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Israelitische Annalen · 1840-04-24 · Heft 17 (24.4.1840) · p. Seite 149

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 17 (24.4.1840)
Date
1840-04-24
Page
Seite 149 (sequence 5)
Language
German
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149 für sich behalten, entweder um Sie Kräfte seiner Leser zu schonen, ober um mir einer eigenen „Notice" darüber zu überraschen. Das Staunenswerlheste aber bleibt die gelieferte Uebersetzung der Jnscbnft; sie lautet getreu nach dem Französischen folgendermaßen: * „Durch den Beschluß dessen, der regiert, gepriesen sei er, durch den ewigen Willen und die Aufrichtigkeit aller Gerechtigkeit, habe ich diese vergängliche Figur gesehen. Möge sie aber bauern, so lang als ihr Bilbniß. Ich werde deine Vorsehung betrachten, mein Gottt Rom vererbte ihm einen Theil seines Ruhmes; dieß ist es, was mich mit Freude erfüllt hat. Ich erwarte deine Befreiung von Tag zu Tag. Der Allmächtige ist groß und verzeihet." Nun Gott sei Dank, der dichte Schleier ist gelüftet, und Lyon vererbte Herrn Carmoly einen Theil seines Ruhmes. Denn es ist nicht die Schuld des - Verfassers, daß der jüdische Vorstand in Lyon die Abfassung der Aufschrift zufällig einem Verrückten aufgetragen hat. Es wäre ja für einen Sinnigen himmelschreiend, einem Monarchen solche Dankgefühle vorzusagen, und daß man über Rom und den Herrscher hocherfreut — die Befreiung täglich erwarte. Ehren wir auch die Selbstverleugnung der Herren Collegen, die ihre Namen mit Anfangsbuchstaben einzeichnen ließen, so ist es doch eine Unverschämtheit von dem ersten Vorsteher, den (einigen, „Benjamin Sohn Kusch," dem Kaiser dicht unter die Nase zu rücken. Ich zweifle daher sehr stark an der ächten jüdischen Abkunft dieses Mannes, zumal sein Vater sich Cusch nannte, wie nie ein Jude geheißen. Sehr wahrscheinlich war er eigentlich ein Mohr, und vielleicht leben seine Nachkommen noch in Marocco, was dem Derf. seine dortigen Correspondenten 4 *) zuverlässig nickt verheimlichen werben. Daß diese Sacke sehr wichtig sei, erfahren wir aus den Schlußworten des Verfassers: „Es giebt in dieser Inschrift mehrere bemerkenswerthe Dinge, nämlich: die vorausgesetzte Krönung Ludwigs des Frommen in Rom; der Name } des jüdischen Vorstehers in Lyon, zur Zeit dieses Fürsten;! der schlechte Geschmack dieser Inschrift, welche die Barbarei , des Jahrhunderts, in welchem sie abgefaßt worden, verräth. Nichtsdestoweniger ist es eines der ältesten Denkmäler, das von der mittelalterlichen hebräischen Literatur in Frankreich zu uns gelangt ist. Was den Gebrauch dieser Medaille anbelangt. so scheint sie zuerst in der Synagoge auf der Anhöhe Fourviere aufgehangen, und nachher unter deren Trümmern verschüttet worden zu sein." Es ist eine Barbarei unseres Jahrhunderts, wenn es dem geschmackvollen Alemoire beinahe wie der geschmacklosen Medaille ergeht: Es wird zwar in keiner Synagoge hängen, aber verschüttet wird es werben durch kritische Stöße, und in seinen Sturz hineinziehen Lyon und seine Synagoge, ein Stück alte Literatur und ein Stück neue Gelehrsamkeit, sammt Ludwig, Agobard und Benjamin Sohn Kusch, „und hinabfahrt ihr Gepränge und ihr Reichthum und ihr Getobe"^), und um dich, o Memoire! werben deine Käufer „sich Glatzen scheren und weinen betrübten Gemüthes" °); denn verrathen muß ich, daß in der fraglichen Inschrift die Anfangsbuchstaben der einzelnen Worte folgende Namen bilden! m"> Köm 2x2 211022 p'» Don diesen sechs Worten ist also das erste: Benjamin.! Das zweite betreffend, darf als bekannt vorausgesetzt werben, daß seit dem 14ten Jahrhundert die Abkürzung ->222 7 8) vor der Schreibung des Vaternamens üblich geworben, die bisweilen noch durch ein oder zwei n vergrößert werben.6) 4) S. den Aufsatz über Meir B. Baruch in den Israelit. Annalen 1829. N. 44, S. 348. s) Jesaia 5, 14. °) Ezechiel 27, 31. ’) D. i. '22 (oder i-,i2) 12J7Ü “122 fl', zu Deutsch: Sohn des hochgelehrten (Lehrers), Rabbi.... 8) n—22rt, rin=rann 22.1 oder 2^.1 221,2- Daraus 211222- Man hat selbst ein Beispiel aus Rom vom Jahre 149k. wo Jemand sieben Worte, worin 4 r; hintereinander vorkamen, bei solcher Gelegenheit gebrauchte.») Nock engere Gränzen setzt uns das letzte Wort HL"; eine Abkürzungs-Formel (1121121 1122 1YP) die zwar bei den Burtorfen, bet Wolf'"), Selig") und Dessauen *-) nicht zu finden ist, aber im 14. und 15. Jahrhundert ein gebräuchlicher Ausdruck im mittleren Italien bei der Nennung lebender") Personen war, wovon es Belege giebt aus den Jahren 1383 in Bologna u), 1424 und 1426 in San Severino''), 1428 in Ferrara und Portaleone l6), 1437 in Camcrino n), 1451 in Monte Alzino'"), 1454 in Ancona'"), 1473 in Tiano2"). 1488 in Bologna-'). 1499 m Neapel"-). So sind wir genöthigt, die Inschrift nach der Gegend des Kirchenstaates und in bas 15te Säculum zu verweisen. .Die vollste Bestätigung geben die Worte ^2121 -|j<2 d. b. Elia Beer der Arzt. Denn bereits an einem andern Orte ") habe ich nachgewiesen, daß vor 400Jahren Elia Beer (Fönte) den Sckabtai in Rom lebte. Dieser Mann, der sich Avicenna's Kanon abschreiben lassen, wird in der dortigen Nachschrift ausdrücklich „der Arzt" genannt, und auf seinen Sohn wird als auf einen dem gelehrten Stande Angehörenben hingewiesen 24). Und sehr wahrscheinlich stammt aus dieser Familie der aus Italien gebürtige 25) Verfasser der Rechtsgutachten pt&y 2N*2, G. Schabtal Beer. So wären denn Zeitalter, Heimath, Familie und Personen in Bezug auf unsere Inschrift entdeckt: Sie rührt her von Benjamin den Elia Beer und ist zu einer Zeit verfaßt, wo sein Vater Elia, der Arzt, wohl auch noch lebte, also etwL um das Jahr 1430 in Rom. Hiemit stimmt das verkommende ^121 und selbst bas Material einer Kaiser- Medaille, die außerhalb Italien wohl selten ein Privatbesitz gewesen. Das über dem Haupt des Bildes befindliche Sckin 2fi) bedeutet (mein Name), und gleich drunter rechts mld links ist p' p (Benjamin) deutlich genannt. Mit diesem Bilde aber, wen es auch vorstellen mag. steht die Inschrift so wenig im Zusammenhang, als die Scknft mit dem Wasserzeichen des Papiers. Wie paßt zu einem kunstfertig geprägten Bilde eine so unregelmäßig, so ohne alle Sorgfalt ausgeführte Umschrift, mit bunt durch einander geworfenen Wörtern aus verschiedenen Sprachen? Der gezwungene dunkele Ausdruck jedoch ist hinlänglich durch das schwierige Akrostichon erklärt, das der Verfasser darstellen wollte. Die hierauf verwandte Mühe und die- Tbatsache selbst verrathen, daß irgend ein wichtiges Motiv zu Grunde liege, und über dieses Motiv kann uns nur der Smn der Worte Aufschluß geben. (Schluß folgt.) 9) '22 22.2 NB121 2^2'1 DDll 2122 fl s. de Rossi Annal. sec. XV. p. 109. '») Biblioth. hebr. t. 2. p. 582, t. 4. p. 259. ") Lehrbuch der jüdisch-deutschen Sprache, Leipzig 1792. S. 103. '") Aramäisches Handwörterbuch, Erlangen 1838. S. 233. l3) S. Biscioni cat. in fol. p. 108. 165. ") Biscioni cat. Laurent, p. 116. ,ä) Nachschrift eines römi>chen Machsor, Mscr. in Folio. ,6) Discioni p. 108. cf. p. 63. N ”) -Im ersten Bande des erwähnten Machsor. Mscr. lb) Cod. Vatic. 396. 19) Biscioni, p. 165 (->•£*'). 2#) Biscioni, p. 138. *') ib. p. 2. de Rossi Annal. p. 55. 22) de Rossi l. 1. p. 76. — Auch noch in der Einleitung zu Moscato's Kol Jehuda. 23) Analekten Nr. 5, Ioad, in Geiger's Zeitschrift B. 3. S. 53. 24) DDH'1 132 D31 „und auch sein Sohn wird Weisheit erlangen." 25) Kore Hadorot f. 42 b. 2S) Nickt Sin, wie de Boissi las und durch ot&r (posuit) erklärte.

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