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Israelitische Annalen · 1840-04-10 · Heft 15 (10.4.1840) · p. Seite 133

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 15 (10.4.1840)
Date
1840-04-10
Page
Seite 133 (sequence 5)
Language
German
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133 wachsen, ohne Lehre und weisen Unterricht, — ist das nicht schlimm? Und wenn aller Orten Lüge und Unfriede und Derläumdung und Entweihung des göttlichen Namens wahrgenommen wird, — ist das nicht schlimm? *) — Ich verweise auf die goldenen Worte des allgemein verehrten Verfassers des v/w moy **), welcher am Ende dieses Werkes die Rabbinen ernstlich tadelt, welche so manchen in der Synagoge herrschenden Mißbräuchen nicht die gehörige Aufmerksamkeit zollen, (besonders aber der eingelegten Menge liturgischer Lieder die Störung aller Andacht zuschreidt.) Wie lange sollen wir also schweigen? Wir würden den falschen Propheten gleichen, welche über die Fehler gleichgültig Hinsehen, und Friede. Friede! rufen, wo kein Friede ist! Daher ist es Pflicht der Volkslehrer, laut zu sprechen, die Schwächen und ihre Ursachen aufzudecken, und wenn wir nicht Macht genug haben, alle Uebel abzuwenden, mindestens alles aufzubieten, um zu zeigen, daß wir die Fehler nicht gut heißen, vielmehr die Verhältnisse ernstlich beklagen, und gern die Hand dazu reichen, das Volk auf bessere Wege zu dringen, die Gott und Menschen Wohlgefallen. Die Besorgnisse, betreffend eine vorgeschlagene Synode, stnd vollends grundlos; käme eine solche zu Stande, so würden sich schon Männer finden, um der Wahrheit das Wort zu reden. Schwerlich aber werden unsere Gegner eine Synode berufen , da sie fürchten müssen, durch solche Maßregel allen Einfluß zu verlieren. — Kurz, was geschehen ist, war ganz so recht und genügend; jeder nachträgliche Schritt wäre überflüssig und zwecklos/" — Nächstens ein Mehres. A—z. Brüssel, 22. Februar. — Wenn gleich rein lokale Angelegenheiten nicht in den Bereich der Annalen gehören, so dürfen sie doch nicht anstehen, falsche Gerüchte, welche in öffentlichen Blättern ihr Organ gefunden haben, zu widerlegen und die wahre Sachlage darzustellen, zumal, wenn aus jenen anderweitige irrige Schlüsse gezogen werden dürften. Mit dem Dorfalle, welcher zu allerlei Glossen benutzt worden, verhält cs sich also: Das über ganz Belgien gesetzte Cönsisto« rium glaubte gegründete Ursache zu haben, mit der Administration der Brüsseler Gemeinde und Synagoge unzufrieden zu sein, indem ein seit 5 — 6 Jahren fungirendes Mitglied sich eine überwiegende Autorität angemaßt hat, und als Präses, Tresorier und Armenspender unbeschränkt handelte, während die Statuten dazu drei verschiedene Personen bestimmen, und überhaupt nach Wiükühr verfuhr. Die Verwendung eines Theils der von der Regierung gegebenen Subsidien brachte endlich die Unzufriedenheit zum Ausbruch. Das Consistorium trug ihm auf, die Gemeinde wegen urgenter Verhandlungen einzuberufen; cs geschah nickt. Endlich versammelte sich diese, auf Einladung des Consistoriums. Er selbst erschien, protestirte gegen verschiedene Beschlüsse der Gemeinde, und ward endlich seines Amtes entsetzt. Entschlossen, seine Stelle zu behaupten, ließ er sich am Freitag darauf mehrere Sbirren mit in die Synagoge zur Begleitung geben, verwendend, es seien Störungen zu befürchten, und sobald einer der neu ernannten Fonctionaires seinen Platz einnehmen wollte, wiesen ihn auf sein Geheiß die Sbirren zurück. Man vermied jede Störung des Gottesdienstes, und auch den folgenden Tag blieb es dabei. (Niemand backte daran, die Synagoge zu schließen.) Den S abbatb nachher hatte die neue Administration ihren Platz, und die Sache war abgethan. Was die Verhältnisse fclbfi betrifft, so sollen sie durch weltliche Gerichte entschieden und geordnet werden. Jndeß zeigt sich keine besondere Energie, welche wesentliche Verbesserungen verspräche. - Was man mit Recht aus diesem bedauerlichen Vorfall schließen kann, ist daß die Synagoge in Belgien etwas zu unabhängig gestellt ist, und es an leitender Autorität fehlt. Da ist der Mißbrauch leicht und dessen Abstellung stets mit Schwierigkeiten verknüpft. Großherzogthum Baden. — Randegg, Anfang März. Da die Zustände der badener Israeliten, vorzüglich die Angelegenheiten der Schule und der Synagoge, ihr an- *) Redefigur aus Maleachi I. 8. **) Ephraim Luntsckitz 1619. Ein ausgezeichnet aufgeklärter Kopf, dessen Werke in hohem Ansehen stehen. gemessenes Organ in den israelitischen Annalen gefunden za haben scheinen, so dürfte es wohl sehr zweckmäßig sein, wenn hierin Alles mitgetheilt würbe, was den Geist der verschiedenen Communen bezeichnet, um so ein Bild des Ganzen zu erkalten, und neben der Anstrebung bürgerlicher Gleichheit, auch Uedereinstimmung in den religiösen und andern Bilbungsanstalten zu erzielen. Ich berichte darum heute über die hiesige israelitische Kultusgemeinde, der ich nicht nur durch Geburt, sondern auch seit 1831 als Religionslehrer und seit 1833 als Rabbiner angehore. Dahier wohnen 60 israel. Familien, die sich größtentheils von Großhandel, Handwerken und Ackerbau ernähren. Den letztern Nahrungszweigen würden sich übrigens noch weit mehrere Individuen widmen. wenn ihnen die Niederlassung auch in andern Gemeinden des Vaterlandes geöffnet wäre. So aber ist der Handwerksstand übersetzt, und der Ackerbau ist für die Menge schon darum unerreichbar, da die Gemarkung kaum für die hiesigen christlichen Bauern ausreicht, und nur selten ein Grundstück, selbst um hohen Preis, erhältlich ist. Die hiesige Israeliten-Schule, seit 22 Jahren eine öffentliche vom landesherrlichen Decanat beaufsichtigte, ist eine der ältesten dieser Klaffe in Baden, und in Folge des Prüfungsprotokolls schon oft von der Großh. Oberschulbehörde belobt worden. Es waren auch an derselben stets zwei Lehrer angestellt, seit 1833 aber ist der Religions- und höhere hedr. Unterricht dem Rabbinen übertragen worden. Gegenwärtig bezieht diese Schule, in Folge des Schulgesetzes von 1835, einen verhaltnißmäßigen Beitrag (45 fl. jährlich) aus der Stadt- Gemeindekasse, was hier nur geringen Widerstand gefunden hat. Der hebräische und Religionsunterricht umfaßt bei uns: Äebr. Lesen, Einweisung in das Gebetbuch und blische Geschichte (nach Flehinger) für Knaben und Mädchen der ersten und zweiten Klaffe; für die ganze dritte Klasse aber das eingeführte Religions-Lehrbuch von Dr. Büdinger, mit umständlichen Hinweisungen auf Volks- und Religionsgeschichre während des zweiten Tempels. Die Knaben allein erhalten ferner Unterricht in der hedr. Grammatik, in den Bückern Mosis, in den srüherrr und spätem Geschlchtbüchern. und noch andern ausgewählten Stücken der heiligen Schrift, unter Benutzung der vortrefflichen Iohlsohnschen Uebersetzung, (deren Vollendung sehr zu wünschen ist) und mit beständiger Hinweisung auf biblische Geographie. Das Ueberfetzen der Gebete wird bei uns nicht als eigentlicher Unterrichtsgegenstand behandelt, die Knaben der dritten Klasse laßt man zuweilen ein Stück satz- oder phrasenweise übersetzen, und nimmt dabei mehr auf gemüthliche als auf sprachliche Auffassung Bedacht, was wir für zweckmäßiger halten, als das mechanische wortweise Verdeutschen. Die Mädchen dagegen werden lediglich angewiesen, abwechselnd deutsch und hebräisch zu beten, ersteres, um wirklich zu beten, das andere, um dem öffentlichen Gottesdienste nicht entfremdet zu werden, und nicht bloße Zuschauerinnen bei demselben abzugeben. (Schluß folgt.) Berichte aus Mähren. (Schluß.) 7) Rausnitz. Ein Ort, der durch stete Verbindung mit der nahen Hauptstadt, noch mehr durch Talent und Neigung der Bewohner höchst geeignet wäre, ein Hauptsitz scientrvischer und sittlicher Bildung zu sein. Das bisherige Hinderniß scheint uns theils in einem mehr als gewöhnlichen Hange zur Gemächlichkeit, theils in dem rastlosen Geschäftstriebe und in Geringachtung mancher Aeußerlichkeit zu liegen. Diese Rüge fließt aus wahrem herzlichem Wohlwollen und aus der Ueberzeugung, baß vorzugsweise diese Gemeinde mit ihrer nicht kleinen Zahl vortrefflicher, hellsehender und kenntnisreicher Köpfe, eine Zierde der mährischen Gemeinden werben könnte. Der Kampf zwischen den Anhängern der beiden Rabdinats-Candidaten (wobei wir. von beiden Seiten, oft den Gebrauch nicht ganz glimpflicher Mittel mit Bedauern ansahen) scheint endlich durch eine auf Befehl der hohen Landesdehörde neuerlich vorgenommene Wahl beendigt. Hr. Brüll, fiel gegen den mit großer Stimmenmehrheit gewählten Hrn. Stößel durch. Die Freunde

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