Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 15 (10.4.1840)
- Date
- 1840-04-10
- Page
- Seite 130 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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mannichfachen Beziehungen und selbst die Gegner der Republik achteten seine Gesinnungen und Talente. Ihn beschäftigte aber hauptsächlich die Em a n z i p ation, deren Hemmungen er auch durch innere Verbesserungen beseitigen wollte. Er stiftete einen patriotischen Verein voor vlijt en eensgezindheid (Für Fleiß und Eintracht) um Handarbeit und Handwerk zu fördern, und jüdische Knaben bei christlichen Meistern unterzubringen, eine damals höchst schwierige Sache, theils weil die Protestanten das Handwerk als Monopol besaßen, und das Zunftwesen überall vorherrschte, theils weil die portugiesischen Juden insbesondere, aus altspanischem Vorurtheil das Handwerk für erniedrigend ansahen. Doch gelang ihm sein Werk und es fand so sehr Anklang, daß bald in Amsterdam ein ähnlicher Verein zusammen trat, der 10—12 Jahre bestand und viel Gutes leistete. Außerdem ließ er mehrere Flugschriften und Aufsatze zur Beseitigung mancher Vorürtheile erscheinen, und darf man ihm so wie seinem (bei der holländischen Staatszeitung angeftellten) Bruder Jakob einen großen Theil des Erfolges zuschreiben. 1706 erhielten die Juden bekanntlich das volle Bürgerrecht, und kurz darauf wurden vr. de Lemon und H. Bromet als Repräsentanten gewählt, erfterer noch besonders beauftragt, die Republik zu repräsentiren, als der spanische Minister seine Credenzialien überreichte, und etwas später war Da Costa Athias 14 Tage lang Präses der legislativen Macht, also gleichsam Oberhaupt des Staates. — Beide Brüder Belinfante wurden 1806 unter Louis Napoleon beim Ministerium und an der Sraaiszeitung angefteltt, und Moses gab die Beiträge zur Verbesserung der bürgerlichen Verfassung der Israeliten in holländischer Sprache heraus, die erste Zeitschrift von und für Juden in Holland. Sie hatte reichen Stoff an den Verhandlungen in Frankreich. 1808 kamen beide nach Amsterdam. Während Jakob im Bureau des berühmten vr. I. D. Meyer eine Stelle erhielt, unternahm Moses mehrere schriftstellerische Arbeiten, hauptsächlich um die Landessprache in die jüdischen Schulen einzuführen. Er bildete in Gemeinschaft mit seinem Bruder, ferner Herrn de Solla (gegenwärtig Rabbinatsverweser der portugiesischen Gemeinde zu Amsterdam) M. Lemans und Sommerhausen, einen Verein ~\pb Ton genannt, welchem sich viele treffliche Männer anschlossen, und welcher mit dem israelitischen Consistorium sich in Beziehung setzte. Dieser Verein beschloß zunächst die vom Könige befohlene Übersetzung der Bibel in's Holländische zu besorgen. Der Arbeit unterzogen sich Moses Belinfante, Lemans und Sommerhausen; und ein Ausschuß des Consistöriums sollte das Werk revidiren. Der ganze Pentateuch, die Haftaroth und 5 Megilloth waren fertig und die Genesis revidirt, — als 1810 die Reorganisation des Cultus und die Aufhebung der die Bibelübersetzung betreffenden Verordnung eintrat. M. Belinfante, welcher viele Auslagen und Vorschüsse gemacht hatte, erlitt dadurch bedeutenden Schaden; seine seitherigen Versuche, durch Buchhandel und Druckoffizin sich zu ernähren, scheiterten jetzt durch die strenge französische Censur. Et trat wieder in's Lehrfach ein, und lieferte nebenher verschiedene kleine Schriften, unter denen mehrere Jahrgänge des Kalenders für Israeliten sich durch viele historische und statistische Notizen auszeichnen. Dabei lebte er in Dürftigkeit, bis er unter der neuen Regierung wieder in Haag bei der Zeitungsredaktion eine Stelle erhielt, neben welcher er einen Buchhandel errichtete. Doch mißlang ihm das Unternehmen, seine Bibelübersetzung weiter herauszugeben, so wie auch die Erneuung seiner Zeitschrift 1822—3. Auch seiner Stelle ward er durch Jntriguen verlustig, und als er wieder eingesetzt werden sollte, verließ er die irdische Laufbahn, am 9. Juni 1827 im 66sten Lebensjahre. — Er hinterließ keine Kinder, aber seine Neffen und andere Verwandten haben theils unmittelbar, theils mittelbar durch ihn ihre wissenschaftliche Bildung erworben, und eine große Zahl seiner Freunde erkannten seine Leistungen, welche ihn eines bessern Looses würdig machten. — Seine Arbeiten gehörten einem bestimmten Prinzip an, für welches er viel Ungemach ertrug. Sie brachten ihm keine Lebensfreuden, aber sie waren darum nicht minder fruchtbar für die Mit- und Nachwelt. Blick auf den Thalnmd. Don I. Reggio. (Schluß.) Ist man nun einmal kraft dieser Betrachtungen zu der Ueberzeugung gelangt, daß dieses Werk nicht das sei, wofür es gemeiniglich gehalten wird, so wird zugleich hierdurch zur Erkenntniß seiner wahren Tendenz die Bahn gebrochen. Von Allem abstrahirend, was darüber in späterer Zeit ist gedacht worden, und seinen Inhalt einzig und allein zu Rathe ziehend, wird es nicht schwer sein., die Grundlage zu entdecken, worauf das ganze Gebäude ruhet. Ein Punkt ist es in dev That, um den sich der ganze Thalmud gleichsam drehet, und der als die gewaltige Triebfeder erachtet zu werden verdient, die alle sich darin befindlichen Verhandlungen in's Leben gerufen. Unzählige Stellen daselbst beurkunden die große, alles überwiegende, aus kei-