Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 15 (10.4.1840)
- Date
- 1840-04-10
- Page
- Seite 129 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3133765-3133820-3133836--0624-3134784- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1840, 10. April. 15 Israelitische Annalen. Ein Centralblatt st- Geschichte» Literatur nnd Cnltur der Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegeben v o n vr. I. M. Jost. Don diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer, bisweilen l*/2 Bogen; Preis des Jahrganges S Rthlr. fi. 5; man subscribirt bei allen Ml. Postämtern und in allen Buchhandlungen des In- und Auslandes. Biographische Skizzen, von Nr. Sommcrhausen. — Blick auf den Thalmild, von Z. Reggio lSchluß.) — Ueber dm Schaltmonat im jüdische» Kalender, von vr. M. <§ reizen ach. — Nachrichten und Correspondenzen: Frankreich (Schluß); Brüssel; Großherz. Baden; Berichte auS Mähren (Schluß); Würzburg; Kisstngen. — Literatur. — Literarisch-Kritische Briefe (Fortsetzung). — Erklärung aus Stadt-LengSfeld. Biographische Skizzen. Von vr. Sommerhaufen. MoseS Cohen Belinfante und Moses Lemans. Die beiden Männer, von deren Leben hier eine kurze Schilderung gegeben werden soll, haben sich zwar keinen glänzenden Ruhm im Auslande erworben, aber dennoch verdienen sie in den Annalen der Israeliten ein ehrendes Denkmal. Beide rangen sich selbst aus den Nebeln der Unwissenheit durch eigene Geisteskraft hervor, beide arbeiteten oft neben und miteinander mit rastlosem Eifer für das Wohl ihrer Glaubensbrüder gegen innere und äussere Schwierigkeiten kampfend, und beiden verdanken ihre Landsleute die Anfänge zu so manchen ersprießlichen Fortschritten, deren Wohlthaten die Urheber selbst nicht zu genießen das Glück hatten. 1) Moses Cohen Belinfante, geb. im Haag 24. Sept. 1761, ward bis ins 14te Jahr von seinen allgemein geschätzten Eltern erzogen, und erhielt die nöthige Elementarbildung. Dann war er in Copenhagen bei seinem Verwandten vr. de Meza, um dort sich zum Studium der Medizin vorzubereiten. Allein schon nach einem Jahre kehrte er, da sein lebhafter Geist sich den fanatischen Begriffen seiner Vorgesetzten nicht fügen konnte, in seine Vaterstadt zurück. Hier erwarb er sich durch seine Geläufigkeit in der französischen Sprache mittelst schriftlicher Arbeiten und Privatunterrichts seinen Unterhalt. Ungeachtet seines starken Liberalismus, der ihm manche Verdrießlichkeiten bereitete, ward er doch, im Alter von 25 Jahren, an die Stelle seines Vaters als Lehrer der portugiesischen Armenschule angestellt; neben welcher er bald eine höhere Privat - Erziehungs - Anstalt für Mitglieder beider Gemeinden verband; vielleicht die erste ihrer Art in ganz Europa. Man übersetzte in dieser die heil. Schrift und die Gebete in die reine Landessprache, was damals großes Aufsehen machte, doch nicht sehr viel Widerstand fand. — Er stiftete bald darauf einen literarischen Verein, in welchem besonders Emanuel Saruco, ein höchst talentvoller Mann, sich auszeichnete, und welcher zunächst eine Uebersetzung des portugiesischen Gebetbuches in's Holländische, in vier starken Octavbänden, bewerkstelligte. Die biblischen Stellen darin waren dem Belinfante übertragen, und dieser folgte so genau als möglich der Mendelssohn'schen Uebersetzung, wodurch er auf den Gedanken kam, für seine Landsleute den ganzen Pentareuch in's Holländische zu übersetzen. Inzwischen lieferte er zunächst ein recht gutes Elementarbuch: Geschenken voor de israelitische jeugd itt 2 Abtheilungen. Bald aber änderten sich die Umstände. Die politischen Ereignisse zogen seine ganze Aufmerksamkeit an; mit den Häuptern der batavischen Republik und vielen Diplomaten stand er in