Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 18 (1.5.1840)
- Date
- 1840-05-01
- Page
- Seite 160 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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160 Herr vr. G. H. Lippmann, bereits sehr verdient um die hebräische Literatur durch die Herausgabe mehrerer Schrift ten des Aden Esra, mit Commentaren, alS: rni1S> prtt) 1827. 02’p, zum ersten Male gedruckt, Fürth 1834, und mra nDitf» nach einem Münchener Codex, Fürth 1839, nebst interessanten Anhängen, — welche sämmllich in den Zeitschriften lobende Anerkennung gefunden haben, beabsichtigt wiederum ein noch ungedruckleSWerkchen desselben Autors zu veröffentlichen, nämlich inKH 'D, welches von geringem Umfang, doch inhaltsreich ist. Wir wünschen und hoffen, daß dieser gelehrte Candibat bald einen bestimmten Wirkungskreis finden werde, der ihm Muße gewähre, die mittelalterliche Literatur noch werter durch gründliche Forschungen aufzuheücn. __ Literarisch - Kritische Briefe. 2) Gallizien, Febr. 1840. — Ueber die Thargumim. Der gelehrte Luzzato war der erste, welcher darauf aufmerksam machte, daß die Thargumun noch zur Zeit der Misckna und des Thalmubs nicht geschrieben im Gebrauche waren (s. seine Vorrede zum philoxeuus) und hat dies mit starken Beweisen erhärtet. Da Zunz in seinem vortrefflichen Werke: Gollesbienstl. Vorträge Cap. V. diesem widerspricht, und Geiger (Zeitsch. m. S. 106*) ihm bestimmt, auch Lengerke in der Einleitung zum Daniel S. 32 sich schwankend äußert, nicht recht wissend, wem er beipfllchten tolle, obgleich er der Luzzako'schcn Ansicht zugeneigler erscheint, so will ick hier erstlich wiederholen, was ich im Wmter 183? an Luzzato schrieb, als er über die Aufschrcibungszeit der Thargumim und des Thalmuds meine Meinung zu wissen begehrte; und werbe einiges Neue daran fugen. Ich schrieb ihm nämlich die Ansicht, baß die Thargumim und die Mischna längst verfaßt und geordnet gewesen, ehe man sie aufschrieb, und daß erst viel Spätere sie niebergeschrieben haben, scheine auch mir die einzig wahre zu sein. Zunächst ist von den Thargumim Folgendes zu bemerken: Wenn der gelehrte Zunz widerspreche und die Behauptung aufstelle, dieselben seien schon zur Zeit der Hasmonäer geschrieben gewesen, so kommt es mir vordaß hier ein Mißverständniß obwalte, indem Luzzalo nur sagen wollte, die Ausschreibung sei nicht als erlaubt betrachtet worden, weil es verboten war, mündliche Erläuterungen niederzuschreiben, wie denn auch jede Uedertretung dieses Verbotes starken Tadel der Gelehrten nach sich zog (Dergl. Schab. Abschn. IV. und Tosiplita, auch Hieros. Meg., des. R. Nissim dazu.) Dies hat Zunz so verstanden, als sollte damit gesagt sein, erst nach dem Thalmud seien die Thargumim ausgeschrieben, s. s. Bem. S. 358 und die Belege, auf welche er hinweisit. Was nun aber diese Belege betrifft, so scheinen sie alle eher für erstere Ansicht zu sprechen, und die dort citirte Hauptstelle zeigt deutlich, daß geschriebene Thargumim nicht erlaubt waren. Ich finde noch Belege dazu in blorä. zu Meg. I., in Hag. Meim. Tliephil. I. 19. Ches. Misclme, Schab. XXIII. 26, wo ausdrücklich darauf Bezug genommen wird, daß das Allfscbrerben in spät er n Zeiten erlaubt worden. — Vgl. K. Ch. in. 16. — Was daher Geiger a. a. O. S. 112 sagt: „ Es ergiebt sich von diesem Gesichtspunkt aus leicht, baß das Bedürfniß der geschriebenen Uebersetzung sich schon früh fühlbar gemacht, indem man nicht die Bibel der Wcllkühr der Ueberseyer preis geben möchte," ist offenbar ohne festen Grund. und bloße Dermulhung, auS dem bekannten Gebrauche, die Schrift in der Synagoge,durch einen Dollmetsch übersetzen zu lassen; wobei auch unbeachtet geblieben ist, daß zur Zeit des Nttronai der Gebrauch nicht mehr herrschte. Gegen die Wiükühr batte man den Grundsatz ausgesprochen, daß die Uebersetzung nicht dürfe nach bloßer Beschaffenheit des Tex- *) Als natürliche Folge seiner Ansicht von der Abfassung der Mischna und des Thalmud, Zeitschr. ir. 475 ff., wogegen Luzzato und Reggio K. Ch. in. 5. «. tes gemacht werden (sondern nach stehender Tradition). Oie Regeln über das, was in der Synagoge übersetzt und waS nicht übersetzt werden solle, beweisen für das Nichtvorhandensein schriftlicher Ueberttagungcn?), sonst hätte die Vorsicht ja ihres Zwecks verfehlt. So wird auch R. Joseph als Autorität zur Propheten-Thargumim oft citirt, weil er sie am besten auswendig wußte, wie das oft bemerkt wird; wären sie geschrieben vorhanden gewesen, so war ja jeder damit bekannt. Nur will ich schließlich hinzufügen, daß der Beweis, welcher K. Ch. m. Br. 5 aus der Stelle Mex. 29 entnommen wird, durchaus gar nicht zutriffr, indem dort allerdings vom mündlichen Uebersetzen die Rede ist, ohne daß dies die Existenz geschriebener Uedertragungen lkugnete. Schwacher und nichtssagender Beweise soll man sich enthalten, weil sie der Behauptung selbst einen Theil ihrer Kraft rauben. — Anfragen. In dem Werke mjop niljD/ einer Sammlung von Briefen und Dokumenten (Preßburg 1838), welche, beiläufig gesagt, vom Abba Marl b. Mose Jarchi (d. h. aus Lünel) auch Don Astruc genannt und in Montpellier wohnhaft, im 14len Jahrhundert veranstaltet worben, — er ist unserer Ansicht nach derselbe, welcher das Klagelied zum 9. Ab gemacht, während der gelehrte vr. Zunz Ä. Z. b. I. III. S. 681 meint, der Verf. des letzteren habe erst im I. 1490 geblühct, — schreibt ein Schüler des Abereth, Simson b. Meir, S. 138: sein Lehrer habe ihm die Mission auflragen wollen, gegen das zu frühe Studium der Wissenschaften, (nämlich vor dem 25stenAltersjahre), Unterschriften zu sammeln, so wie er früher schon m Castilten. Navarra u. s. w. herumgereist sei, um in Angelegenheit des Enkels des berühmten R. Mose Gelder zu sammeln. Was für Veranlassung mag wohl zu dieser Geldsammlung gewesen sein? Wer ist dieser Enkel des R. Mose? (Wahrscheinlich doch des Maimonides?) — Br. 0. Die Scleucidische Aera, auch Aera Contractunm rvnEiy Pj£, genannt, beginnt lekanntlich mit dem Jahre 100» nach dem Auszuge aus Aegypten, 3450 der Welt, 314 (?) vor Chr. Geb. (vergleiche hierüber Meldola in pyi pjna f. 4). Diese Zeitrechnung wird noch jetzt im. Orient bei den Israeliten in Ehevcrschreibungen und Scheidebriefen gebraucht. Sie war in Europa noch zur Zeit des Maimonides üblich, welcher über die Chronologie sich bei den Gesetze» des Erlaß- und des Jubeljahres, Abscbn. 10. 6. einige Angaben liefert, die zu weitern Forschungen Anlaß geben. S. Sepher Charedim von Elasar Abarbi 55. — Es fragt sich nun, wann hat man aufgehörl nach der Seleucidischen Aera zu rechnen, und die Jahre der Welt eingefuhrt, die heute allgemein gelten? Wo ward der Anfang gemacht, und wie hat sich dies verbreitet? Giedt es noch Lander, wo nur nach Seleucidischen Jahren gezählt wird? — Alle unsere literarischen Quellen schweigen hierüber. Nur Asulai im Schemhagd. führt bei David Abi Simra (geb. 1464 gest.1572), an, daß auch er dieSeleucidischeZäh. lung abgeschafft habe; und doch findet sich die Rechnung nach Welljahren schon viel früher, nämlich R.S. b. Abereth in dem berühmten Sendschreiben über fremde Studien, vom I. 65 — 5065 (Chr. 1305), S. Duran, RGA. II. Enoe; Abravanel zu Ende seines Commentars zum Pantateucv. Demnach erbittet man sich Auskunft hierüber in diesen Blättern. P. *) Freilich würde auch aus der geschriebenen Bibel Mancheö nicht gelesen, allein das war in der Thal genügend, um die Aufmerksamkeit davon abzulenken, da bas Volk den Text nicht verstand; wogegen dies dei chaldäischen Versionen, die jeder verstand, nichts genutzt hätte. Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main.