Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 16 (17.4.1840)
- Date
- 1840-04-17
- Page
- Seite 143 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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143 und der Prüfung Vorgelegt. Zm Ganzen jedoch ist diese letztere Färbung nur als die untergeordnete zu betrachten, und die Darstellung der Idee (welche übrigens im Melizath Ischarun in schwachen Umrissen bereits angedeutet worden) einer „lebensvollen Gruppirung im Wechsel der Scenen — einer dramatischen Vielfältigkeit überhaupt," vorherrschend. Der gänzliche Mangel an folgerechter Verknüpfung der einzelnen Theile zum ganzen Hohen-Liebe tritt selbst nach allen den seit Aden Esra, bis auf Herder und Ewald, gemachten Versuchen nur allzu schroff hervor, im Vergleiche zu der lebensfrischen, blumenreichen und höchst anziehenden Diction desselben, worüber der Verfasser—von aller Mystik, kabbalistischen und ascetischen Tendenzen abstrahirend—sich also auSspricht: S. 7. „Weit entfernt in dieser Uederschrift des H. L. eine Anthologie von unzusammenhängenden Liedern angedeutet zu wissen, wie so Viele annehmen zu müssen glaubten, sehen wir unter derselben im Gegentheil das Gemälde einer, wenn auch lose zusammengehaltenen, doch innig und wahr in einandergeschlungenen dramatischen Darstellung der menschlichen Leidenschaften in ihren vielfachen Richtungen in jugendlicher Kraft und Blüthe. voll Leben, Natur und reizender Einfalt. Es versteht sich von selbst, daß man hier die alte Eintheilung der Abschnitte nicht sonderlich zu berücksichtigen habe, die hier mehr als anderswo die Verständigung durch Zerreißen des Zusammenhanges erschwerten. So wie bei einer ruhigen vorurtheilsfreien Uebersicht das Ganze der Lieder mit ihrem Motive sich klar und unumwölkt vor unserem Geistesauge entfaltet, eben so deutlich können wir uns in die Situationen und Charaktere hineindenken, wenn wir deren Eigenthümlichkeiten genau aufzufassen nicht verabsäumten." Und S. 10. „Was nun das Hauptaugenmerk unsers sonst weltklugen anschauenden Dichters bei dieser Schilderung eines süß - schwärmenden Liebeshanbels fein mochte, so bleibt es wohl keinem Zweifel mehr unterworfen. (?) daß er auch hier nicht von seiner eigenthümlichen Weise, den innern Menschen mit seinem tiefen psychologischen Blicke zu durchschauen abgewichen ist und eigentlich — in einer, mehr wie im Koheletb und den Prov. einem gewissen dichterischen Schwünge sich nähernden Sprache — die Allgewalt der wahren (plakonischen) Liebe in dem gefälligsten Colorit personificirt darstellen wollte, rc." Man könnte diese Bearbeitung eine biblische Novelle nennen, welches der Titel auch anzuzeigen scheint; wäre solches nicht allzu gewagt, und müßte man nicht befürchten, hierdurch manchen Halbgebildeten oder Unberufenen ein neues Feld in einem bisher heilig gehaltenen Gebiete zu eröffnen. — *) So viel über die Auffassung. Die Uedersetzung des in 14 Gesängen geteilten H. L. ist durchweg treu, klar und mit Berücksichtigung der neuesten Bibelübertragungen bearbeitet. Die gerundete Darstellung des Ganzen zeugt von Talent und Fleiß, und ist in sprachlicher Beziehung gelungen zu nennen. _ vr. S. La Bible, Traduction Nouvelle avcc l’Hebreu en Regard etc. etc. Par & Cahen, T. X. rPQT Mit einer Uedersetzung der Vorrede Abrabanels und einem Auszuge aus Dahlers chronol. Bemerkungen. Das große Bibelwerk schreitet immer mehr seiner Vollendung entgegen. Geist und Behandlungsweise bleiben sich auch hier gleich. An Fleiß hat es der immer rüstige Verf. nicht fehlen laffen, und wie die Vorgesetzte Fortsetzung der Subscriptionen zeigt, fängt das Werk auch <m, immer weiter anerkannt zu werden, wie wir es dem uncrmüdeten und *) Aus diesem Grunde hätte auch der Titel wirklich anders gewählt werden sollen. Wenn die zweite Auflage noch nicht gedruckt ist, würden wir manche kleine Verbesserung, sowohl in der oft gar zu sehr gesuchten Detaillirung der Situationen, wie in der Wahl des deutschen Ausdrucks, vorschlagen, da wo es möglich ist, sich der Kraft des Originals anzunähern. Sonst aber stimmen wir mit obigem ganz überein, und halten die Idee des Verf. für interessant und der weitern Beachtung würdig. I. redlich forschenden Verf. in noch größerem Maße wünsche«. Solche großartige Unternehmungen können nicht allein durch diejenigen getragen und gestützt werden, die durch Beruf zur Benutzung der Werke angewiesen sind, sondern müsse« sich der Annahme aller Mäcenate erfreuen, welche gern daß Gute fördern helfen. Den vorliegenden Band einer strengen Kritik zu unterwerfen, halten wir für überflüssig; ohnehin sind die Meinung gen nirgend getheilter, als in Uedersetzung und Commentirung der Bibel. Herr Cahen ist überall selbstständig, mindestens in seiner Uedersetzung, denn im Commentar merkt er stets die Ansichten der Vorgänger an. Einige Beispiele mögen dies beweisen. V. 2. tzuand meine ils disent: Jehova est vivant! certes, ils jurentfausseinent. Im CvMM. (nach unsrer Meinung, besser) par «Leu qui est vivant! 3) Leurs faces sunt plus endurcies que le rocher Der Tert forderte wohl, Ils ont endurcies leurs faces. 4) Ende, la juste (loi) de leur dieu; ob man vielleicht eher le droit, oder le jugement, le procede, ober ähnliches erwartet hätte. 5) Les liens sont rompus, nach dem Text wäre ils ont rompu zu fordern. 6) Le panthere les guette devant leurs villes; wo das les nicht im Text. 8) Chacun au devant de la femme de son procbain, wo wir eher, wenn es sprachlich erlaubt wäre, apres — wie soupir apres gedacht hätten. 14) Je ferai que ma parole dans ta bouche sera du feu et ce peuple le bois qui les consumera. Hier scheint der Gedanke zu sein, das fremde Volk sei das Volk, welches durch das Wort des Propheten entzündet, Israel verzehren soll. Dem Wortsinne nach ist aber unter diesem Volke Israel selbst verstanden. Es wäre zu wünschen, daß Herr Cahen überall, wo er für gut flndet, von der gewöhnlichen Interpretationsweise adzugchen, die Gründe angegeben hätte, oder noch späterhin nachtrüge. Literarisch - Kritische Briefe. Gallizien. (Fortsetzung.) Ich kann von diesem Thema nicht scheiden, ohne die sachkundigen Leser, welche an schönen und erhabenen Gedanken Wohlgefallen haben, auf eine vortreffliche Gedichtsammlung, so in Lemberg 1834 unter dem Titel Di-pltf erschienen ist, aufmerksam zu machen. Man kann es nur auftichtig beklagen, daß diese nicht so bekannt und verbreuet worden sind, wie sie es nach ihrem Werthe, sowohl in Betreff des Inhalts als der Reinheit des Ausdrucks und des hebräischen Sprachgeistes verdienen! Man schlage sie auf, jede Seite bezeugt die Dortrefflichkeit; hier ist die Sprache in ihrer alten Originalität, ohne alle Einmischung fremder Formen und Wendungen; ein wahres Muster für alle, die hebräisch schreiben. Der Verf. derselben ist der verstorbene Arje Löb Kinder freund, geb. 1788 zu Samoscht. Er hielt sich lange in Gallizien auf, und Einsender dieses war ihm sehr defreundet, und fühlt sich dadurch um so mehr aufgefordert, seinem Andenken hier noch einige Worte zn widmen. In den Jugendjahren lebte er in guten Umständen, später verarmte er und war auch stets kränklich. Er besaß ungemeine Kenntnisse in der Weltgeschichte, Kirchengesckichte, Geographie, vorzüglich aber war er stark in Sprachwissenschaft. Er verstand viele Sprachen, namentlich Hebräisch, Griechisch, Latein, Deutsch, Französisch und Polnisch, alle aus dem Grunde. Außer der erwähnten unvergleichlichen Sammlung hinterließ er noch einzelne schöne Gedichte; eines darunter betrifft, wie er mir sagte, eine Vergleichung unsrer Neujahrsfeier mit der verschiedener andern Kirchen; auch mehrere Anlagen und Bemerkungen zu einem größer» lateinischen Werke, wovon der Tob ihn zu früh abrief; dasselbe sollte die Priorität der hebräischen Sprache beweisen, und war voll gelehrter Sprachbemerkungen. Ein Vorläufer in deutscher Sprache sollte be-