die Wege zu bahnen, der Literatur schaden und Verleger und Leser irre führen, während die Begünstigten selbst eine unrichtige Schätzung von ihren eigenen Arbeiten erhalten. Wir haben in solcher Humanität niemals etwas anderes gesehen, als eine Art von Geringachtung, welche denen, die noch nicht auf der Höhe der Wissenschaft stehen, eine Beihülfe geben zu müssen glaubt, wie man den Schulknaben oft über Erercitien manches Gute sagt, um sie anzufeuern und zum Bewußtsein zu dringen. 2» unsrer Literatur ist nun aber dergleichen nicht mehr nöthig, und jede Bevorwortung erweckt gewöhnlich Mißtrauen. Wozu ist sie? Werke der Wissenschaft finden bald ihre Anerkennung ohne alle Einführung, und schlechte Machwerke gewinnen durch diese keinen Haltpunkt. Die vorliegende Schrift hat, in so fern ihr einige Quellen näher lagen, manches Gute, und der Geschichtsforscher, welchem jene nicht bekannt sind, wirb hier auf dies und jenes aufmerksam gemacht. Von einer Geschickte kann aber die Rede nicht sein, obgleich der Stoff auf 4 Epochen nämlich 1 bis 1550, 3, bis 1733, 3, bis 1834* *), 4, bis 1840 vertheilt ist. Zur geschichtlichen Entwickelung gehörte, wie jeder zugeben wird, zunächst eine nähere Angabe des Begriffes, Sachsen, namentlich in der ältern Zeit;—für dre spätere, wird allerdings S. 47 gesagt, daß man die Länder des Churfürstenthums damit bezeichne; sodann nach einer möglichst sorgfältigen Nachweisung der frühesten Ansiedelungen und der damit verbundenen Bedingungen, so wie der Thaten und Schicksale der Einwanderer, die Darstellung dessen, was in Sachsen eigenthümlich und verschieden von den allgemeinern Rechtsverhältnissen sich gestaltet habe, und was daraus endlich sich ergeben habe. Allein von allem diesem finden wir hier nichts als übereilte, Zeit und Ort durcheinanderwerfende Betrachtungen und daran geknüpfte leidenschaftliche und theilweise in Satyre hinüderschillernde Ergüsse, aus denen allerdings oft ein bitteres Gefühl des erlittenen Unrechts spricht, aber die darum noch kein geschichtliches Bild darbieten. (Schluß folgt.) *) Im Werke selbst S. 108 wird die letzte Periode, von 1830 an. gerechnet; obwohl die 3te S. 73 und eben so milT ns rforn* Auch unter dem lateinischen Titel Virgo filia Jchudae, sive Excerpla ex iuedito celebcrrimi Jehudae Levitac Divano, praefatione & notis illustrata a Samuele Davide Luzzato, in Coli. Rabb. patavino Professore. Prag bei M. I. Landau, 1840. 118 S. 8. mir XXIII S. Vorwort und Zugaben. Diese hebräische Sammlung aus dem handschriftlichen Divan*), den der Herausgeber aus Tunis erkauft har, liefert einen höchst interessanten Beitrag zur näheren Kunde der neu hebr. Literatur aus der Zeit ihrer schönsten Blüthe, so wie zugleich zur Geschichte, wie nickt minder zur Sprackkunde und Kritik. Das Ganze ist zur Hockzeilsseier eines wackern und sehr gelehrten Privatmannes in Lrodp (Herrn O. H. Schorr) herausgegeben und ihm gewidmet, daher trägt daS Vorwort die Form einer Pnval-Mrllheilung. Wer aber mit Aufmersamkeit liest, findet dann treffliche literar-historische und kritische Andeutungen außer denjenigen Bemerkungen, die materiell vorliegen. Man begegnet freilich hier, wie überall, der eigenthümlichen Ansicht, die der Herausgeber gleichsam als unumstößlich betrachtet, und die gewissermaßen seiner Kritik eine bleibende Richtung gegeben hat, nämlich der Bevorzugung der französischen oder bei ihm sogenannten Rabbinischen Schule gegen die Arabische, welcher er arge Fehler vorwirst, die schwerlich allgemein zugegeben werben; indeß hat man darin die Entschiedenheit seiner Schule zu ehren, und seine Urlheile öfters von seinem Standpunkte aus zu würdigen. Als exegetischer Kritiker forscht er mit möglichster Strenge und ohne vorgefaßte Meinung. Wichtige historische Momente weiden hier aus dem Inhalt der Gesänge für die Lebenszeit des Sängers und seiner Freunde ermittelt, mehrere interessante Nachrichten über das Rituale sind hier zusammengestellt. worunter uns besonders die Vergleichung eines Chnfllichen Liedes mit einem Jüdischen, tn Betreff des Versbaues (S. 12) angesprochen hat. Aus derselben geht hervor, baß schon in frühen Jahrhunderten die Fortschritte der Cultur in der Kirche nicht ohne Einfluß auf die Synagoge geblieben waren. — Was nun die vorliegende Sammlung selbst betrifft, so hat der Herausgeber jedes Stück mit kurzen, das Verständniß erleichternden Anmerkungen ausgestattet, und bleibt uns nichts weiter übrig, als alle Freunde dieser Literatur auf den Inhalt zu verweisen, dessen nähere Beleuchtung die Gränzen unserer Blätter überschreiten würde. Neue Erscheinungen und zu erwartende Werke. □Wtf 'sn» erster Theil von D’onso max/ auch unter dem Titel: Epigrammata Uedraica, partim e variis linguis versa, auctore H. Somerhausen, ph. theor. Mag. lit. hum. Doct. nonn. Acad. & Soc. Socio. Bruxellense. — Amstelodami, apud van Embden & Socium, & de vita 1840. Eine sehr ergötzliche und kunstvolle. Sammlung von Epigrammen, auf die wir noch zurückkommen werden. im Inhaltsregister, bis 1834 angegeben ist. Welche Nachlässigkeit.' *) Das Er. des Hrn. L. ist defect, theils im Innern, theils am Ende. Es besteht aus drei Theilen. deren I. 421. n. 88 -f-147 aus zwei Sammlungen, Hl. Briefe, und 180 Gesänge oder poetische Stücke enthält; so daß der ganze Divan ohne die Briefe, mindestens 816 St. enthielt, wovon in jenem Er. 6)3 vorhanden sind. Hieraus läßt sich schon auf dessen Reichhaltigkeit schließen. Ein Verzeichniß der Personen, an welche der Dichter sich wendet, giett die Einleitung obigen Werkes. Wahrscheinlich wird Hr. L. noch mehrere Stücke daraus durch den Druck veröffentlichen.