Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 17 (24.4.1840)
- Date
- 1840-04-24
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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148 jede Art der Gewaltthatigkeir, es gab keine Sicherheit des Eigenthums, keine Gerechtigkeit, und die Stellung der Juden zu Korschin war höchst traurig, bis, 1662, die Holländer dahin kamen, welchen die Juden Beistand liehen und durch welche sie selbst beschützt wurden. Allein dies Glück wahrte nicht lange. Die Holländer zerfielen mit dem Raja zu Kotschin; es gab Unruhen, in deren Folge der Raja von den Holländern getödtet ward, weiche darauf Kotschin verließen und sich nach Ceylon zurückzogcn. Da erschienen die Portugiesen wieder, und die Juden mußten nun deren Rache empfinden, weil sie es mit den Holländern hielten; ihre Synagogen und ihre Häuser wurden verbrannt, ihre Eigenthum geplündert, mehrere getödtet. — Bei dieser Gelegenheit verbrännte das Sepher hajaschar, eine Art Chronik, worin die ganze Geschichte der Juden in Malabar seit ihrer Ankunft daselbst enthalten war, und welches in der Synagoge aufbewahrt wurde — jedenfalls ein sehr bedauerlicher Verlust. Fast wären die Juden genöthjgt gewesen auszuwandern, als die Holländer wieder nach Kotschin zurückkehrten, und der' Commodor Peter de Petre und Admiral van Goes am 8. Jan. 1663 von der Stadt selbst Besitz nahmen. (Hierbei heißt es: im 839sten I. der Malabarischen Acra. Was mag das bedeuten?) Die bereits theilweise zerftreueren Juden kehrten freudig zurück, und nahmen ihre Wohnungen wieder ein. Es ward eine Feier veranstaltet, bei welcher ihr damaliges Oberhaupt Sem Tob Kaftiel Dankgebcte verrichtete wegen der Befreiung von den Portugiesen, und für das Wohl der Holländer betete. Seitdem lebten sie ruhig und unbeläftigt unter dem Schutze des Raja und der Holländer. (Schluß folgt.) Cine Merkwürdige Medaille. * *) Von Dr. L. Zunz. Um das Jahr 1654 etwa fand man beim Graben unterhalb der. Anhöhe Fourviere in Lyon eine bronzene Medaille, sechs Zoll im Durchmesser, worauf das lordeergekrönte Haupt eines römischen Kaisers zu sehen war. Nächst einzelnen hebräischen Worten und Buchstaben, die rechts und links standen, wovon einige aus dem Munde des Herrschers zu kommen schienen, lief rund herum eine hebräische Inschrift in zwei Reihen. Unter dem Halse las man die Worte umilitas, tuTieivcoaru;, letzteres nicht richtig geschrieben und auf der leeren Kehrseite die Umschrift: kost tenebras spero Jucem felicitatis iudex dies ultimus. D. III. M. Zum ersten Male wurde dieses Schaustück beschrieben und erklärt von Pater Menestrier in seiner Geschichte von Lyon (1696). Den abgebilbeten Kaiser nahm er für *) So sehr wir auch gewünscht hätten, daß der hier auf einen unsrer fleißigsten und durch Gelehrsamkeit ausgezeichneten Corresponbenten gerichtete Angriff in einer minder kaustischen Form aufträte, so tragen wir doch, ihres wissenschaftlichen Gehaltes wegen, kein Bedenken, diese Abhandlung, wie sie uns übergeben ist, aufzunehmen, überzeugt, daß der angegriffene Theil einer offenen Fehde nicht widerstrebt, und seinerseits das Erwiesene zugeben, und was ihn etwa nicht trifft, auf eine würdige Weise ablehnen werde. D. H. Ludwig den Frommen (gest. A. 840), und behauptete nun, die Juden zu Lyon, deren Bethaus in jener Gegend gewesen, hatten wegen der Crlaubniß zu einem Synagogenbau jenem Kaiser diese Medaille als Zeichen des Dankes gewidmet. Nach ihm besprach den Gegenstand de Boissi in seinen dissertations (1785), und nahm auch mit der Erklärung der hebräischen Worte kleine Aenderungen vor. Aus de Boissi schöpfte S.Löwisohn (Vorlesungen, Wien 1820), der die Inschrift mit hebräischen Lettern gab, die de Boissi mit lateinischen ausgedrückt hatte, aber Menestrier's Werk blieb ihm unbekannt. Endlich erschien im Jahr 1835 von Hrn. Cjarmoly in Brüssel ein Memoire, in welchem die Medaille, die er in Belgien wieder aufgefunden haben will, abgebildet, den beiden französischen Gelehrten, die sie erläutern, ihre Urkunde vorgerückt, sonst aber nichts Neues gesagt wird, die eine Behauptung ausgenommen, daß die Prägung der Medaille nicht durch die Gewährung einer Synagoge, sondern durch die vom Hofe zurückgewiesenen Anklagen des Bischofs Agobard veranlaßt worden. Der Akademie der Wissenschaften in Brüssel, welcher der Verf. seine Arbeit zugeschickt, berichtete über dieses „gelehrte Memoire” Herr von Reiffenberg und acht Tage darauf am 24. Januar 1835 sandte der beständige Secretär, Herr Quetelet, Herrn Carmoly ein Dankschreiben für „seine interessante Mittheilung." Es beginnt aber das „Memoire sur une Medaille eu riionneur de Louis le Debonnaire” mit folgenden Worten: „Giedt es einen Gegenstand, würdig die Aufmerksamkeit zu fesseln und unsere Neugierde zu wecken, so ist es ohne Widerspruch das Studium der nationalen Alterthümer. Diesem Studium allein verdanken wir die vollkommene Kenntniß der Sitten, der Gewohnheiten und der Bildung unserer Vorfahren. Allein nur mit großer Mühe hebt man den dichten Schleier, welcher diese Alterthümer bedeckt. Die Hand der Zeit und mehr noch die der Menschen, hat den größten Theil der alten Denkmähler zerstreut, und die wenigen, uns gelassenen Trümmer in Finsterniß eingehnllt. Diese kostbaren Uederreste sammeln, und in die Dunkelheit, die sie birgt, Licht zu bringen suchen — das scheint mir das lobenswertheste Unternehmen." So giebt der Df. den Lesern zu verstehen, daß seine Schrift sehr interessant, seine Mühe sehr groß und seine Arbeit sehr verdienstlich sei. Das war sehr edel gehandelt; denn von selbst hätten die Leser schwerlich diese Vorzüge in einem Memoire ausgefunden, das mit seinem ganzen 209 Zeilen starken Inhalt lediglich aus de Boissi') zusammengetragen, fast abgeschrieben ist, was buchstäblich von sieben Citaten 2) gilt. Aus Ehrfurcht gegen diesen Autor hat Herr C. sogar dessen Druckfehler respeklirt. 3) War nun auch die Entdeckung, daß die Medaille ihr Motiv in den Verfolgungen Agobard's habe, aus de Boissi's ausführlicher Darstellung leicht zu machen, so bleibt doch ein anderer Fund sehr merkwürdig, nämlich baß die in der hebräischen Aufschrift befindlichen Abreviaturen lauter Namen von Lyoner Gemeindegliedern sind. Da diese mit r, anhebcn, so muß der zweite Vorsteher— der erste heißt Benjamin—Wolf, Vidal oder Wafsi geheißen haben; — jeder dieser Namen wäre merkwürdig und verdiente ein eigenes Memoire. Die dritte wichtige Entdeckung, die der Vf. gemacht, besteht darin, daß die Juden zu Lyon in dieser Inschrift selber Gott um Vergebung wegen deren Anfertigung gebeten haben, „in dem lebhaften Gefühl, dadurch das Gesetz übertreten zu haben." Eine vierte Entdeckung, daß Löwisohn bereits diese Medaille besprochen, hat Herr C. ') Dissertations t. 2. p. 68—94. a) Vergl. Memoire S. 6. 8. 11 (N. 2). 12 (N. 1) mit Dissert. a. a. O. p. 70 a, 71 a, 70 b U. o, 69 a und b, 75 a. 3) Mein. S. 11. N. 2: „Epistol. ad Nibridi,” gerade wie bei de Boissi p. 69, wo auch (statt Nibridium oder Nibrid.) Nibridi gedruckt ist, und wenigstens mit einem folgenden Punkt, nicht mit einem Komma. Bei.4§obard und Menestrier ist nur Nibridius zu finden; bei Depping, auf der von Hrn. Carmoly S. 12 angeführten Seite, Nibride.